Kultur aus Sandramoris

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Re: Kultur aus Sandramoris- Avis Elabi

von Crynn » Di Jan 27, 2026 5:33 pm

Avis Elabi
In den Wäldern lebt ein sonderbarer Vogel. Über die Jahrhunderte hat seine Art es immer besser gelernt sich der Umgebung anzupassen, was ihr Überleben sicherte.
Seine wahre Gestalt bleibt uns verborgen. Er kann sich mitten unter uns bewegen, ohne dass unser Auge ihn erkennt.
Seine Federn sind imstande die Farben der Umgebung anzunehmen. Wir hören seinen einzigartigen schrillen Ruf und dies auch nur dann, wenn er es will. Seine Flugbewegungen sind vielfältig, mal ist er langsam, fast wie in Zeitlupe, dann wieder erreicht er Geschwindigkeiten, die fast unmöglich scheinen.
Er ist als „der Wandelnde“ im Volksmund bekannt, manche bezeichnen ihn als den, der entkam. So ist er den Vogelkundigen als Avis Elabi bekannt.
Bei Feierlichkeiten ist er kein willkommener Gast. Durch die geschickte Tarnung kann er sich frei in festlich gedeckten Tafeln bewegen, hier etwas von einem Teller ziehen, dort das Tafelsilber um ein kleines Löffelchen erleichtern. Es gab schon Kunde von geplünderten Gartenbuffets, bei denen eine ganze Gruppe der Vögel die Leckereien verzehrte oder auch nach und nach davonschaffte.
Es herrscht die Annahme, dass seine Nachkommen in ihren ersten Monden noch nicht die Kunst der Anpassung entwickelt haben. Deshalb werden die Kleinen versteckt, über lange Zeit gefüttert und in der Tarnung unterrichtet. In den Tiefen der Wälder werden sie geschult, solange bis sie ihre Gestalt perfekt an ihre Umgebung anpassen können.
„Der Wandelnde begleite dich in deiner Stube, vom Anbeginn deiner Tage. Streue ihm Krümel deines Brotes aufs Fensterbrett. Lass ihn teilhaben an deinen Geschichten, deinen Träumen in den hellen Nächten des Sommers. Flüstere ihm die Geheimnisse deiner Jugend zu. Wenn er dich in sein Herz schließt, hast du einen Gefährten bis ans Ende deiner Zeit auf dieser Welt. Denn er ist treu. Er wacht über dich. Er schützt dich vor Gefahren. So wird er in deiner Nähe sein, bis der grosse Rabe dich nach Hause holt.“
Immer wieder haben Amazonen von Wandelnden erzählt, die ihre schützenden Federn über sie hielten. Auch wenn sie im Verborgenen blieben, gaben sie doch Zeichen, dass sie da waren, wenn sie einmal ihr Herz geschenkt hatten.

Re: Kultur aus Sandramoris, Was in den Wäldern lebt, Der schreiende Nebel

von Crynn » So Jan 11, 2026 6:55 am

Was in den Wäldern lebt
Der schreiende Nebel

Der schreiende Nebel ist listig. Er hat die Eroberung seiner Opfer perfektioniert.
„Ich sehe dich kaum noch“ sagt die Mutter zu ihrem Kind, wenn ihre Sicht verschwimmt und sie noch denkt, ein gebrauter Trank könne dagegen helfen. Doch immer trüber wird ihr Blick, denn der Dampf ist in sie gekrochen.
„In meinem Kopf sind soviel Gedanken. Ich möchte schreien, um mir Luft davon zu verschaffen, doch es gelingt mir nicht“ Der schreiende Nebel hat sich der Frau bemächtigt. Ihre Gedanken bieten ihm Nahrung, er kriecht durch ihren Kopf, kostet dort vom Anblick ihrer Jugend, da vorne vom Bild ihres Erstgeborenen kurz nach der schmerzhaften Geburt, liebt den Moment in dem ihre Schreie in tiefe Liebe übergehen.
„Ich vergesse soviel“ sagt die alte Frau zu ihrer Tochter unter Tränen, denn was eben noch da war, ist nun verschwunden. Der Dunst hat sie gefressen, all ihre Erinnerungen an die schönen Momente ihres Lebens, die Sonnenstrahlen auf ihrem Gesicht, als sie mit ihrer großen Liebe im Gras hinter den zwei Türmen lag, ihr Herz so voller Glück, dass sie glaubte es könne zerspringen.
„Hat er einmal von deiner Seele Besitz ergriffen, wiegt er dich auf seinem Schoss, dann bist du des Todes. Kein Entkommen aus seinen Armen, die dich in Nebelschwaden hüllen, deinen Geist beherrschen, so dass du zu einer Puppe in seinen Händen wirst.“
„Lass uns die Glocken läuten, wenn der Dunst hervorkriecht an den Tagen der Nebelung“
Durch die Schwaden hörst du in der Ferne die Glocken. Du weißt, wenn du ihnen nur folgst, wirst du sicheren Schrittes nach Hause geleitet. Doch hüte dich vor den Schwaden die nach deinen Füssen greifen, deine Hände versuchen zu packen, deinen Kopf umschwirren. Sie suchen nur eine Stelle durch die sie in deine Gedanken vordringen können. Und sind sie einmal dort, ist es zu spät. Dann helfen auch die Klänge der mächtigsten Glocke nicht mehr. Der Nebelmann lässt niemals ab.
Er schreit mit vielen Stimmen. Er ist ein Verführer, der dich vom Weg abbringt, lockt dich zu seiner Höhle. Eine Zeit lang dienst du ihm als Spielzeug, denn es belustigt ihn, was du in deinem Kopf zu verstecken versuchst. Er wird es bekommen. Er bekommt es immer. So ist er gierig geworden nach immer neuem Spielzeug, Puppen, die er in seiner Höhle aufreiht. Bis er ihnen überdrüssig geworden ist, sie zerstört hat. Dann wirft er sie in den tiefen Schacht, von dem nicht einmal er weiß, wohin er führt.
Viele Jahre ward er nicht mehr gesehen. Die Weisen Frauen sind nicht sicher ob er weitergezogen ist. Sie suchen nach Zeichen seines Aufbruchs, nach Spuren in den Wäldern. Sie haben die Hoffnung er möge sich aufgemacht haben zu neuen Stätten. Zuviel Unheil hat er seit seinem Erscheinen über die Menschen in Sandramoris gebracht. Soviel Schmerz, Weinen in der Dunkelheit.
Die Warnungen bleiben bestehen, die Furcht vor den Tagen an denen Nebel aufsteigt. Die Glocken erklingen weiterhin. Gebete werden gesprochen. Auf dass die Ruhe bestehen bleibe. Auf dass er nie wiederkehren möge.
„Wir bitten um Geleit. Der schreiende Nebel lauert in der Dunkelheit. Lass nicht zu, dass er unserer habhaft wird. Beschütze die Wege unserer Kinder. Behüte die uns Anvertrauten. Lege deine Hände um unser aller Schultern, auf dass wir in Sicherheit deine Wege betreten.“

Re: Kultur aus Sandramoris- Das Haus der Schwestern- Die Gewächshäuser

von Crynn » Mi Jan 07, 2026 9:07 pm

Das Haus der Schwestern – Die Gewächshäuser

Drei kuppelartige hohe Gewächshäuser, gleich hinter dem riesigen uralten Haus, reflektieren das Sonnenlicht, so dass es Tage gibt, an denen man kaum imstande ist sie anzusehen ohne die Augen zukneifen zu wollen. Aus Kristall und schwarz glänzendem Metall erbaut, kunstvolle Verzierungen und Figuren am Rande der Kuppeln, Wasserspeier in Form von Drachen, Echsen und schlangenartigen Wesen. Das Kristall ist so alt, dass an manchen Stellen kleine Risse entstanden sind.
Eine schwere Eisentür verschafft den Zugang zum ersten Gewächshaus, doch nur derjenigen, die den langen silbernen Schlüssel mit seinen geheimnisvollen Zeichen auf dem Griff zu Hand hat. Die Gewächshäuser sind stets verschlossen. Es gab eine Zeit in der der Schlüssel plötzlich verschwunden war. Für Jahre konnte niemand die Gewächshäuser betreten. Und doch hörte man immer wieder Geräusche daraus. Sah Bewegungen hinter dem Kristall oder manchmal Lichter in der Nacht.
Hinter der Eisentür geht der Blick gleich in die Höhe, denn dort hängt ein riesiger Kronleuchter in der Mitte der Kuppel. Über eine schmale Eisentreppe, gleich links neben der Eingangstür steigt man hinauf fast bis zur Kuppel. Dort kann man auf einer Metallkonstruktion, die um das gesamte erste Gewächshaus führt, nach unten sehen und hat außerdem die Gelegenheit die Lichter im Kronleuchter zu entzünden. In den Anfangsjahren des Hauses sollen hier Bankette stattgefunden haben, inmitten der Oase aus Palmen, Oliven- und Feigenbäumen. Ein Springbrunnen ist zu betrachten, aus den Augen des Einhorns, um dessen muskulösen steinernen Körper sich Schlingpflanzen und allerhand Kleingetier winden, rinnt stetig Wasser, die Frauenstatue auf seinem Rücken, eine Amazone in voller Kriegstracht, zielt mit ihrem Pfeil, der bereits gespannt im Bogen liegt, auf die Eingangstür.
Karren um Karren voll Sand wurde hier hereingebracht, er liegt auf dem Boden, an manchen Stellen sind kleine Hügel errichtet, aus denen Kakteen und Sukkulenten wachsen. Der Weg, der durch das erste Gewächshaus führt besteht aus kleinen bunten Keramikfliesen, kunstvoll arrangiert, so dass sich immer wieder Bilder und Symbole entfalten.
Durch eine kleine, zwischen all den hohen Palmen kaum sichtbare Eisentür gelangt man in das zweite Gewächshaus. Hier ist es stets sehr warm, so dass es früher im Winter ein beliebter Aufenthaltsort war. Dazu wurden an mehreren Stellen Bänke aufgestellt, schmiedeeisern, kunstvoll gearbeitet mit Blättern und Früchten verziert. Diese sieht man jedoch nicht gleich, zunächst führt der Weg über die Mosaiksteine, die in diesem zweiten Gewächshaus nur blau und weiß sind, in ein Labyrinth aus Farnen, Palmen, Orchideen, fleischfressenden Pflanzen, großen Kakteen in den unterschiedlichsten Formen und allerhand anderen blühenden Pflanzen. Ein Gärtner soll nur für die Pflege der fleischfressenden Pflanzen zuständig gewesen sein, sich um die Aufzucht der Insekten gekümmert haben, mit denen sie von ihm gefüttert wurden. Hierfür benutzte er eine lange Greifzange, außerdem dicke lederne Handschuhe. Dies waren wichtige Schutzmaßnahmen, nachdem einige der Pflanzen so groß gewachsen waren, dass sie durchaus Verletzungen zufügen konnten. Deshalb standen sie auch nicht direkt am Weg sondern in den hinteren Bereichen des Gewächshauses.
Es gab eine Zeit in der hier bunte teils riesige Schmetterlinge in allen Farben des Regenbogens umherflatterten. Schildkröten bewegten sich gemächlich über den Boden, bannten sich ihren Weg von einer der zahlreichen Wasserstellen und kleinen Teiche zu nächsten. Der Ruf von verschiedensten Vögeln drang durch die Gewächshäuser, die durch kleinere Zugänge in den Höhen von einem zum nächsten Gewächshaus gelangten.
Es muss eine reine Wonne gewesen sein, in den Wintermonaten hier im Warmem zu sitzen, inmitten der Gewächse einen Blick nach draußen zu erhaschen und sei es nur über die kristallene Kuppel. Beim Blick nach oben den fallenden Schnee zu beobachten, dessen Kälte einem nichts anhaben konnte.
Das dritte Gewächshaus war stets nur wenigen erlaubt zu betreten. Denn hier befinden sich die gefährlichen, teils totbringenden Pflanzen, zusammengetragen aus vielen Ländern in ganz Myra. Für die Weisen Frauen war es früher ein Ort der Lehre, sie konnten experimentieren, Tränke brauen, Methoden der Haltbarmachung für verschiedene Gewächse und ihre Früchte testen. Hierfür gibt es dort eine gut ausgestattete Küche, einen riesigen alten Apothekerschrank, in dessen unzähligen Schubladen noch heute getrocknete, gedörrte, verschrumpelt aussehende Früchte, Blätter auf ihre Benutzung warten. Doch die Weisen Frauen haben schon lange keinen Zugang mehr zum Gewächshaus. Und so gerät das Wissen über die Kunst der gefährlichsten Tränke langsam in Vergessenheit. Denn in der Eile ihres damaligen unerwarteten Aufbruchs blieb ihr Buch mit all den Aufzeichnungen über ihre Experimente und Versuche im Gewächshaus liegen. Noch immer ist es auf der Seite der Alraune aufgeschlagen. Das letzte Experiment beschreibt die Halluzinationen der jungen Weisen Frau, die von der Alraune gekostet hatte. Es kursiert die Geschichte, dass sie im Gewächshaus zurückblieb, als die Weisen Frauen daraus flüchten mussten. Allein, der Vollmond über ihr, das flackernde Licht der vielen Kerzen um sich, begegnete sie ihren Dämonen, die sie solange schreiend im Garten des Wahnsinns umherirren ließen, bis die Alraune ihre volle Wirkung entfaltete und ihr alle Luft nahm. Ihr toter Körper umwachsen von giftigen Pilzen, umschlungen von Ranken, die sie immer mehr einschnürten. Inzwischen nur noch der Ring, von ihrer linken Hand, den ihr ihre Geliebte ansteckte, auf dem Boden zurückgeblieben.
„Saluta mortem quae te per has aulas vagari sinit“
Grüße den Tod der dich in diesen Hallen wandern lässt – steht auf der letzten Tür des dritten Gewächshauses, die zum Garten führt. Wer einen Schlüssel besitzt, denn zu dieser Tür wird wieder ein anderer Schlüssel benötigt, gelangt in einen ummauerten Teil des riesigen Garten des alten Anwesens und wird dort die Bekanntschaft seltener Lebewesen machen können, die nur die wenigsten Bewohnerinnen von Sandramoris jemals zu Gesicht bekommen werden.

Re: Kultur aus Sandramoris- Die Legende von Lumo

von Crynn » So Jan 04, 2026 1:33 pm

Es gibt eine alte Legende in Sandramoris.
Unsere Grossmütter haben sie unseren Müttern erzählt, wenn sie sie in den Schlaf wiegten, wir selbst pflanzen sie in die Herzen unserer Kinder und auch sie werden die Geschichte weitergeben. So wandert sie von Generation zu Generation, Hoffnung spendend für alle Zeiten:
„Lumo - Die Frau aus Stein“.
Ich will sie euch erzählen:
Einst waren die Amazonen in Sandramoris Gejagte. Aus fernen Landen kamen Männerhorden über die Weite See.
Zunächst hatten wir diesen Männern kaum etwas entgegenzusetzen. Wir wurden überrascht von der Wucht ihres Angriffs, ihrer rohen Gewalt, ihrer Wut auf alles Weibliche. Ihrem Drang sich zu bedienen an unseren Kindern, unseren Leibern, unseren Besitztümern.
Sie überrannten Sandramoris, drangen in einer Schnelligkeit in unser geliebtes Land vor, wie wir sie zuvor noch nie bei einem Angriff erlebt hatten.
Doch es formte sich Widerstand in den tiefen Wäldern. Über die Jahre der Besatzung dieser feindlichen Macht baute sich eine Armee an Amazonen im Untergrund neu auf. Die nichts anderes im Sinn hatte als ein freies Sandramoris, dass der Herrschaft der Männer , die es sich gestohlen hatten, wieder entrissen wurde.
Lange Zeit dauerte es, bis die Armee der Frauen stark genug war um sich dem Kampf zu stellen.
Und eine von ihnen tat sich dabei ganz besonders hervor: Ihr Name war Lumo.
Als kleines Mädchen hatte sie Nacht für Nacht miterleben müssen, wie ihre Mutter neben ihr auf der Bettstatt grosse Schmerzen erleiden musste, durch die Hand des Mannes, der sich als neuer Vorsteher des Dorfes indem sie aufwuchs deklariert hatte.
Nach der feindlichen Besetzung des Landes hatten die Fremden sehr schnell jedes Dorf, jede Stadt, so gut wie jedes Gebiet in Beschlag genommen.
Lumo war noch zu klein gewesen, als dass sie sich an die Zeit vor der Besatzung erinnern konnte. Sie kannte das Gefühl von Freiheit nicht, nur aus den flüsternden Gesprächen, die ihre Mutter mit anderen Frauen des Dorfes im Waschhaus führte.
Als sich ihr eigener Körper immer mehr in den einer Frau verwandelte, begann der Vorsteher sich auch für diesen zu interessieren. Zunächst hatte sie es geschafft seinen Forderungen zu entgehen. Doch sie hatte immer gewusst, dass der Tag kommen würde, an dem sie, in eine Ecke getrieben, wie ein Tier schreiend, ihm Gehorsam leisten müsse.
Lumo war schon als kleines Mädchen ein anderes Kind gewesen, als ihre Spielgefährtinnen. Sie konnte den Wind flüstern hören, sie sprach zu den Sternen, manchmal schloss sie ihre Augen, murmelte unverständliche Laute, wie in einer Trance stand sie dann da und wiegte ihren schmalen Körper hin und her.
Immer spürte sie eine Stärke in sich, fühlte, dass etwas in ihr war, dass von Jahr zu Jahr wuchs, zu ihr sprach, ihr Kraft schenkte in Zeiten der Traurigkeit.
Als junge Frau verließ sie schließlich bei Nacht ihr Dorf, mit dem festen Willen sich den freien Amazonen in den Wäldern anzuschließen, von denen die Frauen des Dorfes hinter vorgehaltener Hand erzählt hatten.
Das Wunder auf das ganz Sandramoris so lange Zeit gewartet hatte schien in Erfüllung zu gehen.
Nach und nach konnte die Armee der Amazonen zunächst einzelne Dörfer, später, als sich immer mehr Frauen der Bevölkerung dem Befreiungskampf anschlossen, ganze Städte befreien, die Feinde vertreiben.
Es schien, als wäre die Dunkelheit, als wäre all das was Sandramoris fast ausgelöscht hätte vom Licht überflutet worden.
Doch über die Weite See kamen Herrscharen von weiteren Männern aus fernen Ländern mit Söldnern. Die Bevölkerung von Sandramoris hatte sich dem Widerstand inzwischen fast komplett angeschlossen und es entbrannten wilde Kämpfe an den Küsten der Weiten See um die Eindringlinge daran zu hindern weiter ins Landesinnere vorzustossen.
Es ist unvorstellbar, wie viele Menschen, Frauen, Kinder dabei gefallen sind.
Ein Blutmeer überzog die Küsten.
In der letzten alles entscheidenden Schlacht dort in den Wäldern vor der weiten See gelang es einer Truppe an Männern sich der Anführerin entgegenzustellen, sie einzukreisen, sie abzuschirmen von den anderen und durch die Wälder zu jagen.
Sie hatte nichts als ihren Leib und ihre blutdurchtränkte Kleidung, denn ihre Waffen waren auf der Flucht verloren gegangen. Zum Schluss war sie wie ein gehetztes Reh, das den Jägern zu entkommen versucht, auch wenn es die Pfeile in seinem Körper bereits spürt und die Kraft aus ihm herausrinnt.
Sie hörte die Angreifer hinter sich , hörte wie das Gehölz unter ihren schweren Schritten brach. Sie hörte ihre lauten Stimmen, sie hörte ihr höhnisches Lachen.
Und irgendwann ging ihr die Kraft aus. Sie wusste, dass sie nicht länger fliehen konnte, dass ihre Zeit sich nun dem Ende zuneigte.
Es begab sich auf einer kleinen Lichtung im Grossen Wald da Sie sich umdrehte und wartete, um dann mit mutigen Blick aus grossen dunklen Augen ihren Verfolgern entgegen zu treten.
An der Zahl 10 Männer waren es, die sie einkreisten, in die Enge trieben. Und doch setzte sie alle Mittel ein die Sie hatte, sie kämpfte um ihr Leben. Alle Techniken die Sie jemals erlernt hatte, die ihre Mutter ihr beigebracht hatte, ihre Großmutter ihr schon in die Ohren geflüstert hatte, als Sie noch ein kleines Wesen war das in der Wiege schlief, wandte sie an.
Sie nahm alle Kraft die Sie noch hatte zusammen, sie schlug, sie biss, sie würgte, sie schrie, doch es waren derer an der Zahl zu viele. So konnte Sie nichts tun, nichts tun und musste zusehen wie ihr Leib geschändet wurde. Ihr Geist hatte sich längst dem Körper entzogen um ihr diesen Schmerz zu ersparen. Wie diese Männer sich alles nehmen wollten was sie ausmachte und doch wusste sie tief in ihrem Innern, dass sie niemals ihre Seele brechen würden, auch wenn der Preis ihr Sterben wäre.
Als die Männer nach langer Zeit von ihr abgelassen hatten, kam der Anführer auf Sie zu, ein großer schwerer Mann mit einem breiten bösen Lächeln und kalten blauen Augen. Der nun als letzter genießen wollte, was er sich erobert hatte.
In dem Moment als er sich auf Sie legen wollte, ging ein Zucken durch ihren Leib. Es begann in ihren Füssen. Eine tiefe Ruhe kam über sie, eine Wärme floss durch ihren Körper. Es war ein seltsames Gefühl und doch erkannte sie es wieder. Es war dasselbe Gefühl, dass sie in Kindertagen gespürt hatte, wenn sie wie in Trance sich verbunden fühlte mit höheren Mächten.
Irgendwie spürte Lumo plötzlich ihre Füße nicht mehr, ihre Beine wie taub, alles um sie herum verschwamm wie in einem Nebelmeer. Und auch der Mann über ihr war wie ein Bild aus einem Traum, sie hörte ihn nur laut schreien.
Die umstehenden Männer wichen entsetzt zurück. Dort in der Mitte der Lichtung lag Lumo auf dem Boden. Ihre Zehen, die sie gerade noch in die Erde gekrümmt hatte, waren nun ganz entspannt. Sie hatten sich grau gefärbt.
Eine Macht war zum Vorschein gekommen, die immer schon in ihr geschlummert hatte, auf den Moment wartend, in dem sie ihre Künste zeigen durfte.
Noch nie zuvor hatte je ein Menschenauge diese Künste erleben dürfen.
Ihre Adern, die sie noch eben pochend gespürt hatte, wurden dunkel. Nach und nach färbten sich ihre Füße, ihre Beine, ihr Becken, ihr ganzer Leib grau.
Lumos Körper verwandelte sich zu Stein. Als dann nur noch ihr Kopf rosig war, öffnete sie weit ihre dunklen Augen.
Die Männer waren zurückgewichen, wie erstarrt und sprachlos starrten sie sie an.
Lumos Blick war ganz ruhig und ohne Angst. Sie lächelte, als sie zu sprechen begann:
„Ihr dachtet ihr könntet alle Frauen in Sandramoris unterwerfen.
Für uns seid ihr Männer nichts als der Abschaum der Welt. Seht, was ihr euch gegenseitig antut. Seht, wie ihr mit euren Anvertrautem umgeht. Seht, was ihr in der Welt für Zerstörung anrichtet, mit eurer grenzenlosen wahnsinnigen Wut.
Niemals werden wir uns euch unterwerfen. Niemals werden wir eure Hände in die unseren nehmen. Niemals werden wir zu euren Füssen knien. Niemals vor euch im Staub kriechen.
Ihr könnt uns nicht untertan machen. Wir sind freie stolze Frauen von Sandramoris. Wir sind Amazonen. Niemals könnt ihr uns bezwingen, niemals unsere Seelen brechen.
Sehet, jetzt werde ich zu Stein. Ich werde erstarren, damit ihr mich nicht bekommt und dann in ferner Zukunft, wenn wir frei sein werden, alle Frauen, alle Frauen auf dieser Welt, auf dieser wunderschönen Erde, wenn wir uns befreit haben, dann erst werde ich erwachen aus dem langen Schlaf in den ich nun falle.“
Der Mann über ihr wurde in dem Moment zu Stein, als sich Lumos Kopf ihm zuwandte, aus ihren Augen Lichtblitze zu sprühen begannen.
Lumos Blick war blind geworden, denn alle Kraft nutzte sie nun für ihr Vorhaben. Das Licht, das grell aus ihren Augen schoss, streute sich und jeden der feindlichen Männer, den es traf, verwandelte es in Stein. Aus der Lichtung heraus schoss es in die Höhe, als Lumo ihren Kopf zum Himmel hob. In ganz Sandramoris verteilte es sich im Bruchteil von Sekunden. Überall wurden die Feinde zu steinernen Skulpturen und Sandramoris ward frei.
Es heisst, dass aus den steinernen Körpern der Feinde eine grosse Mauer gebaut wurde, manche der Körper schienen wie in Krämpfen verschlungen, ihre Augen weit aufgerissen, als hätten sie in den letzten Sekunden ihres Lebens etwas erblickt, dass jenseits aller Vorstellungskraft läge.
Lumo, die Frau aus Stein ward verschwunden.
Nur die weisen Frauen vom Orden Lumo kennen den Weg zu ihr, sitzen neben ihr, halten Wache, umschließen sie mit ihrer Wärme.
Manchmal weint sie in der Nacht, sie flüstert unverständliche Laute aus ihren steinernen Lippen, tief im Gestein schlägt ihr Herz weiter.
Die weisen Frauen entzünden Feuer und tanzen um sie, sie singen, sie schmücken sie mit Blumen, sie vertrauen darauf, dass sie eines fernen Tages erwachen möge und alles Unrecht aus der Welt verbannt sein würde.

Lumo Lumo
Virino farita el stono Frau aus Stein
En la ombro de la granda arbo Im Schatten des grossen Baumes
vi dormas Schläfst du
Sirmitaj en la rondo de sagaj virinoj Geborgen im Kreise der weisen Frauen
Vi vekigos Erwachen wirst du
Kiam la voco resonas en vi Wenn die Stimme in dir erklingt
Viaj okuloj brille la lumon Deine Augen sprühen das Licht
Nia amata planedo brilos en hela grandiozeco Leuchten wird unser geliebter Planet in
Hellem Glanz
Vi estos la lumo, kiu lumigas la mallumon Du wirst das Licht sein, das die
Dunkelheit erhellt
Via flustro atingas niajn korojn Dein Flüstern erreicht unsere Herzen
Ni tenas viajn larmojn en niaj animoj Deine Tränen bewahren wir in unseren
Seelen
Ni protektas vin Wir beschützen dich
Ni ekbruligas la fajron por vi Wir entzünden das Feuer für dich
Ni protektas vin kontrau ciuj dangeroj Wir behüten dich vor allen Gefahren
Dum vi dormas während du schläfst

Re: Kultur aus Sandramoris- Der Pakt

von Crynn » So Jan 04, 2026 1:16 pm

Die fliegenden Wächterinnen

Der Pakt zwischen den Amazonen und den Raben wurde besiegelt in einer Vollmondnacht. Schon lange waren sie Verbündete gewesen im Kampfe, in der Verteidigung des Landes. Die Vögel hatten Kunde gebracht von sich nähernden Eindringlingen, sie begleiteten die Amazonen in die Schlacht, labten sich an den Körpern der Gefallenen.
Geschenke wurden in dieser Nacht übergeben. Die Kriegerinnen erhielten einen Mantel, bestehend aus übergroßen glänzenden Rabenfedern. Noch wussten sie nicht von dessen Macht, kannten seine Kräfte nicht. Die Federn stammten von den Körpern der riesigen Raben aus den Bergen.
In Geschichten wurde den Kindern von ihren Taten erzählt. Die Gütigen, die Weisen, die Sprechenden. In der Stunde des Todes, so erzählte man sich, erscheint jeder sterbenden Amazone einer von ihnen. Breitet seine Flügel über ihrem schwächer werdenden Körper aus. Erzählt ihr von der Reise, die bevorsteht. Sie sieht in seine dunklen Augen, wenn sie ihren letzten Atemzug macht. Während die Menschen um sie herum weinen, spürt sie eine Wärme, ihr Herz schlägt langsamer, sie steigt auf den Rücken des Raben. Sein Gefieder ist weich unter ihren gerade noch zitternden jetzt ganz ruhigen Händen. Weit steigen sie auf in die Lüfte, sie sieht Sandramoris unter sich liegen, noch höher geht es, bis über die Wolken. Die Sonne küsst ihr Gesicht.
Der Mantel durfte zunächst nicht getragen werden. Er ruhte in einer hölzernen Truhe, mit kunstvollen Schnitzereien verziert.
Der Pakt lag schon viele Jahre zurück, da beschloss eine Amazone namens Roja die Truhe zu öffnen. Als sie den Deckel hob, klang eine Stimme in ihr Ohr. Sie musste den Mantel umlegen. Es gab keine andere Möglichkeit, fast war es, als wäre die Stimme plötzlich in ihrem ganzen Körper. Niemand befand sich mit ihr im Raum, als sie den Rabenmantel aus der Truhe hob, ihn sich um die Schultern legte. Es war ihr, als wäre sie in eine zweite Haut geschlüpft. Die Federn bewegten sich mit ihrem Körper, wenn sie ihre Arme hob, blähte sich der Mantel auf. Die Stimme wurde jetzt immer lauter in ihr. Sie erzählte ihr von den Raben aus den Bergen. Sie weihte sie ein in uralte Rituale, verriet ihr Geheimnisse, die nie zuvor eine Amazone hatte erfahren dürfen.
In dem Moment verwandelte Roja sich. Äußerlich war davon nichts zu sehen, noch immer stand dort die große muskulöse Frau, deren linke Wange von einer langen roten Narbe gezeichnet war.
Roja nahm den Mantel mit sich. Sie konnte sich nicht vorstellen, ohne ihn zu gehen. Jahre bewahrte sie ihn in ihrem Haus auf, in einem Zimmer, zu dem ihre Kinder keinen Zugang hatten.
Immer öfter kam es vor, dass sie nachts verschwand. Wenn sie in den frühen Morgenstunden zurückkehrte, war ihr langes schwarzes Haar zerzaust, ihre dunklen Augen leuchteten.
Ihren Töchtern fielen Veränderungen auf. Es schien ihnen, als würden die Finger ihrer Mutter länger werden, ihr ganzer Körper schien wendiger, geschmeidiger zu werden. Ihre Haare wurden voller, ihre Augen waren wie tiefe glänzende Seen.
„Du machst mir Angst“ Diese Worte ihrer jüngsten Tochter Odine hätten die frühere Roja tief getroffen. Die neue Roja lachte nur darüber. Sie wiegte Odine in ihren starken langen Armen. „Die Stunde rückt näher“ flüsterte sie ihr ins Ohr, bevor sie sich umdrehte und das Haus verließ.
Einige Tage später war es dann so weit. Odine hatte in dieser Nacht noch lange wach gelegen, sie machte sich Sorgen um ihre Mutter. Der Vollmond schien in ihr Zimmer. Als sie gerade ihre Augen schließen wollte, klopfte etwas an ihr Fenster. Odine erschrak, denn ihr Zimmer lag im ersten Stock des Hauses. Vorsichtig drehte sie sich zum Fenster um. Als sie dort nichts sah, stand sie auf. In dem Moment, als sie ihre Nase gegen die Scheibe drückte, erblickte sie die Augen ihrer Mutter. Nur waren sie viel kleiner, runder. Ein großer Rabe saß auf der Fensterbank, direkt vor ihr, mit seinem Schnabel pochte er ans Fenster. Odine wollte schreien, doch etwas in ihr sagte, dass ihr keine Gefahr drohte.
Der Rabe mit den Augen ihrer Mutter pochte wieder an ihr Fenster, kräftiger, beharrlicher.
Odine öffnete das Fenster. Der Rabe flog hinein, landete auf ihrer Schulter. Er flüsterte in ihr Ohr. Zunächst verstand sie ihn nicht. Mit der Zeit wurden die Worte deutlicher, ergaben Sinn. Odine erfuhr in dieser Nacht Dinge, die sie sich nie hatte vorstellen können, erhielt Einblick in eine Welt voller Schönheit.
„Die Stunde meines Abschiedes ist gekommen“. Der Rabe saß nun vor ihr auf der Fensterbank, eine lange rote Narbe auf seiner linken Wange. Die Tränen die Odine weinte, benetzten sein Gefieder als sie sich über ihn beugte um Abschied zu nehmen.
„Wisse, dass du nie allein sein wirst. Wisse, dass wir Raben wachen über euch Frauen. In der tiefsten Dunkelheit, in Stunden der Trauer, der Verzweiflung, immer werden wir bei euch sein. Nicht immer werdet ihr uns sehen können. Doch sei dir gewiss, dass Band im Pakt geflochten, wird niemals reißen. Unsere Verbindung wird ewig sein. Wenn dein Atem ein letztes Mal in diese Welt entweicht, meine geliebte Tochter Odine, werde ich dich in meinen Schwingen wiegen.“
Roja flog davon, das Geräusch ihres schimmernden Federkleides konnte Odine nie vergessen. So sehr sie ihre Mutter vermisste, so stark war auch ihr Glaube an die Worte ihrer Mutter. Die Gewissheit, sie wiederzusehen. Die Hoffnung, die sie ihr gegeben hatte.
Odine bewahrte das Geheimnis ihrer Mutter, sie schützte den Rabenmantel, wie ihre Mutter es ihr aufgetragen hatte. Sie wusste, dass die Zukunft der Amazonen eng mit den Raben verknüpft war, der Pakt durfte nicht gebrochen werden.
„Schwarze Augen, schwarze Schwingen. Laute die wie Worte klingen. Deine Seele wird sich laben, wenn du triffst auf deinen Raben“

Re: Kultur aus Sandramoris- Die Dryaden

von Crynn » So Jan 04, 2026 1:14 pm

Keijo und Freya

Keijo ist ein Dryade, mit einem Gewandt aus grünen ovalen Blättern, die seinen sehnigen Körper bedecken. Er hat ein schmales Gesicht, dunkle Augen, spitze Ohren. Wenn er lacht, zeigt er seine kleinen scharfen Zähne.
In tiefer Verbundenheit lebt er mit Freya, einer Buche, in Samala, dem Weisen Wald in Sandramoris.
Freya steht im ständigen Austausch mit unzähligen anderen Lebewesen in Samala, verbunden durch ein riesiges unterirdisches Netzwerk, das im Bruchteil von Sekunden Botschaften übermittelt.
Sie erzählt Keijo vieles davon, doch manche Dinge verschweigt sie dem Dryaden. Weiß sie doch um seine Empfindsamkeit, die er zu verbergen versucht. Nichts an seinem Äußeren deutet auf seine zerbrechliche Seele, seinen Hang zur Melancholie (besonders in den langen dunklen Wintermonaten), seinem Brüten über den Zustand des Waldes und die Bedrohungen die allgegenwärtig sind.
Keijo kann sich nicht zu weit von Freya entfernen, wie durch ein unsichtbares Band sind sie in Liebe aneinandergebunden. Sollte dem einen ein Leid geschehen, wird es auch das Ende der anderen sein.
In Samala geistert schon seit Jahrhunderten die Geschichte von Alva umher. Eine inzwischen wohl uralte Eiche, die vor sehr sehr langer Zeit ihre Dryadin namens Auri an ein dunkles Wesen verloren haben soll.
So groß war ihre Trauer und Wut, dass sie nicht etwa starb, wie es vorherbestimmt gewesen wäre, sondern in ihren Rachegedanken gefangen düstere Pläne schmiedete. Es wird sich erzählt, dass Alva einen Pakt mit dem Bösen schloss. Unsterblichkeit war ihr Geschenk und doch verlor sie alles, was sie jemals ausgemacht hatte.
Alva, die einst von tiefer Liebe zu Auri erfüllt gewesen war und deren Liebe von dieser mit aller Inbrunst ihres kleinen Herzens erwidert wurde, verwandelte sich.
Nur noch ferne Erinnerungen, die wie im Nebel verschwommen ab und zu aufblitzten, waren die Zeiten mit Auri: Wie sie bei Tagesanbruch gemeinsam den Stimmen des erwachenden Waldes lauschten, Auris zarter kleiner Körper in ihren kräftigen starken Armen. Wie sie nicht aufhören konnte, Auris überschäumende Energie zu bewundern, ihre fast kindliche Freude an den ersten Sonnenstrahlen am Morgen, die auf ihr Gesicht fielen. Wie Auri ihre Arme in den aufziehenden Sturm erhob und mit dem Wind vor wilder Freude schrie. Auri, die sich mit allen Lebewesen, die an ihnen vorbeizogen anzufreunden versuchte. Auri, die ihr Mut zuflüsterte, wenn sie müde wurde von den dunklen Geschichten, die als Botschaften über ihre Wurzeln durch ganz Samala zu ihr drangen. Auri, die in dieser kalten Nacht ein fremdes Wesen erblickte, dass ihr auf so grausame Art und Weise das Leben nahm.
Diese Alva, die Auri so bedingungslos geliebt hatte, gab es nicht mehr. Ein kaltes seelenloses Wesen war nach dem Pakt, von dem sie sich in all ihrem Hass und ihrer abgrundtiefen Traurigkeit soviel versprochen hatte, aus ihr hervorgetreten.
Freya hat Keijo niemals von dieser uralten Geschichte erzählt. Sie befürchtet, dadurch bei ihm neue Ängste oder Sorgen auslösen zu können. Zudem ist ihr kein Lebewesen in ganz Samala bekannt, das die Geschichte mit Beweisen belegen könnte.
Und doch träumt Freya manchmal von Alva und Auri. Sieht sie vor sich, lacht mit ihnen, weint ihre Tränen, wacht dann erschüttert auf, mit dem Bild von Auris kleinem zerschmetterten blutigen Körper vor Alvas Stamm. Eine wild aufsteigende Wut in sich spürend, die sich ihren Weg aus der Dunkelheit hinaus bannen will. Freya weiß, dass diese Träume Vorboten sind. Sie weiß, dass sie Keijo nicht aus den Augen lassen darf, seine Wege begleiten, seine Seele bewahren, seinen Körper und Geist beschützen muss.
Die Liebe zwischen einem Baum und seinem Dryaden darf nie wieder zerbrochen werden.

Re: Kultur aus Sandramoris- Was in den Wäldern lebt- Morto

von Crynn » So Jan 04, 2026 1:11 pm

Sandramoris - Was in den Wäldern lebt
- Der Baum Morto -

Wer einmal die Künste des Baumes Morto erlebt hat, wird sie nie wieder vergessen.
Der Baum ist gut vernetzt mit den anderen Geschöpfen des Großen Waldes, als wären sie ein einziges riesiges Lebewesen. Es lauscht, es nimmt jede Berührung wahr, spürt jede noch so kleinste Erschütterung des Waldbodens, jedwede Veränderung in der Luft.
So mögest du denken, du unbesonnene Wanderin, dass niemand deine Anwesenheit im Großen Wald mitbekommen hat. Dass niemand dich beobachtet, wenn du in ehrfürchtigem Staunen verharrst. Eingefangen von der wilden Schönheit der Bäume, der sie bewohnenden Flechten, dem ausufernden Moos, dass den Waldboden umfängt, berauscht von der Vielfalt an Farben, Geräuschen und Gerüchen.
Doch denke immer daran: In dem Moment, in dem dein Fuß den Waldboden betreten hat, weiß bereits der letzte Baum, dass nun ein Mensch eingetreten ist.
Der Große Wald hat gelernt sich vor äußeren Einflüssen in Acht zu nehmen.
Zu oft wurde er seiner Ressourcen beraubt, seine Kinder ermordet, ihre Körper gestohlen. Zu oft wurde er missbraucht für die Interessen anderer. Die Schreie der Sterbenden hallen tief und schmerzhaft in seinem Gedächtnis. Der Große Wald kann nicht vergessen. Es fällt ihm schwer zu verzeihen.
Im Laufe der Jahrhunderte hat er deshalb umfangreiche Schutzmaßnahmen entwickelt.
Die Entstehung des Baumes Morto gehört mit dazu und ist eine der Kampfesmaßnahmen in der Schlacht um sein Überleben.
Nun könntest du denken, Morto sei von Grund auf ein böses Lebewesen.
Doch sei dir gewiss, dass dem nicht so ist.
Er kämpft allein für das Überleben des Großen Waldes, es gilt den nachkommenden Generationen eine Zukunft bieten, sie zu behüten, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken. So ist er den Menschen in vielem recht ähnlich.
Die oberste Prämisse ist, das Überleben zu sichern. Auf das noch in Generationen der Große Wald frei, selbstbestimmt , in seiner tiefen Schönheit atmend, existieren kann.
Morto ist kahl. So erscheint er im ersten Moment der Betrachterin als harmlos mit seinen knochigen ausgedörrt wirkenden Ästen. Ein zwar großer aber fast schon toter alter Baum, mögest du denken.
Doch dieses äußere Erscheinungsbild gehört nur mit zu seiner Tarnung. Ein raffiniertes Ablenkungsmanöver, dass die tödliche Gefahr, die tief in ihm schlummert, verbirgt.
Im Wind wiegt er sich hin und her, lauscht den Worten, die zu ihm getragen werden. Lauscht dem Wispern der anderen Waldbewohnenden. Lauscht und hat im Laufe der Jahrzehnte viele Sprachen gehört und zu verstehen gelernt.
Morto ist ein äußerst intelligentes Lebewesen.
Die Nacht ist seine liebste Zeit, in der Ruhe und Dunkelheit kann er sich am besten konzentrieren. In manchen Nächten nimmt er Kontakt auf zu Lebewesen, die längst verstorben sind, trifft Lebewesen die inzwischen fern von ihm leben, unterhält sich mit Lebewesen, die in ihm wohnen.
Sein Name ist etwas irreführend, denn du könntest denken, alles was ihm begegnet, sei des Todes geweiht. Dies ist jedoch nicht so.
Im Grunde seines Herzens ist Morto ein lebensbejahendes Geschöpf.
Den Namen erhielt er von Menschen, die nur eine Seite von ihm kannten.
Seine Fähigkeit zu töten setzt er nur im Notfall ein, um sich selbst bei Angriffen zu schützen und, was das wichtigste ist, wenn es darum geht den Großen Wald zu bewahren vor Zerstörung und der Gier anderer.
Morto beherbergt einen faszinierenden Gedächtnispalast. Dort sind alle Geschichten, Sagen, Erlebnisse des Großen Waldes gespeichert, leben in den abertausenden von Zimmern, in den prachtvollen Festsälen, bis hin zu den dunkelsten Kammern.
Im stetigen Austausch mit allen Lebewesen des Großen Waldes, hat er sich seit seiner Geburt immer weiterentwickelt. Nun ist er eines der intelligentesten Geschöpfe des gesamten Waldes.
Die Kraft die ihn dazu gebracht hat, diese überragende Intelligenz zu entwickeln, entspringt einer Quelle tief in seinem Innern. In der Stille mancher Nächte ist ihm, als vernehme er das Geräusch von fließendem Wasser tief in seinem Stamm, lauscht in sich hinein. Die Gewissheit, dass die Quelle nie versiegt, gibt ihm Ruhe, Gelassenheit, aber auch die Kraft im Notfall entschieden zu handeln.
So rein seine Seele auch sein mag, er kann einen Gegner im Bruchteil von Sekunden überwältigen und töten. Manchmal lässt er sich aber auch Zeit mit dem Töten. Oft dann, wenn der Feind keine Gnade in Form eines schnellen Todes verdient hat.
Seine zunächst so harmlos aussehenden knochigen Äste sind wie wendige muskulöse Arme, die den Feind umschlingen, vom Boden in die Luft heben, seine Luftröhre zudrücken, seine Knochen zum Brechen bringen. Manchmal lässt er sie schreien, damit der ganze Wald teilhaben kann an der Rache.
Er ist in der Lage sich im Wald frei zu bewegen, blitzschnell seine Stellung zu wechseln.
In den Jahren der Belagerung von Sandramoris tötete er unablässig eindringende Männer, wenn sie Hand an seine Artgenossen legten. Der Grosse Wald roch nach dem Blut der Besiegten, es sickerte aus ihren sterbenden Körpern in die Erde, wo es anderen kleinsten Lebewesen Nahrung bot.
Morto beherbergt die Seelen aller von ihm Getöteten in sich. So wächst sein Gedächtnispalast stetig, vor seinem inneren Auge ziehen fremde Länder vorbei, nachts schreitet er im Geiste über hohe kahle Berge, bereist die Weite See in hölzernen Segelschiffen, besucht wundersame Stätten in fremden Ländern.
Er schließt Frieden mit den von ihm Getöteten, sobald ihre Seelen vor seinen Augen tanzen. Dann lädt er sie ein sich zu ihm zu setzen, mit ihm ins warme Licht zu blicken, das alles Böse und Verdorbene verschwinden lässt.

Arbo de Morto Baum des Todes
Gardisto de la Arbaro Behüter des Waldes
Portu niajn memorojn Trägst Unsere Erinnerungen
En la Palaco de Senfineco Im Palast der Unendlichkeit
Gardisto de Animoj Bewahrer der Seelen
Nur nun, ke ni rigardas la lumon kun vi Erst jetzt, da wir mit dir ins Licht
blicken
Ni rekonu la maljustecon Erkennen wir das Unrecht
Kaj povas fari pacon Und können Frieden schließen
Ke la fonto flustri Möge die Quelle flüstern
Gis la tuta sufero de la tero malaperos Bis alles Leid der Erde verschwunden

Re: Kultur aus Sandramoris- Die Bucht

von Crynn » So Jan 04, 2026 1:07 pm

Die Bucht - Frau fan´e wylde Wetter

Sandramoris verfügt über eine langgezogene Bucht, die tief ins Landesinnere reicht. Sie mündet in der Weiten See, ihr Zugang ist streng bewacht.
Ihr Name geht zurück auf die Frau des wilden Wassers, eine Sagengestalt der Amazonen, die einst die Feinde der Frauen schon bei ihrer Überquerung der Weiten See zu Fall gebracht haben soll.
Alte Schriftrollen beschreiben ihre Gestalt als fluide, mal offenbarte sie sich den Betrachtenden als eine meterhohe Frauengestalt aus reinem Meerwasser, dann wieder erschien sie als Nebel, der die Sicht behinderte und einem sogar das Augenlicht durch ein stark ätzendes Gas nehmen konnte. Laut der Aufzeichnungen konnte sie in Form eines grellen Sonnenballs erscheinen, der auf, den Frauen feindlich gesinnten, Schiffen ein Flammeninferno anrichtete und die von Bord springende Mannschaft blendete. Sie war auch in der Lage eine menschliche Gestalt anzunehmen, eine große Frau mit langen lockigem dunklen Haar.
Die Frau des Wilden Wassers erschien oft in Begleitung von Tieren. Einige Geschichten erzählen, dass sie selbst in der Gestalt einer riesigen Möwe über die Weite See zu fliegen vermochte, um Ausschau nach Schiffen zu halten. Verborgen wurde ihr Flug dabei von einer, ihr getreuen magischen Wolke, aus den Händen der Wolkenweberinnen.
Es scheint eine Verbindung zwischen den Wolkenweberinnen und der Frau des Wilden Wassers zu geben. In den Geschichten heißt es, die Frau des Wilden Wassers hätte einst unter Wasser einen Zugang zum Höhlensystem der Wolkenweberinnen gefunden und Kontakt geknüpft. Zudem haben die Wolkenweberinnen vor undenkbar langer Zeit eine steinerne Statue von der Frau des Wilden Wassers hergestellt, kunstvoll verziert mit Dutzenden Meerestieren und Tieren der Lüfte um ihren Körper versammelt. Die Statue umschlingt mit ihren Armen ihre Geliebte Fenna, einen weiblichen Octopus. Am Fuße der Statue ist eine steinerne Tafel mit einer Inschrift angebracht. Darauf steht: „De feriening fan’e frou fan it wylde wetter en it wezen mei de tuzen earms Fenna“ (Die Vereinigung der Frau des Wilden Wassers und des Wesens mit den tausend Armen Fenna)
Fenna wird beschrieben als froulik wezen mei tuzen earms. Sie hätte tausend Arme, mit denen sie der Frau des Wilden Wassers half, die Feinde auf dem Meer zu vernichten. Gemeinsam seien sie in der Weiten See unterwegs gewesen.
Eine Liebesgeschichte, die ein tragisches Ende nahm, als die Frau des Wilden Wassers eines Tages verschwand (merkwürdigerweise genau in dem Moment als ihre Statue in der Bucht errichtet wurde). Fenna suchte sie überall, lange Jahre war sie unterwegs in der Weiten See, fragte nach ihr, doch nirgends fand sie ihre Geliebte. Als Fenna zur Bucht zurückkehrte war sie gebrochen, sie hatte allen Lebenswillen verloren.
Die an der Bucht wohnenden Frauen in Sandramoris verehren die Frau des Wilden Wassers und Fenna wie Göttinen.
In ihrer beiden Namen werden täglich am Hausaltar kleine Opfer (u.a. in Form von Heilkräutern, die verbrannt werden) gebracht. Einmal im Jahr ist die Bucht übersät von Blumenkränzen, zu hunderten und in aller Farbenpracht treiben sie auf dem Wasser.
Es wird sich erzählt, dass Fenna, die Geliebte der Frau fan’e wylde Wetter am Grunde der Bucht regungslos liegt und auf sie wartet. Wenn sie von dort unten die Blumenkränze entdeckt, wird sie wissen, dass ihre Liebe nicht umsonst war, dass ihrer beider gedacht wird. Sie wird die Hoffnung nicht verlieren. Die Hoffnung, dass ihre Geliebte zurückkehrt, auf dass sie beide wieder vereint sind.
Am Tag, an dem die Blumenkränze ins Wasser gelassen werden, stehen die Frauen der Bucht im Morgengrauen auf. Ihre langen Haare sind dann mit bunten Bändern geschmückt und teils zu vielen Zöpfen geflochten, die an Fennas tausend Arme erinnern sollen. In Scharen strömen sie zum Wasser, um ihre Blumenkränze darauf zu betten. Sie stimmen Lieder an, die der tiefen Liebe der beiden gedenken, den Schmerz der zurückgebliebenen Fenna ausdrücken. Sollte ein Blumenkranz einmal untergehen, sind sie sich gewiss, dass Fenna ihnen ein Zeichen geschickt, mit einem ihrer langen Arme den Kranz zu sich hinuntergezogen hat.
Kleine Mädchen, die nachts bei geöffnetem Fenster in der Nähe der Bucht schlafen, erzählen in der darauffolgenden Nacht manchmal von Träumen über Fenna und der Frau des Wilden Wassers. Es kann passieren, dass sie plötzlich wach werden, weil sie ein lautes durchdringendes Weinen vernommen haben. Das Wasser in der Bucht ist dann, wenn sie aus dem Fenster auf es herabschauen, in Aufruhr. Es scheint, als könne Fenna nur in dieser Nacht und den vorhergehenden Tag aus ihrer Starre erwachen.
Omdatso myn leafde bist, Da du meine Liebste bist,
liz ik myn hert op dyn boarst, bette ich mein Herz an deine Brust,
tutsje ik dyn sletten eagen, küsse ich deine geschlossenen Augen,
omearmje ik dy mei myn tuzen earms. umfange ich dich mit meinen tausend Armen.

Re: Kultur aus Sandramoris- Die Wolkenweberinnen

von Crynn » So Jan 04, 2026 1:05 pm

Die Wolkenweberinnen

Die Wolkenweberinnen leben in einem geheimen riesigen Höhlensystem, im Hochland. Durch die Jahrhunderte, die sie, Generation für Generation, in der Dunkelheit verbracht haben, sind ihre Sinne schärfer geworden. Ihre Finger erspüren jede Unebenheit in ihrem Werkstück im Bruchteil einer Sekunde auf. Ihre Augen haben es gelernt die Schattenwelt wahrzunehmen, so dass sie imstande sind mit den in den Höhlen lebenden Schattenwesen zu kommunizieren. Durch den Luftzug, der in die Höhlen dringt, erfahren sie, was in der Außenwelt vor sich geht. Ihr Geruchssinn hat sich optimiert, sie riechen den feuchten Regen, das sich ankündende schwere Sommergewitter, das knisternde Moos des Bodens. Jeden Schritt, der sich den Höhleneingängen nähert, nimmt ihr hochentwickeltes Gehör sofort wahr.
Sie haben ein raffiniertes Schutzsystem entwickelt. So sind sie bisher nie entdeckt worden.
Ihr ganzes Leben widmen sie der Erschaffung von magischen Wolken. Diese Wolken unterscheiden sich äußerlich kaum von anderen Wolken, sie sind imstande die unterschiedlichsten Formen anzunehmen, mit dem Wind zu ziehen, es regnen zu lassen.
Die magischen Wolken verfolgen Ziele, können Botschaften über weite Strecken übermitteln, Hoffnung erzeugen, Friedensverhandlungen unterstützen, Herzen öffnen.
Eine magische Wolke zu erschaffen, dauert unzählige Jahre. Es zählt zu einer der höchsten Handwerkskünste in Sandramoris. Das Geheimnis ihrer Herstellung bleibt in den Händen der Wolkenweberinnen. Über die Jahrhunderte haben immer wieder feindliche Mächte versucht, die Weberinnen aufzuspüren, um ihnen das Geheimnis zu entreißen. Sie wissen nichts von der Widerstandskraft der Wolkenweberinnen. Von klein auf werden sie darauf trainiert das Geheimnis zu wahren, möglicher Folter zu widerstehen, im schlimmsten Fall das Geheimnis mit in den Tod zu nehmen.
Auch äußerlich unterscheiden sich die Wolkenweberinnen inzwischen von anderen menschlichen Wesen. Ihre Augen sind riesige schwarze Kugeln, die weit aus ihrem schmalen Kopf hervorragen. Ihre Ohren sind beweglich in alle Richtungen. Ihre Nase sieht aus wie ein kleiner Rüssel. Ihre Haare tragen sie lang, manchmal bleibt etwas von ihren Haaren im Werkstück zurück, das soll Glück bringen, sagen sie sich dann.
Die Wolkenweberinnen haben ihre Körpergröße jeweils an die Gegebenheiten unter Tage angepasst. In ihrem Zuhause gibt es riesige Höhlen, hoch wie eine Kathedrale. Genauso gibt es kleinste schmale Gänge, die nur kriechend durchquert werden können. Ihre unterschiedlichsten Größen zeugen von den Bereichen der Höhlen, in denen sie arbeiten (die meisten Wolkenweberinnen verbleiben nach ihrer Volljährigkeit in den Bereichen der Höhlen, in denen sie arbeiten und auch wohnen). Es gibt Wolkenweberinnen, die klein wie ein zweijähriges Menschenkind sind (wenngleich ihre Gestalt sich deutlich von diesen unterscheiden), andere sind 10 Meter groß, verfügen über mächtige Schwingen an ihren Schulterblättern, die sie hoch in die Lüfte der hohen Höhlen tragen können, damit sie den dortigen Probeflug der fast fertigen magischen Wolken überwachen und notfalls gleich vor Ort Verbesserungen vornehmen können.
In Sandramoris wissen nur eine Handvoll der weisen Frauen des Waldes Samala wie sie die Wolkenweberinnen erreichen können, um Bestellungen aufzugeben, Botschaften zu übermitteln. Sie erhalten dasselbe Training wie die Wolkenweberinnen, um das Geheimnis zu wahren.
So mögen die magischen Wolken weiter ihr friedfertiges Werk ausüben, unentdeckt in den Weiten des Himmels. Sie reihen sich ein in die unzähligen Wolkenformationen die über unser aller Köpfe ziehen, getrieben vom Wind, beschienen von den wärmenden Strahlen des Sonnenballs. Nachts wandeln sie zwischen den abertausenden von Sternen und glitzernden Gebilden des dunklen Firmaments, manchmal streift sie ein fliegendes Geschöpf und verharrt angesichts ihrer berührenden Schönheit, die nur wahrgenommen werden kann, wenn ein körperlicher Kontakt zustande kommt.

Re: Kultur aus Sandramoris- Silva sacrificium

von Crynn » So Jan 04, 2026 1:03 pm

Sandramoris – Silva sacrificium

In den Tiefen von Samala, dem Weisen Wald in Sandramoris, verbirgt sich eine uralte Opferstätte namens Silva sacrificium.
Es handelt sich um eine kleine Lichtung im Wald, in deren Mitte ein steinerner Altar erbaut wurde. In den hellen Sandstein sind kunstvolle Abbildungen gehauen, Wesen des Waldes wie Dryaden, Füchse, die Slimspinnen, auch lebende Bäume, Moose, vielfältige Gewächse die einst aus fernen Landen kamen und nun im Wald heimisch geworden sind.
Eine Kuhle ist in den Altar eingelassen, dort sammelte sich einst das Blut des Opfers, so erzählen sich die Weisen Frauen, die als einzige den Zugang zu der Lichtung kennen und die Existenz der Opferstätte geheim halten.
Doch nicht nur Blutgaben wurden erbracht, auch Lichtgaben durch die Errichtung hölzerner Statuen auf der Lichtung, die mit Ranken, Blüten und duftenden Kräutern gespickt den Göttern zum Geschenk gemacht wurden. In einer Zeremonie, die Gesang aus den Kehlen der riesigen Raben aus den Bergen miteinschloss, ebenso wie das Trinken eines berauschenden Saftes, der die Sinne schärfste und den Zugang zu den Göttern erleichtern sollte, wurden die Statuen verbrannt.
Die teilnehmenden Priesterinnen an den Blutzeremonien waren in lange weiße Gewänder gehüllt, es konnte passieren, dass das Blut ihrer Opfer Spuren hinterließ, weswegen die richtige Handhabung des Opferungsdolches immens wichtig war. Eine Verunreinigung des Gewandes störte den Zugang zu den höheren Wesen.
Seit langer Zeit wird die Opferungsstätte nicht mehr genutzt. Denn Grausamkeit hatte die Stätte befleckt, als eine Priesterin sich der dunklen Seite zugewandt hatte und fortan alles in ihrer Macht stehende tat um die Gefährtinnen von immer häufigeren Blutopfern zu überzeugen. In der letzten Nacht in der der Altar genutzt wurde, lag ein gefesseltes Rehkitz auf dem Stein, die dunklen Augen flehend zum Nachthimmel erhoben.
„ Nehmt hinfort das Licht dieser Seele, auf dass sie euch besänftigen mögen“ sangen die Priesterinnen und wiederholten dann immer wieder eine uralte dunkle Beschwörungsformel, die aus den Untiefen der Erde selbst hervorgekrochen war um Unheil anzurichten in den Seelen derer, die sie sprachen und hörten.
Gerade als aus den Tiefen der Erde sich etwas den Weg nach oben bannen wollte, das niemals an die Oberfläche kommen hätte sollen, ergriff eine der Priesterinnen eine böse Ahnung und sie erwachte wie aus einem düsteren Traum. Sie brach die Beschwörungsformel ab, hob ihre Hände und sandte gleisend helles Licht über die Lichtung. Die Erde unter ihren aller Füssen erbebte, ein Fauchen war zu vernehmen, und dieses Geräusch lies auch die anderen Priesterinnen aufschrecken. Sie waren imstande den dunklen Bann unter dem sie gestanden hatten abzuschütteln und schworen sich noch in derselben Nacht die Stätte nie wieder zu nutzen, im Verborgenen zu halten, auf dass das Dunkle nie wieder eine Macht über ihre Herzen und die ihrer Nachkommen haben könne.
Die Weisen Frauen von Samala hüten das Geheimnis und legen in Vollmondnächten Bannkreise aus Rinde der Baumriesen um den Altar, um sicherzugehen, dass der Schrecken weiter fern bleibt.

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