Kultur aus Sandramoris

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Re: Kultur aus Sandramoris- Der Tunnel des Vergessens

von Crynn » Mi Mai 27, 2026 4:08 am

Sandramoris- Der Tunnel des Vergessens

„Gleymdargöngin“ so nennen ihn die Bewohnerinnen des naheliegenden Dorfes Göng.
„… und immer wieder traten Frauen hervor, deren Gesichter rein waren, jede Sorge ward von ihnen genommen, die trüben Gedanken, all die schrecklichen Erlebnisse ihrer bisherigen Tage weggewaschen wie von einer gütigen Quelle…“ So steht es im Buch der Hüterinnen des Dorfes.
Der Zugang zum Tunnel liegt im Verborgenen, nur wenige wissen noch von seiner Existenz. Einst ward er Teil eines Pilgerinnenpfades, kurz vor Ende der Strecke, galt es ihn zu durchqueren. Eine Fackel in der Hand, denn im Tunnel ist es stockdunkel, so lang ist er und immer wieder kommen Kurven, so dass erst ganz am Ende etwas Licht vom Ausgang in ihn dringt.
Das Gestein im Tunnel birgt viele Löcher, es ist teils formbar, mit den Händen lassen sich Stücke daraus entfernen. So ist der Tunnel derzeit wieder versperrt, denn es wurde ein Ritual der Pilgerinnen, dass sie sich Stücke herausschälten, um sie als Souvenir mitzunehmen.
Das Gestein verändert sich, es scheint wieder nachzuwachsen, dies geschieht jedoch sehr langsam. So haben die Dorfbewohnerinnen, die sich auch als Hüterinnen des Tunnels betrachten, den Tunnel im Laufe der Zeit immer wieder für lange Jahre verschlossen, um dem Tunnel die Möglichkeit der Erneuerung zu geben.
In den Tiefen von Gleymdargöngin wohnen die Kvik, von deren Existenz nur die Hüterinnen wissen. Sie besiedeln die Tunneldecke, das menschliche Auge vermag sie kaum zu sehen mit ihren durchsichtigen gallertartigen Körpern. Die Kvik kommunizieren untereinander über ihre langen Tentakel. Die Informationen gelangen so blitzschnell von einem Ende des Schwarms der Kvik zur anderen. Es wissen dann gleich alle von ihnen wenn jemand den Tunnel betritt, um welches Lebewesen es sich handelt, wo es sich gerade befindet.
Die Kvik ernähren sich von menschlichen Gedanken und Erinnerungen. Doch nur die schlechten, die angsteinflössenden, die belastenden haben es ihnen angetan. Es scheint, als prüfen sie die Eintretenden, ob diese würdig sind als Speise zu dienen. Ist das der Fall, verspürt das Opfer ein kurzes Kitzeln im Nacken. Das ist der Moment indem eines der Kvik mit einem Tentakel, das so zart und durchsichtig ist, das es kaum wahrzunehmen ist, schon gar nicht im Schein einer Fackel, Kontakt aufnimmt. Das Opfer scheint wie gelähmt, es kann sich nicht bewegen, hält nur verkrampft die Fackel fest, den Blick starr nach vorn gerichtet. Ein Blitzen an der Tunneldecke, die Kvik geben die aufgesaugten Informationen blitzschnell an alle weiter, so ernährt sich der gesamte Schwarm gleichzeitig von einer Person. Ist es vorbei, erwacht das Opfer sofort aus der Starre. Eine Verwandlung, die ihm selbst nicht bewusst ist, hat stattgefunden. Alles was das Herz belastet hat, Sorgen, die vielleicht seit Jahren in ihm wohnten, Erinnerungen aus frühsten Kindertagen, die in stetigen Alpträumen wiederkehrten, all das ist verschwunden, als hätte es nie existiert.
Die Kvik vermögen lange Zeit ohne oder nur mit ganz wenig Nahrung auszukommen und so nutzen sie die derzeitige Sperrung des Tunnels zur Regeneration und für den Schlaf. Im Schlaf lassen sie die Erinnerungen der vergangenen Opfer aufleben, um sie bis zum letzten Tropfen auszukosten.
Die Hüterinnen verehren die Kvik, in ihren Augen dient deren Handeln nicht nur der Nahrungsbeschaffung, sondern ist durchsetzt von tiefer Güte. Denn sie suchen ihre Opfer sorgsam aus. Diejenigen, die die Kraft in sich tragen ihre Sorgen selbst zu bewältigen, zu verarbeiten, zu überwinden, durchqueren den Tunnel ohne Kontakt zu den Kvik. Nur diejenigen, die ihre Erinnerungen nie allein besiegen werden, deren Herzen die Angst in sich trägt, deren Leben getränkt ist von Sorge und Leid, deren Körper die Starre spiegeln, werden erwählt. Sie verlassen Gleymdargöngin hoch erhobenen Hauptes, ein Lächeln um ihre Lippen, Stärke in ihren Herzen, Zuversicht, Mut, Kraft, Hoffnung wird sie fortan begleiten und schützen vor Bedrohungen. Ihre Körper sind frei von den alten Erinnerungen, die Starre wie weg gefegt, ihre Bewegungen spiegeln ihren neuen inneren Zustand.
„Mögen die Kvik ewig leben“ erschallt es in den Gesängen der Hüterinnen, wenn sie in den Herbstmonden ihre Feuer entzünden. Dann tanzen sie die rituellen Tänze der Kvik, die seit Generationen von Mutter zur Tochter weitergegeben werden. Und in den Tiefen des Tunnels lauschen die Kvik den Klängen der Trommeln, den Stimmen der Hüterinnen und wiegen sich gemeinsam im Rhythmus der Gesänge.

Re: Kultur aus Sandramoris - Der Schacht

von Crynn » Fr Mai 01, 2026 10:46 pm

Der Schacht

Ein schwarzes Loch inmitten der Höhle des schreienden Nebels. Nichts vermag das menschliche Auge beim Hineinblicken zu erkennen. Nur Dunkelheit. Ein Gefühl von Kälte scheint von ihm auszugehen. Im Schacht sind die Wände ganz glatt, fast wie geschliffen, sie glänzen dunkel. Manch eine Frau vermochte ihr Gesicht darin gespiegelt zu sehen, nachdem der schreiende Nebel ihrer überdrüssig wurde.
Der Schacht scheint endlos. Das Fallen hört nie auf, ewiger Schmerz, andauernder Schrecken. Der hinabstürzende Körper immer schneller werdend, der Kopf voller Angst, erstarrt in Verzweiflung. Gerade noch hattest du deinen wunden Körper umschlungen, um dich selbst zu trösten in der Höhle. Denn du wusstest, dass er dich weiter quälen würde. Einzig deine Arme schienen dir für diesen kleinen Moment Wärme zu geben, indem du dich wiegtest wie ein Kind. Jetzt im Schacht ein Dröhnen in deinen Ohren, dein Mund zum Schreien aufgerissen, doch es fehlt dir die Luft zum Atmen. Deine Arme nach oben gestreckt, ergeben hat sich dein Geist, denn du wusstest, dass es geschehen wird.
Soviel fallende Körper. Der Schmerz der aus dem Schacht dringt ist unermesslich.
Das Ende ein Mysterium. Ein Licht, eine Hoffnung? Ein weit aufgerissenes Maul? Eine riesige Spinne die dich einwebt? Zerschmetterte Körper auf Leichenteilen? Es bleibt im Dunkeln, niemand kehrt zurück.
Das Leid dringt bis vor die Höhle, so dass der Wald dort kahl und finster ist. Kein Tier wagt sich hierher. Schutzsteine umrunden die Höhle in hunderten Metern Abstand. In Vergessenheit geraten ihre Erschafferinnen. Die einst auf hölzernen Karren die kunstvoll verzierten Steine über enge Waldpfade transportierten, unter rituellen Gesängen den Schutzzauber bewirkten. Der dann beim Eindringen des schreienden Nebels erlosch.
Die Stimmen der Fallenden in unseren Köpfen. Rahel, die sang, wenn sie mit ihrer Tochter Beeren pflückte, Maria, die ihre langen Haare zu vielen Zöpfen flechtete, um der Liebe zwischen zwei Frauen zu gedenken, Josepha, deren Hände einst magische Wolken webten, ehe sie dem Nebel begegnete.
„Das Dunkel wird dich besiegen“ in uralten Schriftzeichen eingeritzt in die Haut der Frauen, die der schreiende Nebel in den Schacht stieß.

Re: Kultur aus Sandramoris

von Gwynn » Mi Apr 01, 2026 1:16 am

Herzlichen Dank dafür!

Re: Kultur aus Sandramoris, Slava - die Ruhmreiche

von Crynn » So Mär 29, 2026 7:39 pm

Slava - die Ruhmreiche

Noch in fernen Landen wird sich erzählt von den Taten der Slava vom goldenen Stabe. Lieder werden ihr zu Ehren gesungen, in Geschichten verewigt ihr immerwährender Kampf für die Gerechtigkeit.
Slava, die Weise Frau, die an der Seite der Amazonen kämpfte. Einst war sie eine Gelehrte, gab ihren reichen Wissensschatz an andere Frauen weiter, führte den Kampf gegen das Böse im Verborgenen. Doch die stetige Gefahr in der sich Sandramoris befand, jederzeit könnte sich die Invasion die zu Lumos Erwachen führte, wiederholen, bewegte Slava dazu, unter die Sichtbaren zu treten. Sie betrat die Waldschule der Amazonen als Gelehrte und verließ sie Jahre später als stählerne Kriegerin.
Ihr Wissen aus dem früheren Leben und Wirken diente ihr nun in Kämpfen zur Verteidigung des geliebten Mutterlandes zum Vorteil.
Unermüdlich, gnadenlos dem Dunklen entgegentretend, verschaffte sie sich ihren Ruf. Ihr Bildnis gewebt in Wandteppiche, gezeichnet auf Schriftrollen, aufbewahrt für die Welt, die nach ihr kommen möge: Sie trägt ihren goldenen Stab stolz an ihre Brust gedrückt. Ein Stab aus den Untiefen eines Feuerberges gezogen. Erschaffen in den Höhlen der Waldgeister von Sandramoris vor langer Zeit. Mit Beschwörungen umwoben birgt er gewaltige Kräfte. Slava war die Einzige derer er sich hingab, nur sie allein konnte ihn nutzen.
Das Haar feuerrot, lang bis über die Hüften. Doch dieser Anblick war stets nur der einen erlaubt, die sie ihre Liebste nannte. Hochgesteckt trug sie es, in der Abendsonne, die durch die Baumriesen in Samala drang, glänzte es wie ein kostbarer Edelstein. Die Liebe zwischen zwei Frauen ist unerschütterlich und so reichte sie wie ein geflochtenes Band quer durch alle Lande zwischen den Liebenden.
Slavas Lachen hatte Mila stets verzaubert, vom ersten Moment da sie es vernahm. Ihr schien, als könne sie es hören, auch in den Monden, in denen Slava weit fort war. Ein glucksendes Geräusch, fast wie das Lachen eines fröhlichen Mädchens. Es erwärmte ihr Herz, wischte manch sorgenvollen Gedanken zu Seite.
Nun ruhen sie gemeinsam im Gewölbe der Amazonen. Ganz am Ende, umschlungen waren ihre Körper im Tod, mit Blütenblättern bedeckt während die anwesenden Frauen Gebete und Lieder anstimmten. In manchen Nächten vernimmt die Wächterin des Gewölbes ein Lachen, es hallt von den Wänden, ein Flüstern von zwei Frauenstimmen. Nichts ist daran erschreckend, es ist ein Bekenntnis ewiger Liebe über den Tod hinaus:
„Przytul mnie, najdroższy, jesteśmy zjednoczeni w wiecznym śnie. Wszystkie noce, które spędziłem tęskniąc za Tobą, są teraz oddane mi w Twoich ramionach“
„Halte mich, Liebste, in ewigem Schlaf sind wir vereint. All die Nächte, in denen ich dich missen musste, werden mir jetzt geschenkt in deinen Armen.“

Re: Kultur aus Sandramoris, Der Stab des immerwährenden Kampfes

von Crynn » So Mär 29, 2026 7:35 pm

Staben for den evige kampen - Der Stab des immerwährenden Kampfes

In Samala wächst eine Baumart die außergewöhnliche Fähigkeiten aufweist. Uralte Baumriesen, die Blätter rötlich glänzend, selbst an nebligen Tagen dringt ihr intensiver Schein durch die Schwaden. Die Amazonen verwenden das von ihnen freigegebene Holz für die Anfertigung ihrer Kampfesstäbe.
Von Zeit zu Zeit begeben sich die Baumriesen in eine Metamorphose. Am Ende der selbigen haben sie ihre ursprüngliche Gestalt halbiert, um sie herum liegt abgeschältes Holz, als wären sie aus einem Kokon geschlüpft, um sich zu erneuern.
Nur wenige von ehemaligen Amazonen geführte Handwerkerinnenbetriebe in Sandramoris beherrschen den Prozess der Weiterverarbeitung des Holzes. Das Holz ruft Halluzinationen hervor. Allein schon beim Betrachten, noch intensiver beim Berühren.
Ehrfurcht vor den Kräften der Stäbe wird schon den Kindern vermittelt. Im Spiel stellen Mädchen Kampfesszenen nach, mit Stöcken, die sie am Waldesrand aufsammeln. Sie spekulieren über die Kräfte der Stäbe, wissen sie doch, dass diesen eine gefährliche Macht innewohnt, sollte sie in die falschen Hände geraten.
Überlieferungen erzählen von dem Wirken im Kampf: „ Den lille kvinde vil være let at besejre. Et latterligt syn, bare den lange stav i hendes fine hænder….Hun styrter hen imod mig og svinger staven foran sig. Og pludselig er jeg væk. Jeg står i en mørk skov. Kulde omslutter mig. Min krop, som for bare få øjeblikke siden var fuld af styrke, kampånd og viljen til at vinde, virker pludselig så lille, næsten svag, og prisgivet af de mærkelige lyde omkring mig. Jeg hører en raslen; noget nærmer sig i underskoven.“
„Die kleine Frau wird leicht zu besiegen sein. Ein lächerlicher Anblick, nur dieser lange Stock in ihren zarten Händen….Sie stürmt auf mich zu, den Stab vor ihrem Körper schwingend. Und plötzlich bin ich fort. Ich stehe in einem dunklen Wald. Kälte umfängt mich. Mein Körper, soeben noch voll Kraft, Kampfeslust und dem Willen zu siegen, erscheint mir plötzlich so klein, fast schwach und ausgeliefert den fremdartigen Geräuschen um mich herum. Ich vernehme ein Rascheln, etwas nähert sich im Unterholz.“
Der Stab kann unterschiedlichste Wirkung auf den Gegner ausüben. Manchmal verliert er sich in den unerforschten Pfaden seiner tiefsten Ängste, dann wieder erscheint ihm der soeben noch hölzerne Stab in den Händen der kämpfenden Amazone wie eine sich windende riesige Schlange oder ein schwarzschuppiger Drache der Feuer speit.
Berührt der Stab den Gegner, löst er die durch die jeweilige Halluzination zu erwartenden Schmerzen und Bilder aus: Der im Wald Gefangene wird von dem ihn jagenden Ungeheuer gebissen, ein Feuer verbrennt die Haut des dem Drachen Gegenüberstehenden, die Schlange bohrt ihre Giftzähne in das Fleisch des Schreienden.
Nur durch die über Dekaden geschaffene Freundschaft der Amazonen zu den Haara, den kleinen Wesen, die alle Baumriesen in Samala bewohnen, erlangten die Amazonen das Wissen über die Kräfte und Nutzung des Holzes. Der Stab des immerwährenden Kampfes dient der Verteidigung des Landes, auf dass die Legende von Lumo und die Jahre der Knechtschaft während der Besatzung sich nie wieder wiederholen muss.
„Du fremstår som en slange, som en drage, et monster i mine hænder. Mestre kampen, sammen beskytter vi moderlandet. Gudskelov for Haara!“
„Erscheinst als Schlange, als Drache, Monster in meinen Händen. Beherrscht den Kampf. Zusammen schützen wir das Mutterland. Dank sei den Haara!“

Re: Kultur aus Sandramoris - Der Schlafende

von Crynn » Do Mär 05, 2026 4:52 am

Der Schlafende
Ein Zauberstab – versteckt in Samala, fern den gierigen Blicken der nach seiner Macht verlangenden. Im Volksmund heißt er „der Schlafende“, „der Träume schürende“, denn das ist seine Bestimmung. An seiner Spitze ein roter Kristall, der, wenn die Sonne auf ihn fällt, rote Blitze aussendet, die Augenlicht zerstören, zarte Haut mit Furchen bedecken.
Tiefen Schlaf löst er aus, der nicht enden will. Obwohl es Dekaden her ist, dass er das letzte Mal benutzt wurde, leben einige seiner Opfer noch heute. Wenn man von Leben sprechen will. Sie schlafen, ihre Körper zucken, Schmerz, Angst, Traurigkeit beherrschen ihre Gesichtszüge. Manchmal kommen unverständliche Laute über ihre Lippen.
Es scheint, als könnten sie nur sehr langsam altern in diesem Zustand. Sie benötigen keine Nahrung, Versuche sie zu füttern scheiterten. Wenn sie etwas nicht wollen, knurren sie, wie ein wildes Tier, das in eine Ecke getrieben wurde.
So groß ist die Macht des Zauberstabes, dass er ganze Heere in Schlaf versetzen kann. Es existiert ein kleines Dorf der Schlafenden in Sandramoris. Nur einige Häuser auf einer Lichtung. Im Wald noch hörst du die Vögel rufen, das Knacksen des Unterholzes auf das du trittst. Du spürst das Leben um dich. Doch kaum betrittst du die Lichtung umfängt dich Stille. Eine unwirkliche fast gespenstische Atmosphäre. Vor dem ersten Haus, das von Efeu umwachsen ist, steht eine hölzerne Bank, auf der ein kleines Mädchen liegt. Ihre Haare sind verfilzt, ihr braunes Leinenkleid starr vor Dreck, ihre Augen sind geschlossen und bewegen sich sehr schnell hinter den Lidern. Die Hände hat sie zu Fäusten geballt, in einer steckt ein Büschel schwarzer langer Haare. Sie träumt schon so lange und immer denselben Traum. Gefangen im Verlies ihrer Gedanken wandelt sie durch die Dunkelheit, ruft nach ihrer Mutter und findet doch nur ein Wesen, dass sie verfolgt. Sie rennt, so schnell es ihre kleinen Beine vermögen, der Wald ist groß, möge sie sich doch verstecken können. Doch ein rotes Licht umfängt sie, lässt sie taumeln, zu Boden sinken, bis das Wesen über ihr steht. Es streckt seine Hand zu ihr herunter, die schwarzen Nägel gleiten über ihr Gesicht. Ein modriger Geruch geht von ihm aus. Das Mädchen hält schützend ihre Hände vor sich, krümmt sich. Als das Wesen die Kapuze, die sein Gesicht verbirgt, zurückschlagen will, beginnt der Traum von neuem.
Der Schlafende, der so viele Leben zerstörte, wird nun bewacht von einer Amazone, die ihr Leben diesem Dienst gewidmet hat. Nur sie und eine Weise Frau kennen den Zugang zu ihm. Auf das er niemals wieder Leid über Lebewesen bringen mag.
„Du ruhst in meiner Hand,
schwer deine Bürde zu tragen.
Die Stimmen deiner Träumenden verfolgen mich des Nachts,
das Wispern in der Dunkelheit. Ich laufe davon“

Re: Kultur aus Sandramoris- Avis Elabi

von Crynn » Di Jan 27, 2026 5:33 pm

Avis Elabi
In den Wäldern lebt ein sonderbarer Vogel. Über die Jahrhunderte hat seine Art es immer besser gelernt sich der Umgebung anzupassen, was ihr Überleben sicherte.
Seine wahre Gestalt bleibt uns verborgen. Er kann sich mitten unter uns bewegen, ohne dass unser Auge ihn erkennt.
Seine Federn sind imstande die Farben der Umgebung anzunehmen. Wir hören seinen einzigartigen schrillen Ruf und dies auch nur dann, wenn er es will. Seine Flugbewegungen sind vielfältig, mal ist er langsam, fast wie in Zeitlupe, dann wieder erreicht er Geschwindigkeiten, die fast unmöglich scheinen.
Er ist als „der Wandelnde“ im Volksmund bekannt, manche bezeichnen ihn als den, der entkam. So ist er den Vogelkundigen als Avis Elabi bekannt.
Bei Feierlichkeiten ist er kein willkommener Gast. Durch die geschickte Tarnung kann er sich frei in festlich gedeckten Tafeln bewegen, hier etwas von einem Teller ziehen, dort das Tafelsilber um ein kleines Löffelchen erleichtern. Es gab schon Kunde von geplünderten Gartenbuffets, bei denen eine ganze Gruppe der Vögel die Leckereien verzehrte oder auch nach und nach davonschaffte.
Es herrscht die Annahme, dass seine Nachkommen in ihren ersten Monden noch nicht die Kunst der Anpassung entwickelt haben. Deshalb werden die Kleinen versteckt, über lange Zeit gefüttert und in der Tarnung unterrichtet. In den Tiefen der Wälder werden sie geschult, solange bis sie ihre Gestalt perfekt an ihre Umgebung anpassen können.
„Der Wandelnde begleite dich in deiner Stube, vom Anbeginn deiner Tage. Streue ihm Krümel deines Brotes aufs Fensterbrett. Lass ihn teilhaben an deinen Geschichten, deinen Träumen in den hellen Nächten des Sommers. Flüstere ihm die Geheimnisse deiner Jugend zu. Wenn er dich in sein Herz schließt, hast du einen Gefährten bis ans Ende deiner Zeit auf dieser Welt. Denn er ist treu. Er wacht über dich. Er schützt dich vor Gefahren. So wird er in deiner Nähe sein, bis der grosse Rabe dich nach Hause holt.“
Immer wieder haben Amazonen von Wandelnden erzählt, die ihre schützenden Federn über sie hielten. Auch wenn sie im Verborgenen blieben, gaben sie doch Zeichen, dass sie da waren, wenn sie einmal ihr Herz geschenkt hatten.

Re: Kultur aus Sandramoris, Was in den Wäldern lebt, Der schreiende Nebel

von Crynn » So Jan 11, 2026 6:55 am

Was in den Wäldern lebt
Der schreiende Nebel

Der schreiende Nebel ist listig. Er hat die Eroberung seiner Opfer perfektioniert.
„Ich sehe dich kaum noch“ sagt die Mutter zu ihrem Kind, wenn ihre Sicht verschwimmt und sie noch denkt, ein gebrauter Trank könne dagegen helfen. Doch immer trüber wird ihr Blick, denn der Dampf ist in sie gekrochen.
„In meinem Kopf sind soviel Gedanken. Ich möchte schreien, um mir Luft davon zu verschaffen, doch es gelingt mir nicht“ Der schreiende Nebel hat sich der Frau bemächtigt. Ihre Gedanken bieten ihm Nahrung, er kriecht durch ihren Kopf, kostet dort vom Anblick ihrer Jugend, da vorne vom Bild ihres Erstgeborenen kurz nach der schmerzhaften Geburt, liebt den Moment in dem ihre Schreie in tiefe Liebe übergehen.
„Ich vergesse soviel“ sagt die alte Frau zu ihrer Tochter unter Tränen, denn was eben noch da war, ist nun verschwunden. Der Dunst hat sie gefressen, all ihre Erinnerungen an die schönen Momente ihres Lebens, die Sonnenstrahlen auf ihrem Gesicht, als sie mit ihrer großen Liebe im Gras hinter den zwei Türmen lag, ihr Herz so voller Glück, dass sie glaubte es könne zerspringen.
„Hat er einmal von deiner Seele Besitz ergriffen, wiegt er dich auf seinem Schoss, dann bist du des Todes. Kein Entkommen aus seinen Armen, die dich in Nebelschwaden hüllen, deinen Geist beherrschen, so dass du zu einer Puppe in seinen Händen wirst.“
„Lass uns die Glocken läuten, wenn der Dunst hervorkriecht an den Tagen der Nebelung“
Durch die Schwaden hörst du in der Ferne die Glocken. Du weißt, wenn du ihnen nur folgst, wirst du sicheren Schrittes nach Hause geleitet. Doch hüte dich vor den Schwaden die nach deinen Füssen greifen, deine Hände versuchen zu packen, deinen Kopf umschwirren. Sie suchen nur eine Stelle durch die sie in deine Gedanken vordringen können. Und sind sie einmal dort, ist es zu spät. Dann helfen auch die Klänge der mächtigsten Glocke nicht mehr. Der Nebelmann lässt niemals ab.
Er schreit mit vielen Stimmen. Er ist ein Verführer, der dich vom Weg abbringt, lockt dich zu seiner Höhle. Eine Zeit lang dienst du ihm als Spielzeug, denn es belustigt ihn, was du in deinem Kopf zu verstecken versuchst. Er wird es bekommen. Er bekommt es immer. So ist er gierig geworden nach immer neuem Spielzeug, Puppen, die er in seiner Höhle aufreiht. Bis er ihnen überdrüssig geworden ist, sie zerstört hat. Dann wirft er sie in den tiefen Schacht, von dem nicht einmal er weiß, wohin er führt.
Viele Jahre ward er nicht mehr gesehen. Die Weisen Frauen sind nicht sicher ob er weitergezogen ist. Sie suchen nach Zeichen seines Aufbruchs, nach Spuren in den Wäldern. Sie haben die Hoffnung er möge sich aufgemacht haben zu neuen Stätten. Zuviel Unheil hat er seit seinem Erscheinen über die Menschen in Sandramoris gebracht. Soviel Schmerz, Weinen in der Dunkelheit.
Die Warnungen bleiben bestehen, die Furcht vor den Tagen an denen Nebel aufsteigt. Die Glocken erklingen weiterhin. Gebete werden gesprochen. Auf dass die Ruhe bestehen bleibe. Auf dass er nie wiederkehren möge.
„Wir bitten um Geleit. Der schreiende Nebel lauert in der Dunkelheit. Lass nicht zu, dass er unserer habhaft wird. Beschütze die Wege unserer Kinder. Behüte die uns Anvertrauten. Lege deine Hände um unser aller Schultern, auf dass wir in Sicherheit deine Wege betreten.“

Re: Kultur aus Sandramoris- Das Haus der Schwestern- Die Gewächshäuser

von Crynn » Mi Jan 07, 2026 9:07 pm

Das Haus der Schwestern – Die Gewächshäuser

Drei kuppelartige hohe Gewächshäuser, gleich hinter dem riesigen uralten Haus, reflektieren das Sonnenlicht, so dass es Tage gibt, an denen man kaum imstande ist sie anzusehen ohne die Augen zukneifen zu wollen. Aus Kristall und schwarz glänzendem Metall erbaut, kunstvolle Verzierungen und Figuren am Rande der Kuppeln, Wasserspeier in Form von Drachen, Echsen und schlangenartigen Wesen. Das Kristall ist so alt, dass an manchen Stellen kleine Risse entstanden sind.
Eine schwere Eisentür verschafft den Zugang zum ersten Gewächshaus, doch nur derjenigen, die den langen silbernen Schlüssel mit seinen geheimnisvollen Zeichen auf dem Griff zu Hand hat. Die Gewächshäuser sind stets verschlossen. Es gab eine Zeit in der der Schlüssel plötzlich verschwunden war. Für Jahre konnte niemand die Gewächshäuser betreten. Und doch hörte man immer wieder Geräusche daraus. Sah Bewegungen hinter dem Kristall oder manchmal Lichter in der Nacht.
Hinter der Eisentür geht der Blick gleich in die Höhe, denn dort hängt ein riesiger Kronleuchter in der Mitte der Kuppel. Über eine schmale Eisentreppe, gleich links neben der Eingangstür steigt man hinauf fast bis zur Kuppel. Dort kann man auf einer Metallkonstruktion, die um das gesamte erste Gewächshaus führt, nach unten sehen und hat außerdem die Gelegenheit die Lichter im Kronleuchter zu entzünden. In den Anfangsjahren des Hauses sollen hier Bankette stattgefunden haben, inmitten der Oase aus Palmen, Oliven- und Feigenbäumen. Ein Springbrunnen ist zu betrachten, aus den Augen des Einhorns, um dessen muskulösen steinernen Körper sich Schlingpflanzen und allerhand Kleingetier winden, rinnt stetig Wasser, die Frauenstatue auf seinem Rücken, eine Amazone in voller Kriegstracht, zielt mit ihrem Pfeil, der bereits gespannt im Bogen liegt, auf die Eingangstür.
Karren um Karren voll Sand wurde hier hereingebracht, er liegt auf dem Boden, an manchen Stellen sind kleine Hügel errichtet, aus denen Kakteen und Sukkulenten wachsen. Der Weg, der durch das erste Gewächshaus führt besteht aus kleinen bunten Keramikfliesen, kunstvoll arrangiert, so dass sich immer wieder Bilder und Symbole entfalten.
Durch eine kleine, zwischen all den hohen Palmen kaum sichtbare Eisentür gelangt man in das zweite Gewächshaus. Hier ist es stets sehr warm, so dass es früher im Winter ein beliebter Aufenthaltsort war. Dazu wurden an mehreren Stellen Bänke aufgestellt, schmiedeeisern, kunstvoll gearbeitet mit Blättern und Früchten verziert. Diese sieht man jedoch nicht gleich, zunächst führt der Weg über die Mosaiksteine, die in diesem zweiten Gewächshaus nur blau und weiß sind, in ein Labyrinth aus Farnen, Palmen, Orchideen, fleischfressenden Pflanzen, großen Kakteen in den unterschiedlichsten Formen und allerhand anderen blühenden Pflanzen. Ein Gärtner soll nur für die Pflege der fleischfressenden Pflanzen zuständig gewesen sein, sich um die Aufzucht der Insekten gekümmert haben, mit denen sie von ihm gefüttert wurden. Hierfür benutzte er eine lange Greifzange, außerdem dicke lederne Handschuhe. Dies waren wichtige Schutzmaßnahmen, nachdem einige der Pflanzen so groß gewachsen waren, dass sie durchaus Verletzungen zufügen konnten. Deshalb standen sie auch nicht direkt am Weg sondern in den hinteren Bereichen des Gewächshauses.
Es gab eine Zeit in der hier bunte teils riesige Schmetterlinge in allen Farben des Regenbogens umherflatterten. Schildkröten bewegten sich gemächlich über den Boden, bannten sich ihren Weg von einer der zahlreichen Wasserstellen und kleinen Teiche zu nächsten. Der Ruf von verschiedensten Vögeln drang durch die Gewächshäuser, die durch kleinere Zugänge in den Höhen von einem zum nächsten Gewächshaus gelangten.
Es muss eine reine Wonne gewesen sein, in den Wintermonaten hier im Warmem zu sitzen, inmitten der Gewächse einen Blick nach draußen zu erhaschen und sei es nur über die kristallene Kuppel. Beim Blick nach oben den fallenden Schnee zu beobachten, dessen Kälte einem nichts anhaben konnte.
Das dritte Gewächshaus war stets nur wenigen erlaubt zu betreten. Denn hier befinden sich die gefährlichen, teils totbringenden Pflanzen, zusammengetragen aus vielen Ländern in ganz Myra. Für die Weisen Frauen war es früher ein Ort der Lehre, sie konnten experimentieren, Tränke brauen, Methoden der Haltbarmachung für verschiedene Gewächse und ihre Früchte testen. Hierfür gibt es dort eine gut ausgestattete Küche, einen riesigen alten Apothekerschrank, in dessen unzähligen Schubladen noch heute getrocknete, gedörrte, verschrumpelt aussehende Früchte, Blätter auf ihre Benutzung warten. Doch die Weisen Frauen haben schon lange keinen Zugang mehr zum Gewächshaus. Und so gerät das Wissen über die Kunst der gefährlichsten Tränke langsam in Vergessenheit. Denn in der Eile ihres damaligen unerwarteten Aufbruchs blieb ihr Buch mit all den Aufzeichnungen über ihre Experimente und Versuche im Gewächshaus liegen. Noch immer ist es auf der Seite der Alraune aufgeschlagen. Das letzte Experiment beschreibt die Halluzinationen der jungen Weisen Frau, die von der Alraune gekostet hatte. Es kursiert die Geschichte, dass sie im Gewächshaus zurückblieb, als die Weisen Frauen daraus flüchten mussten. Allein, der Vollmond über ihr, das flackernde Licht der vielen Kerzen um sich, begegnete sie ihren Dämonen, die sie solange schreiend im Garten des Wahnsinns umherirren ließen, bis die Alraune ihre volle Wirkung entfaltete und ihr alle Luft nahm. Ihr toter Körper umwachsen von giftigen Pilzen, umschlungen von Ranken, die sie immer mehr einschnürten. Inzwischen nur noch der Ring, von ihrer linken Hand, den ihr ihre Geliebte ansteckte, auf dem Boden zurückgeblieben.
„Saluta mortem quae te per has aulas vagari sinit“
Grüße den Tod der dich in diesen Hallen wandern lässt – steht auf der letzten Tür des dritten Gewächshauses, die zum Garten führt. Wer einen Schlüssel besitzt, denn zu dieser Tür wird wieder ein anderer Schlüssel benötigt, gelangt in einen ummauerten Teil des riesigen Garten des alten Anwesens und wird dort die Bekanntschaft seltener Lebewesen machen können, die nur die wenigsten Bewohnerinnen von Sandramoris jemals zu Gesicht bekommen werden.

Re: Kultur aus Sandramoris- Die Legende von Lumo

von Crynn » So Jan 04, 2026 1:33 pm

Es gibt eine alte Legende in Sandramoris.
Unsere Grossmütter haben sie unseren Müttern erzählt, wenn sie sie in den Schlaf wiegten, wir selbst pflanzen sie in die Herzen unserer Kinder und auch sie werden die Geschichte weitergeben. So wandert sie von Generation zu Generation, Hoffnung spendend für alle Zeiten:
„Lumo - Die Frau aus Stein“.
Ich will sie euch erzählen:
Einst waren die Amazonen in Sandramoris Gejagte. Aus fernen Landen kamen Männerhorden über die Weite See.
Zunächst hatten wir diesen Männern kaum etwas entgegenzusetzen. Wir wurden überrascht von der Wucht ihres Angriffs, ihrer rohen Gewalt, ihrer Wut auf alles Weibliche. Ihrem Drang sich zu bedienen an unseren Kindern, unseren Leibern, unseren Besitztümern.
Sie überrannten Sandramoris, drangen in einer Schnelligkeit in unser geliebtes Land vor, wie wir sie zuvor noch nie bei einem Angriff erlebt hatten.
Doch es formte sich Widerstand in den tiefen Wäldern. Über die Jahre der Besatzung dieser feindlichen Macht baute sich eine Armee an Amazonen im Untergrund neu auf. Die nichts anderes im Sinn hatte als ein freies Sandramoris, dass der Herrschaft der Männer , die es sich gestohlen hatten, wieder entrissen wurde.
Lange Zeit dauerte es, bis die Armee der Frauen stark genug war um sich dem Kampf zu stellen.
Und eine von ihnen tat sich dabei ganz besonders hervor: Ihr Name war Lumo.
Als kleines Mädchen hatte sie Nacht für Nacht miterleben müssen, wie ihre Mutter neben ihr auf der Bettstatt grosse Schmerzen erleiden musste, durch die Hand des Mannes, der sich als neuer Vorsteher des Dorfes indem sie aufwuchs deklariert hatte.
Nach der feindlichen Besetzung des Landes hatten die Fremden sehr schnell jedes Dorf, jede Stadt, so gut wie jedes Gebiet in Beschlag genommen.
Lumo war noch zu klein gewesen, als dass sie sich an die Zeit vor der Besatzung erinnern konnte. Sie kannte das Gefühl von Freiheit nicht, nur aus den flüsternden Gesprächen, die ihre Mutter mit anderen Frauen des Dorfes im Waschhaus führte.
Als sich ihr eigener Körper immer mehr in den einer Frau verwandelte, begann der Vorsteher sich auch für diesen zu interessieren. Zunächst hatte sie es geschafft seinen Forderungen zu entgehen. Doch sie hatte immer gewusst, dass der Tag kommen würde, an dem sie, in eine Ecke getrieben, wie ein Tier schreiend, ihm Gehorsam leisten müsse.
Lumo war schon als kleines Mädchen ein anderes Kind gewesen, als ihre Spielgefährtinnen. Sie konnte den Wind flüstern hören, sie sprach zu den Sternen, manchmal schloss sie ihre Augen, murmelte unverständliche Laute, wie in einer Trance stand sie dann da und wiegte ihren schmalen Körper hin und her.
Immer spürte sie eine Stärke in sich, fühlte, dass etwas in ihr war, dass von Jahr zu Jahr wuchs, zu ihr sprach, ihr Kraft schenkte in Zeiten der Traurigkeit.
Als junge Frau verließ sie schließlich bei Nacht ihr Dorf, mit dem festen Willen sich den freien Amazonen in den Wäldern anzuschließen, von denen die Frauen des Dorfes hinter vorgehaltener Hand erzählt hatten.
Das Wunder auf das ganz Sandramoris so lange Zeit gewartet hatte schien in Erfüllung zu gehen.
Nach und nach konnte die Armee der Amazonen zunächst einzelne Dörfer, später, als sich immer mehr Frauen der Bevölkerung dem Befreiungskampf anschlossen, ganze Städte befreien, die Feinde vertreiben.
Es schien, als wäre die Dunkelheit, als wäre all das was Sandramoris fast ausgelöscht hätte vom Licht überflutet worden.
Doch über die Weite See kamen Herrscharen von weiteren Männern aus fernen Ländern mit Söldnern. Die Bevölkerung von Sandramoris hatte sich dem Widerstand inzwischen fast komplett angeschlossen und es entbrannten wilde Kämpfe an den Küsten der Weiten See um die Eindringlinge daran zu hindern weiter ins Landesinnere vorzustossen.
Es ist unvorstellbar, wie viele Menschen, Frauen, Kinder dabei gefallen sind.
Ein Blutmeer überzog die Küsten.
In der letzten alles entscheidenden Schlacht dort in den Wäldern vor der weiten See gelang es einer Truppe an Männern sich der Anführerin entgegenzustellen, sie einzukreisen, sie abzuschirmen von den anderen und durch die Wälder zu jagen.
Sie hatte nichts als ihren Leib und ihre blutdurchtränkte Kleidung, denn ihre Waffen waren auf der Flucht verloren gegangen. Zum Schluss war sie wie ein gehetztes Reh, das den Jägern zu entkommen versucht, auch wenn es die Pfeile in seinem Körper bereits spürt und die Kraft aus ihm herausrinnt.
Sie hörte die Angreifer hinter sich , hörte wie das Gehölz unter ihren schweren Schritten brach. Sie hörte ihre lauten Stimmen, sie hörte ihr höhnisches Lachen.
Und irgendwann ging ihr die Kraft aus. Sie wusste, dass sie nicht länger fliehen konnte, dass ihre Zeit sich nun dem Ende zuneigte.
Es begab sich auf einer kleinen Lichtung im Grossen Wald da Sie sich umdrehte und wartete, um dann mit mutigen Blick aus grossen dunklen Augen ihren Verfolgern entgegen zu treten.
An der Zahl 10 Männer waren es, die sie einkreisten, in die Enge trieben. Und doch setzte sie alle Mittel ein die Sie hatte, sie kämpfte um ihr Leben. Alle Techniken die Sie jemals erlernt hatte, die ihre Mutter ihr beigebracht hatte, ihre Großmutter ihr schon in die Ohren geflüstert hatte, als Sie noch ein kleines Wesen war das in der Wiege schlief, wandte sie an.
Sie nahm alle Kraft die Sie noch hatte zusammen, sie schlug, sie biss, sie würgte, sie schrie, doch es waren derer an der Zahl zu viele. So konnte Sie nichts tun, nichts tun und musste zusehen wie ihr Leib geschändet wurde. Ihr Geist hatte sich längst dem Körper entzogen um ihr diesen Schmerz zu ersparen. Wie diese Männer sich alles nehmen wollten was sie ausmachte und doch wusste sie tief in ihrem Innern, dass sie niemals ihre Seele brechen würden, auch wenn der Preis ihr Sterben wäre.
Als die Männer nach langer Zeit von ihr abgelassen hatten, kam der Anführer auf Sie zu, ein großer schwerer Mann mit einem breiten bösen Lächeln und kalten blauen Augen. Der nun als letzter genießen wollte, was er sich erobert hatte.
In dem Moment als er sich auf Sie legen wollte, ging ein Zucken durch ihren Leib. Es begann in ihren Füssen. Eine tiefe Ruhe kam über sie, eine Wärme floss durch ihren Körper. Es war ein seltsames Gefühl und doch erkannte sie es wieder. Es war dasselbe Gefühl, dass sie in Kindertagen gespürt hatte, wenn sie wie in Trance sich verbunden fühlte mit höheren Mächten.
Irgendwie spürte Lumo plötzlich ihre Füße nicht mehr, ihre Beine wie taub, alles um sie herum verschwamm wie in einem Nebelmeer. Und auch der Mann über ihr war wie ein Bild aus einem Traum, sie hörte ihn nur laut schreien.
Die umstehenden Männer wichen entsetzt zurück. Dort in der Mitte der Lichtung lag Lumo auf dem Boden. Ihre Zehen, die sie gerade noch in die Erde gekrümmt hatte, waren nun ganz entspannt. Sie hatten sich grau gefärbt.
Eine Macht war zum Vorschein gekommen, die immer schon in ihr geschlummert hatte, auf den Moment wartend, in dem sie ihre Künste zeigen durfte.
Noch nie zuvor hatte je ein Menschenauge diese Künste erleben dürfen.
Ihre Adern, die sie noch eben pochend gespürt hatte, wurden dunkel. Nach und nach färbten sich ihre Füße, ihre Beine, ihr Becken, ihr ganzer Leib grau.
Lumos Körper verwandelte sich zu Stein. Als dann nur noch ihr Kopf rosig war, öffnete sie weit ihre dunklen Augen.
Die Männer waren zurückgewichen, wie erstarrt und sprachlos starrten sie sie an.
Lumos Blick war ganz ruhig und ohne Angst. Sie lächelte, als sie zu sprechen begann:
„Ihr dachtet ihr könntet alle Frauen in Sandramoris unterwerfen.
Für uns seid ihr Männer nichts als der Abschaum der Welt. Seht, was ihr euch gegenseitig antut. Seht, wie ihr mit euren Anvertrautem umgeht. Seht, was ihr in der Welt für Zerstörung anrichtet, mit eurer grenzenlosen wahnsinnigen Wut.
Niemals werden wir uns euch unterwerfen. Niemals werden wir eure Hände in die unseren nehmen. Niemals werden wir zu euren Füssen knien. Niemals vor euch im Staub kriechen.
Ihr könnt uns nicht untertan machen. Wir sind freie stolze Frauen von Sandramoris. Wir sind Amazonen. Niemals könnt ihr uns bezwingen, niemals unsere Seelen brechen.
Sehet, jetzt werde ich zu Stein. Ich werde erstarren, damit ihr mich nicht bekommt und dann in ferner Zukunft, wenn wir frei sein werden, alle Frauen, alle Frauen auf dieser Welt, auf dieser wunderschönen Erde, wenn wir uns befreit haben, dann erst werde ich erwachen aus dem langen Schlaf in den ich nun falle.“
Der Mann über ihr wurde in dem Moment zu Stein, als sich Lumos Kopf ihm zuwandte, aus ihren Augen Lichtblitze zu sprühen begannen.
Lumos Blick war blind geworden, denn alle Kraft nutzte sie nun für ihr Vorhaben. Das Licht, das grell aus ihren Augen schoss, streute sich und jeden der feindlichen Männer, den es traf, verwandelte es in Stein. Aus der Lichtung heraus schoss es in die Höhe, als Lumo ihren Kopf zum Himmel hob. In ganz Sandramoris verteilte es sich im Bruchteil von Sekunden. Überall wurden die Feinde zu steinernen Skulpturen und Sandramoris ward frei.
Es heisst, dass aus den steinernen Körpern der Feinde eine grosse Mauer gebaut wurde, manche der Körper schienen wie in Krämpfen verschlungen, ihre Augen weit aufgerissen, als hätten sie in den letzten Sekunden ihres Lebens etwas erblickt, dass jenseits aller Vorstellungskraft läge.
Lumo, die Frau aus Stein ward verschwunden.
Nur die weisen Frauen vom Orden Lumo kennen den Weg zu ihr, sitzen neben ihr, halten Wache, umschließen sie mit ihrer Wärme.
Manchmal weint sie in der Nacht, sie flüstert unverständliche Laute aus ihren steinernen Lippen, tief im Gestein schlägt ihr Herz weiter.
Die weisen Frauen entzünden Feuer und tanzen um sie, sie singen, sie schmücken sie mit Blumen, sie vertrauen darauf, dass sie eines fernen Tages erwachen möge und alles Unrecht aus der Welt verbannt sein würde.

Lumo Lumo
Virino farita el stono Frau aus Stein
En la ombro de la granda arbo Im Schatten des grossen Baumes
vi dormas Schläfst du
Sirmitaj en la rondo de sagaj virinoj Geborgen im Kreise der weisen Frauen
Vi vekigos Erwachen wirst du
Kiam la voco resonas en vi Wenn die Stimme in dir erklingt
Viaj okuloj brille la lumon Deine Augen sprühen das Licht
Nia amata planedo brilos en hela grandiozeco Leuchten wird unser geliebter Planet in
Hellem Glanz
Vi estos la lumo, kiu lumigas la mallumon Du wirst das Licht sein, das die
Dunkelheit erhellt
Via flustro atingas niajn korojn Dein Flüstern erreicht unsere Herzen
Ni tenas viajn larmojn en niaj animoj Deine Tränen bewahren wir in unseren
Seelen
Ni protektas vin Wir beschützen dich
Ni ekbruligas la fajron por vi Wir entzünden das Feuer für dich
Ni protektas vin kontrau ciuj dangeroj Wir behüten dich vor allen Gefahren
Dum vi dormas während du schläfst

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