Kultur aus Sandramoris

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Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris, Was in den Wäldern lebt, Die leere Maske

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Sandramoris
Was in den Wäldern lebt
Die leere Maske

Erstaunliche Kräfte birgt die leere Maske. Sie scheint wie von Kinderhand geschaffen, aus grobem Holz geschnitzt.
Wenn man sie betrachtet, scheint nichts Böses, nichts Unheilvolles in ihr zu wohnen. Wie ein Kinderspielzeug ruht sie in deiner Hand.
Und doch versteckt sie unheilvolle gewaltige Mächte. Niemand weiß, wann sie geschaffen wurde, wer sie hergestellt, welches Wesen eine solche Macht besessen hat.
Seit vielen Jahren wird sie nun versteckt in Samala.
Die Amazonen tun gut daran, diese Maske zu verbergen, über ihre Existenz zu schweigen.
Zu groß ist die Macht, die die Maske derjenigen die sie aufzusetzen vermag gibt.

„Nun aber, da die Weise Frau die Maske in ihre Hand nahm, zitterte diese leicht. Zunächst zögerte sie, ob sie die Maske wirklich aufsetzen sollte. Die sie umstehenden Weisen Frauen schauten sie aufforderungsvoll an.
Auf sie war das Los gefallen. Sie war dazu bestimmt worden, das Experiment auszuführen. Aus alten Büchern hatten sie von der Existenz der Maske erfahren. Der Rat der Weisen Frauen war zusammengekommen, gemeinsam hatten sie entschieden, die Maske auszugraben, ihre Mächte zu erforschen.
Das Experiment fand in einer tiefen Höhle an einem geheimen Ort in Sandramoris statt. Viele Monde lang hatten sie sich auf diesen Moment vorbereitet.
Die ausgewählte Weise Frau führte die Maske zu ihrem Gesicht, im letzten Moment verharrte sie. Und dann schien es allen Umstehenden, als würde die Maske sich wie von selbst in ihrer Hand bewegen. Es war ein sonderbarer Anblick, ein Leben lang würden sie dies nicht mehr vergessen.
Während die Maske dem Gesicht der Weisen Frau zustrebte, schien es, als ob sämtliche Blutgefäße und Muskeln im Gesicht der Weisen Frau, die auserwählt worden war, der Maske entgegenkamen. Ein schauerlicher Anblick für sämtliche Umstehenden.
Die Weise Frau fing an zu schreien, als würde sie furchtbare Schmerzen verspüren. Eine der sie beobachtenden Weisen Frauen wollte ihr zu Hilfe eilen, doch sie wurde gestoppt von der Ältesten des Rates.
Mit einem schmatzenden Geräusch verschmolz die leere Maske mit dem Gesicht der Weisen Frau.
Und nun durchlief ein Schauer ihren gesamten Körper, sie zitterte, sie stöhnte. Schreien konnte sie nicht mehr, denn die Maske ließ es nicht zu.
Nach einiger Zeit wurde ihr Körper ganz steif, ihre gesamte Muskulatur schien sich anzuspannen. Kerzengerade stand sie nun da, in ihrem weißen langen Leinenkleid inmitten der anderen Weisen Frauen in der Höhle.
Nun kamen seltsame Laute durch das Loch das die Lippen der Weisen Frau abformte. Solche Laute hatte noch keine der Weisen Frauen vorher jemals gehört.
Ganz langsam hob sie ihre Hände, fast so, als wollte sie eine Segnung vollziehen.
Noch immer verstanden die Weisen Frauen ihre Laute nicht. Die älteste von ihnen ging auf sie zu und berührte sie an der Schulter, um zu sehen wie sie reagieren möge.
Wie ein wütendes Tier drehte sie sich blitzschnell zu ihr um und die Maske offenbarte lange scharfe Zähne, die vorher noch nicht im Mund der Weisen Frau gewohnt hatten.
Sie biss zu und ihre Zähne gruben eine tiefe Fleischwunde in den Arm der Weisen alten Frau. Hätten die anderen Frauen sie nicht festgehalten und von der alten Weisen Frau zurückgezerrt, so hätte sie sie wohl zu Tode gebissen.
Es blieb den Weisen Frauen nichts anderes übrig, als die Weise Frau mit der Maske in Fesseln zu legen und sie dort in der Höhle zu lassen, um sie weiter beobachten zu können.
Die Maske verwuchs immer tiefer mit ihrem Gesicht und ganz langsam schien auch ihr Körper vom Hals an abwärts wie aus Holz geformt. Manchmal durchliefen sie Zuckungen und immer wieder kamen diese seltsamen Laute durch ihren Mund.
Und am dritten Tage dann nahm sie die Gestalt der alten Weisen Frau, die sie gebissen hatte, an. Die Wandlung vollzog sich in der Nacht. Keine der sie bewachenden Weisen Frauen hatte genau gesehen wie es passiert war. Für einen Augenblick hatten sie ihren Blick hin zum Feuer gewandt und in der nächsten Sekunde als Sie wieder zur Bettstadt schauten, auf der sie die Weise Frau mit der Maske gefesselt hatten, lag dort die alte Weise Frau. Sie witterten eine List. Und sie taten gut daran, ihr die Fesseln nicht abzunehmen, so sehr sie auch darum bettelte.
Sie beobachteten sie weiter, flössten ihr warme Suppe, die sie für sie gekocht hatten, und Quellwasser ein. Jede Regung, die sie vollführte, jeden Laut den sie von sich gab, schrieben sie auf eine Schriftrolle, um das Experiment festzuhalten.
Immer wieder bettelte die Gefesselte darum, man möge sie sie doch von den Fesseln befreien. Sie wusste viele Details aus dem Leben der alten Weisen Frau. Sie kannte sämtliche Namen der sie Bewachenden, alle Namen des Rates. Sie hatte Wissen über die geheimsten Wünsche , es schien als kenne sie jede Ecke ihres Geistes, in den sie gekrochen war. Doch dann nach einiger Zeit begann sie sich wieder in die ursprüngliche Weise Frau mit der Maske zurück zu verwandeln. Sie lag dort mit ihrem wie aus Holz scheinenden Körper mit der Maske auf ihrem Gesicht. Die Frauen waren erleichtert, dass sie ihr die Fesseln nicht abgenommen hatten, so sehr und so wehleidig sie auch darum gebettelt hatte.
Um ihr Experiment weiter zu betreiben, brachten sie ihr andere Lebewesen, auch diese wurden von ihr gebissen. Und immer am dritten Tage verwandelte sie sich in das Lebewesen von dem Sie gekostet hatte.
So nahmen die Weisen Frauen an, dass die leere Maske dazu erschaffen worden war, die Gestalt anderer Lebewesen, welcher Form und Art auch immer, anzunehmen.
Und solch eine unheilvolle gefährliche Macht durfte niemand besitzen. Das Geheimnisvolle an dieser Maske war ebenfalls, dass sie nach dem Biss und nach der Verwandlung jedwede Regung der Seele und des Geistes desjenigen den sie gebissen hatte, zu kennen schien. Als wäre sie tief in dessen Seele, in dessen Geist vorgedrungen. Allein durch das Kosten des Blutes, durch den Biss ins Fleisch.
So wird die Maske nun versteckt in den Tiefen der Wälder von Samala.

Nur wenige wissen von ihrer Existenz und doch dringt das Geheimnis immer wieder einmal nach außen. So haben sich im Laufe der Zeit fremde Mächte aufgemacht, die Maske zu suchen.
Deshalb sind die Amazonen weiterhin sehr achtsam, ihre Grenzen zu bewachen. Sandramoris und die Tiefen des Weisen Waldes Samala bergen so viele Geheimnisse und Schätze. Mögen sie alle Zeit bewahrt werden im Bündnis aller Frauen in Sandramoris.“
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris- Was in den Wäldern lebt - Die Haara

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Sandramoris - Was in den Wäldern lebt - Die Haara

Kleine Wesen besiedeln die Baumriesen in Samala. Ihr äußeres Erscheinungsbild gleicht einem dünnen Zweig, deshalb nennt die Bevölkerung sie „Haara“. Bei drohender Gefahr nehmen sie die Farbe des Baumes an, auf dem sie sich gerade befinden und stehen stocksteif.
Ansonsten sind sie sehr gesellig, viel unterwegs, manchmal benutzen sie Vögel als Transportmittel für längere Strecken. Sie sprechen fast alle Sprachen, die in Sandramoris zu hören sind. Dies sind viele, vor allem seit der Odyssee der Frauen.
Fremden gegenüber sind sie zunächst etwas reserviert. Das kann sich schnell ändern, nachdem die Weise Haara, die Seherin ihres Volkes, sich von der Güte der Fremden überzeugt hat. Dazu genügt ihr ein einziger Blick direkt ins Herz. Wie ein Nadelstich dringt der Blick aus ihren grauen kleinen Augen durch das Fleisch. Findet alles, stöbert selbst im Schatten verborgene Geheimnisse auf.
Die Haara sprechen von sich selbst nur als Gruppe, als Gemeinschaft. Individualität ist schwierig für sie. Sie sagen nicht „ Ich“, sondern „ Wir“ , all ihr Tun unterwerfen sie dem Wohlergehen der gesamten Gemeinschaft. So haben sie seit Jahrtausenden überlebt, trotzten Hungersnöten, Angriffen.
In den fernen Tagen der Kältezeit, als durch einen dunklen Zauber, der Weise Wald über Nacht gefror und viele Lebewesen in den darauffolgenden Monden zu Tode kamen, schafften sie es, durch ihren starken Willen, ihre mutigen Herzen und ihren Einfallsreichtum und Erfindergeist, den Zauber zu brechen.
Seit dieser Zeit werden sie von vielen Waldbewohnerinnen in ihre Nachtgebete und Gesänge eingeschlossen: „ Lang leben die Haara“ schallt es zu den runden Monden durch Samala.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris, Die Katakomben der Todgeweihten

Beitrag von Crynn »

Sandramoris

Die Katakomben der Todgeweihten

Die kilometerweit verzweigten Katakomben der Todgeweihten befinden sich teilweise unter Samala, dem Weisen Wald in Sandramoris. Der Erzählung nach wurden die labyrinthartigen Gänge von längst ausgestorbenen Wesen erschaffen, riesige Würmer, die sich durch die Erde und das Gestein bewegten. Auf einigen alten Gemälden finden sich erschreckende Bildnisse von ihnen, ihre Körper gleichen Regenwürmern, nur haben sie den Körperumfang gleich mehrerer Baumriesen in Samala, zudem große dunkle Augen, eine Körperöffnung mit spitzen braunen Zähnen und einer langen gezackten Zunge.

Die Amazonen nutzen die Katakomben, seit ihrer Entdeckung, als Begräbnisstätte ihrer Feinde. Und diese waren zahlreich, immer wieder mussten sich die Amazonen auch auf eigenem Boden verteidigen.

Überreste der Mauer mit den versteinerten Männern befinden sich ebenfalls in den Katakomben. Lumos Licht, dass gleißend hell erstrahlte und den Amazonen in letzter Minute zur Rettung verhalf, ist auch heute noch eine Geschichte, die in Sandramoris weiterlebt.

Es wird sich erzählt, die Amazonen hätten ihnen feindlich gesinnte Menschen und auch andere Lebewesen in die Katakomben gelockt. Ihr Tod war unausweichlich, ob er nun durch langsame Qualen oder eine schnelle tödliche List erfolgte. Immer wieder finden sich Fallen in den Gängen, mal ganz offensichtliche, dann verborgene. Es soll Menschen gegeben haben, die sich nach wochenlangem Umherirren selbst in diese Fallen gestürzt hätten, nur um dem drohenden Wahnsinn zu entkommen. Verhungern und verdursten muss dort niemand. Stets stößt man auf Wasser, das sich seinen Weg durch die Gänge bahnt, an vielen Wänden wachsen essbare Flechten und es soll sogar Kammern geben in denen Sträucher wachsen, die wohlschmeckende Beeren hervorbringen.

Überall befinden sich Schädel und Gebeine. Kunstvoll sind sie aufeinandergestapelt, an den Wänden fixiert, in den Nischen teilweise zu unheimlich wirkenden Skulpturen vereint. Es sind Knochen vieler Arten. Einige stammen von Lebewesen, die es schon lange nicht mehr gibt oder die Sandramoris inzwischen den Rücken gekehrt haben, weil sie dort auf ihrer Jagd auf die Amazonen nicht den Erfolg hatten, den sie sich versprochen hatten und selbst zu Gejagten wurden.

In einer Kammer ist das Skelett eines riesigen Drachens zu finden, das in seinen Einzelteilen an die Decke gehängt wurde. Ein unheimlicher Anblick, vor allem wenn durch die Öffnungen (überall befinden sich Luftschächte) Wind dringt und das Skelett im Halbdunkeln zum Schwingen bringt.

Es gibt zwei Eingänge in die Katakomben, beide sind gut getarnt. Früher gerieten manchmal Kinder hinein. Dies sorgte dafür, dass inzwischen nur noch wenige ausgewählte den Zugang zu den Katakomben kennen.

In einem der uralten Bücher der Bibliothek der Weisen Frauen ist zu lesen, dass ein junges Mädchen vor unzähligen Monden aus Versehen in die Katakomben geriet, dort umherirrte und sich über die Jahre in etwas unaussprechliches Dunkles verwandelte. Heute noch können einige Amazonen, wenn sie die Katakomben betreten, das Mädchen hören:

“Ihr leises Weinen hallte durch die Gänge, kam direkt auf mich zu. Ich vernahm ein Murmeln, fremde Worte, die ich nicht verstand. Mit einem Mal fühlte ich eine kalte Faust, die mein Herz umklammerte, mir war, als würde sie in mir nach etwas suchen.”

In den Katakomben der Todgeweihten wohnen unzählige Lebewesen. Insekten, die sich perfekt an die dortigen Lebensbedingungen angepasst haben, wie die schwarz schimmernden Ferfalkäfer, die auf ihren voluminösen Rücken schwere Lasten tragen können und immer wieder durch ihr Wirken knöcherne Skulpturen verändern.

Die Slimspinnen sondern eine klebrige Substanz aus, mit deren Hilfe sie kleinere Knochen durch die Gänge ziehen können. Diese benötigen sie, um ihre zahlreichen Behausungen weiterzubauen.

Sonderlich anzusehen ist der Palanager mit seinen blauen großen Augen direkt über seiner spitzen Nase. Blaues Fell ziert den schmalen, aber muskulösen Körper. Er kann seine Farbe ändern und sich bei Bedarf an die Umgebung anpassen. Ein langer schuppenartiger Schwanz wächst aus seinem Hinterleib. Dieser kann bei Gefahr messerscharfe Dornen ausfahren.

“Lass alle Sehnsucht fahren” steht in einen steinernen Altar eingraviert, der sich in einem der zahlreichen Gänge der Katakomben befindet. Und darunter: “Der du die Hallen durchwandern wirst, die Schatten im Genick. Füge dich deinem Schicksal, dass dich hierhergeleitet hat. Bette dich zur letzten Ruhe mit der Gewissheit, dass dein Licht schon lange vor deinem Eintreten erloschen war. Schlafe den Schlaf der Toten, auf dass du niemals ein anderes Reich als das Dunkle zu betreten vermagst”.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris, Das Haus der Schwestern Liv und Smilla

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Das Haus der Schwestern Liv und Smilla

Das Haus der Schwestern steht am Rande des Weisen Waldes in Sandramoris. Viele Geschichten und Mythen ranken sich um dieses Haus.
Nur wenige wissen, wie es von innen aussieht. Und selbst dann, kennen sie nur einen Bruchteil der Räumlichkeiten.
In der Bevölkerung munkelt man, es hätte hunderte von Zimmern. Unter dem Haus befände sich ein riesiges Kellergewölbe mit Zugang zu den geheimsten Orten des Weisen Waldes und auch Zugang zu den Wolkenweberinnen. Man erzählt sich, dass das Haus von innen viel größer sei, als es von außen aussieht. Obwohl es auch von außen einen prunkvollen Eindruck bietet. Es scheint fast wie ein riesiges Schloss, aber im Stil eines alten Herrenhauses mit einer parkähnlichen Anlage.
Alleine die Beschreibung des Gartens könnte Bücher füllen. Denn dort befinden sich allerhand Absonderlichkeiten. Von dem mysteriösen Wintergarten, den Gewächshäusern, bis zum Irrgarten, dem großen Naturteich mit den seltsam anmutenden Lebewesen, die ihn bevölkern.
Man erzählt sich, dass das Haus einen riesigen Dachboden habe. In dem sich allerhand Kammern verbergen, verborgene Türen, Falltüren und auch andere Dinge, die dort versteckt gehalten werden, weil sie zu gefährlich wären, nach außen zu gelangen.
Auch erzählt man sich, dass es in den Kellergewölben ein großes Verlies gäbe, in dem heute noch Wesen gefangen gehalten, die, würden sie hinauskommen, ganz Sandramoris bedrohen könnten, sowie über Lande und die Weite See in andere Länder vordringen und alles Leben auslöschen könnten.
Die Schwestern Liv und Smilla denen das Haus gehört, hat kaum jemand zu Gesicht bekommen. Aber immer wieder dringen Stimmen aus dem Haus und auch aus verschiedenen Zugängen zum Keller, die sich an einigen Stellen im Weisen Wald befinden, aber durch schmiedeeiserne Gitter versperrt sind, dringen Geräusche, so dass doch vermutet wird, dass das Haus weiterhin von den Schwestern bewohnt wird. Obwohl sie inzwischen uralt sein müssen, so alt wie kein menschliches Wesen jemals zuvor.
Viele Erzählungen sind über das Haus und die Schwestern entstanden. In diesen geht es unter anderem um Erklärungsversuche, wer der Erbauer des Hauses gewesen sein könnte, wann es erbaut wurde, ob die Schwestern wohl einer geheimen Verbindung angehören, ob es die Folge von Magie ist die sie so alt werden lässt oder ob das Haus an sich Kräfte besitzt, die gut daran tun im Verborgenen zu bleiben.
„Es war schon immer dort“ sagen die alten Frauen über das Haus der Schwestern. Solange Sandramoris lebt, der Weise Wald in vielen Farben blüht, die Weite See die tosenden Wellen gebiert, unsere Amazonen ihre Heimat beschützen, die Kinder in Geschichten gewiegt werden, solange bleibt es bestehen, schützt seine Geheimnisse vor neugierigen Blicken mit hohen Mauern, Gittern und lebendigen Ranken, die Zudringlichen durch das Abschnüren einiger Körperteile den Eingang verwehren.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris- Was in den Wäldern lebt- Das Einhorn Lichte Schaduw

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Sandramoris - Was in den Wäldern lebt - Das Einhorn Lichte Schaduw

„In seinen großen dunklen Augen sah ich alle Sterne des Firmaments aufleuchten.“
„Seine zarten Nüstern berührten meine ausgestreckte Hand. All die Angst vor der Dunkelheit, die ich solange in mir getragen hatte, war von diesem Moment an verschwunden.“
„Immer wieder erscheint es in meinen Träumen. Spricht zu mir in einer Sprache, die ich noch nicht zu verstehen gelernt habe.“
„So viele Namen haben wir ihm gegeben, versuchten es einzufangen, seine Kräfte zu erforschen. Und doch ist es uns Menschen nie gelungen seiner habhaft zu werden.“
Im Weisen Wald lebt neben den unzähligen anderen Wesen Lichte Schaduw, das Einhorn mit den magischen Kräften.
Es zeigt sich nur den wenigsten Menschen, aber diejenigen die ihm begegneten, waren fortan verwandelt. Seine helle Gestalt hebt sich strahlend von der manchmal düsteren Kulisse des Waldes ab, seine Stirn ziert ein langes glitzerndes Horn. Eine lange rote Narbe verläuft über sein linkes vorderes Bein. Einst ward es gefesselt, in die Höhle eines dunklen Geistes gesperrt. Doch dies ist lange her, die schmerzhafte Erinnerung an die Tage des schreienden Nebels, der die Höhle bewohnte, verblasst.
Vorrangig erscheint es Menschen und Lebewesen, die tiefes Leid in sich tragen. Seine Fähigkeit zu heilen ist beeindruckend. Manchmal erscheint es in einem Meer aus Glühwürmchen mitten in der Nacht. Dann wieder in Begleitung eines Rotkehlchens, das stets dasselbe Lied erklingen lässt.
Lautlos bewegt es sich im Schatten der Bäume.
„Komm zu uns großer weißer Schatten, auf dass du heilst was gebrochen wurde, zur Liebe erweckst, was solange in Trauer verharrte, hilfst wenn die Nacht zu dunkel, der Weg zu lang, die Furcht zu groß und unser Feuer zu erlöschen droht.“ Ein Nachtgebet, das Kindern in Sandramoris beigebracht wird, auf dass auch sie ihren Kindern später von den Wundern des Lichte Schaduw erzählen werden.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris- Silva sacrificium

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Sandramoris – Silva sacrificium

In den Tiefen von Samala, dem Weisen Wald in Sandramoris, verbirgt sich eine uralte Opferstätte namens Silva sacrificium.
Es handelt sich um eine kleine Lichtung im Wald, in deren Mitte ein steinerner Altar erbaut wurde. In den hellen Sandstein sind kunstvolle Abbildungen gehauen, Wesen des Waldes wie Dryaden, Füchse, die Slimspinnen, auch lebende Bäume, Moose, vielfältige Gewächse die einst aus fernen Landen kamen und nun im Wald heimisch geworden sind.
Eine Kuhle ist in den Altar eingelassen, dort sammelte sich einst das Blut des Opfers, so erzählen sich die Weisen Frauen, die als einzige den Zugang zu der Lichtung kennen und die Existenz der Opferstätte geheim halten.
Doch nicht nur Blutgaben wurden erbracht, auch Lichtgaben durch die Errichtung hölzerner Statuen auf der Lichtung, die mit Ranken, Blüten und duftenden Kräutern gespickt den Göttern zum Geschenk gemacht wurden. In einer Zeremonie, die Gesang aus den Kehlen der riesigen Raben aus den Bergen miteinschloss, ebenso wie das Trinken eines berauschenden Saftes, der die Sinne schärfste und den Zugang zu den Göttern erleichtern sollte, wurden die Statuen verbrannt.
Die teilnehmenden Priesterinnen an den Blutzeremonien waren in lange weiße Gewänder gehüllt, es konnte passieren, dass das Blut ihrer Opfer Spuren hinterließ, weswegen die richtige Handhabung des Opferungsdolches immens wichtig war. Eine Verunreinigung des Gewandes störte den Zugang zu den höheren Wesen.
Seit langer Zeit wird die Opferungsstätte nicht mehr genutzt. Denn Grausamkeit hatte die Stätte befleckt, als eine Priesterin sich der dunklen Seite zugewandt hatte und fortan alles in ihrer Macht stehende tat um die Gefährtinnen von immer häufigeren Blutopfern zu überzeugen. In der letzten Nacht in der der Altar genutzt wurde, lag ein gefesseltes Rehkitz auf dem Stein, die dunklen Augen flehend zum Nachthimmel erhoben.
„ Nehmt hinfort das Licht dieser Seele, auf dass sie euch besänftigen mögen“ sangen die Priesterinnen und wiederholten dann immer wieder eine uralte dunkle Beschwörungsformel, die aus den Untiefen der Erde selbst hervorgekrochen war um Unheil anzurichten in den Seelen derer, die sie sprachen und hörten.
Gerade als aus den Tiefen der Erde sich etwas den Weg nach oben bannen wollte, das niemals an die Oberfläche kommen hätte sollen, ergriff eine der Priesterinnen eine böse Ahnung und sie erwachte wie aus einem düsteren Traum. Sie brach die Beschwörungsformel ab, hob ihre Hände und sandte gleisend helles Licht über die Lichtung. Die Erde unter ihren aller Füssen erbebte, ein Fauchen war zu vernehmen, und dieses Geräusch lies auch die anderen Priesterinnen aufschrecken. Sie waren imstande den dunklen Bann unter dem sie gestanden hatten abzuschütteln und schworen sich noch in derselben Nacht die Stätte nie wieder zu nutzen, im Verborgenen zu halten, auf dass das Dunkle nie wieder eine Macht über ihre Herzen und die ihrer Nachkommen haben könne.
Die Weisen Frauen von Samala hüten das Geheimnis und legen in Vollmondnächten Bannkreise aus Rinde der Baumriesen um den Altar, um sicherzugehen, dass der Schrecken weiter fern bleibt.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris- Die Wolkenweberinnen

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Die Wolkenweberinnen

Die Wolkenweberinnen leben in einem geheimen riesigen Höhlensystem, im Hochland. Durch die Jahrhunderte, die sie, Generation für Generation, in der Dunkelheit verbracht haben, sind ihre Sinne schärfer geworden. Ihre Finger erspüren jede Unebenheit in ihrem Werkstück im Bruchteil einer Sekunde auf. Ihre Augen haben es gelernt die Schattenwelt wahrzunehmen, so dass sie imstande sind mit den in den Höhlen lebenden Schattenwesen zu kommunizieren. Durch den Luftzug, der in die Höhlen dringt, erfahren sie, was in der Außenwelt vor sich geht. Ihr Geruchssinn hat sich optimiert, sie riechen den feuchten Regen, das sich ankündende schwere Sommergewitter, das knisternde Moos des Bodens. Jeden Schritt, der sich den Höhleneingängen nähert, nimmt ihr hochentwickeltes Gehör sofort wahr.
Sie haben ein raffiniertes Schutzsystem entwickelt. So sind sie bisher nie entdeckt worden.
Ihr ganzes Leben widmen sie der Erschaffung von magischen Wolken. Diese Wolken unterscheiden sich äußerlich kaum von anderen Wolken, sie sind imstande die unterschiedlichsten Formen anzunehmen, mit dem Wind zu ziehen, es regnen zu lassen.
Die magischen Wolken verfolgen Ziele, können Botschaften über weite Strecken übermitteln, Hoffnung erzeugen, Friedensverhandlungen unterstützen, Herzen öffnen.
Eine magische Wolke zu erschaffen, dauert unzählige Jahre. Es zählt zu einer der höchsten Handwerkskünste in Sandramoris. Das Geheimnis ihrer Herstellung bleibt in den Händen der Wolkenweberinnen. Über die Jahrhunderte haben immer wieder feindliche Mächte versucht, die Weberinnen aufzuspüren, um ihnen das Geheimnis zu entreißen. Sie wissen nichts von der Widerstandskraft der Wolkenweberinnen. Von klein auf werden sie darauf trainiert das Geheimnis zu wahren, möglicher Folter zu widerstehen, im schlimmsten Fall das Geheimnis mit in den Tod zu nehmen.
Auch äußerlich unterscheiden sich die Wolkenweberinnen inzwischen von anderen menschlichen Wesen. Ihre Augen sind riesige schwarze Kugeln, die weit aus ihrem schmalen Kopf hervorragen. Ihre Ohren sind beweglich in alle Richtungen. Ihre Nase sieht aus wie ein kleiner Rüssel. Ihre Haare tragen sie lang, manchmal bleibt etwas von ihren Haaren im Werkstück zurück, das soll Glück bringen, sagen sie sich dann.
Die Wolkenweberinnen haben ihre Körpergröße jeweils an die Gegebenheiten unter Tage angepasst. In ihrem Zuhause gibt es riesige Höhlen, hoch wie eine Kathedrale. Genauso gibt es kleinste schmale Gänge, die nur kriechend durchquert werden können. Ihre unterschiedlichsten Größen zeugen von den Bereichen der Höhlen, in denen sie arbeiten (die meisten Wolkenweberinnen verbleiben nach ihrer Volljährigkeit in den Bereichen der Höhlen, in denen sie arbeiten und auch wohnen). Es gibt Wolkenweberinnen, die klein wie ein zweijähriges Menschenkind sind (wenngleich ihre Gestalt sich deutlich von diesen unterscheiden), andere sind 10 Meter groß, verfügen über mächtige Schwingen an ihren Schulterblättern, die sie hoch in die Lüfte der hohen Höhlen tragen können, damit sie den dortigen Probeflug der fast fertigen magischen Wolken überwachen und notfalls gleich vor Ort Verbesserungen vornehmen können.
In Sandramoris wissen nur eine Handvoll der weisen Frauen des Waldes Samala wie sie die Wolkenweberinnen erreichen können, um Bestellungen aufzugeben, Botschaften zu übermitteln. Sie erhalten dasselbe Training wie die Wolkenweberinnen, um das Geheimnis zu wahren.
So mögen die magischen Wolken weiter ihr friedfertiges Werk ausüben, unentdeckt in den Weiten des Himmels. Sie reihen sich ein in die unzähligen Wolkenformationen die über unser aller Köpfe ziehen, getrieben vom Wind, beschienen von den wärmenden Strahlen des Sonnenballs. Nachts wandeln sie zwischen den abertausenden von Sternen und glitzernden Gebilden des dunklen Firmaments, manchmal streift sie ein fliegendes Geschöpf und verharrt angesichts ihrer berührenden Schönheit, die nur wahrgenommen werden kann, wenn ein körperlicher Kontakt zustande kommt.
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Re: Kultur aus Sandramoris- Die Bucht

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Die Bucht - Frau fan´e wylde Wetter

Sandramoris verfügt über eine langgezogene Bucht, die tief ins Landesinnere reicht. Sie mündet in der Weiten See, ihr Zugang ist streng bewacht.
Ihr Name geht zurück auf die Frau des wilden Wassers, eine Sagengestalt der Amazonen, die einst die Feinde der Frauen schon bei ihrer Überquerung der Weiten See zu Fall gebracht haben soll.
Alte Schriftrollen beschreiben ihre Gestalt als fluide, mal offenbarte sie sich den Betrachtenden als eine meterhohe Frauengestalt aus reinem Meerwasser, dann wieder erschien sie als Nebel, der die Sicht behinderte und einem sogar das Augenlicht durch ein stark ätzendes Gas nehmen konnte. Laut der Aufzeichnungen konnte sie in Form eines grellen Sonnenballs erscheinen, der auf, den Frauen feindlich gesinnten, Schiffen ein Flammeninferno anrichtete und die von Bord springende Mannschaft blendete. Sie war auch in der Lage eine menschliche Gestalt anzunehmen, eine große Frau mit langen lockigem dunklen Haar.
Die Frau des Wilden Wassers erschien oft in Begleitung von Tieren. Einige Geschichten erzählen, dass sie selbst in der Gestalt einer riesigen Möwe über die Weite See zu fliegen vermochte, um Ausschau nach Schiffen zu halten. Verborgen wurde ihr Flug dabei von einer, ihr getreuen magischen Wolke, aus den Händen der Wolkenweberinnen.
Es scheint eine Verbindung zwischen den Wolkenweberinnen und der Frau des Wilden Wassers zu geben. In den Geschichten heißt es, die Frau des Wilden Wassers hätte einst unter Wasser einen Zugang zum Höhlensystem der Wolkenweberinnen gefunden und Kontakt geknüpft. Zudem haben die Wolkenweberinnen vor undenkbar langer Zeit eine steinerne Statue von der Frau des Wilden Wassers hergestellt, kunstvoll verziert mit Dutzenden Meerestieren und Tieren der Lüfte um ihren Körper versammelt. Die Statue umschlingt mit ihren Armen ihre Geliebte Fenna, einen weiblichen Octopus. Am Fuße der Statue ist eine steinerne Tafel mit einer Inschrift angebracht. Darauf steht: „De feriening fan’e frou fan it wylde wetter en it wezen mei de tuzen earms Fenna“ (Die Vereinigung der Frau des Wilden Wassers und des Wesens mit den tausend Armen Fenna)
Fenna wird beschrieben als froulik wezen mei tuzen earms. Sie hätte tausend Arme, mit denen sie der Frau des Wilden Wassers half, die Feinde auf dem Meer zu vernichten. Gemeinsam seien sie in der Weiten See unterwegs gewesen.
Eine Liebesgeschichte, die ein tragisches Ende nahm, als die Frau des Wilden Wassers eines Tages verschwand (merkwürdigerweise genau in dem Moment als ihre Statue in der Bucht errichtet wurde). Fenna suchte sie überall, lange Jahre war sie unterwegs in der Weiten See, fragte nach ihr, doch nirgends fand sie ihre Geliebte. Als Fenna zur Bucht zurückkehrte war sie gebrochen, sie hatte allen Lebenswillen verloren.
Die an der Bucht wohnenden Frauen in Sandramoris verehren die Frau des Wilden Wassers und Fenna wie Göttinen.
In ihrer beiden Namen werden täglich am Hausaltar kleine Opfer (u.a. in Form von Heilkräutern, die verbrannt werden) gebracht. Einmal im Jahr ist die Bucht übersät von Blumenkränzen, zu hunderten und in aller Farbenpracht treiben sie auf dem Wasser.
Es wird sich erzählt, dass Fenna, die Geliebte der Frau fan’e wylde Wetter am Grunde der Bucht regungslos liegt und auf sie wartet. Wenn sie von dort unten die Blumenkränze entdeckt, wird sie wissen, dass ihre Liebe nicht umsonst war, dass ihrer beider gedacht wird. Sie wird die Hoffnung nicht verlieren. Die Hoffnung, dass ihre Geliebte zurückkehrt, auf dass sie beide wieder vereint sind.
Am Tag, an dem die Blumenkränze ins Wasser gelassen werden, stehen die Frauen der Bucht im Morgengrauen auf. Ihre langen Haare sind dann mit bunten Bändern geschmückt und teils zu vielen Zöpfen geflochten, die an Fennas tausend Arme erinnern sollen. In Scharen strömen sie zum Wasser, um ihre Blumenkränze darauf zu betten. Sie stimmen Lieder an, die der tiefen Liebe der beiden gedenken, den Schmerz der zurückgebliebenen Fenna ausdrücken. Sollte ein Blumenkranz einmal untergehen, sind sie sich gewiss, dass Fenna ihnen ein Zeichen geschickt, mit einem ihrer langen Arme den Kranz zu sich hinuntergezogen hat.
Kleine Mädchen, die nachts bei geöffnetem Fenster in der Nähe der Bucht schlafen, erzählen in der darauffolgenden Nacht manchmal von Träumen über Fenna und der Frau des Wilden Wassers. Es kann passieren, dass sie plötzlich wach werden, weil sie ein lautes durchdringendes Weinen vernommen haben. Das Wasser in der Bucht ist dann, wenn sie aus dem Fenster auf es herabschauen, in Aufruhr. Es scheint, als könne Fenna nur in dieser Nacht und den vorhergehenden Tag aus ihrer Starre erwachen.
Omdatso myn leafde bist, Da du meine Liebste bist,
liz ik myn hert op dyn boarst, bette ich mein Herz an deine Brust,
tutsje ik dyn sletten eagen, küsse ich deine geschlossenen Augen,
omearmje ik dy mei myn tuzen earms. umfange ich dich mit meinen tausend Armen.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris- Was in den Wäldern lebt- Morto

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Sandramoris - Was in den Wäldern lebt
- Der Baum Morto -

Wer einmal die Künste des Baumes Morto erlebt hat, wird sie nie wieder vergessen.
Der Baum ist gut vernetzt mit den anderen Geschöpfen des Großen Waldes, als wären sie ein einziges riesiges Lebewesen. Es lauscht, es nimmt jede Berührung wahr, spürt jede noch so kleinste Erschütterung des Waldbodens, jedwede Veränderung in der Luft.
So mögest du denken, du unbesonnene Wanderin, dass niemand deine Anwesenheit im Großen Wald mitbekommen hat. Dass niemand dich beobachtet, wenn du in ehrfürchtigem Staunen verharrst. Eingefangen von der wilden Schönheit der Bäume, der sie bewohnenden Flechten, dem ausufernden Moos, dass den Waldboden umfängt, berauscht von der Vielfalt an Farben, Geräuschen und Gerüchen.
Doch denke immer daran: In dem Moment, in dem dein Fuß den Waldboden betreten hat, weiß bereits der letzte Baum, dass nun ein Mensch eingetreten ist.
Der Große Wald hat gelernt sich vor äußeren Einflüssen in Acht zu nehmen.
Zu oft wurde er seiner Ressourcen beraubt, seine Kinder ermordet, ihre Körper gestohlen. Zu oft wurde er missbraucht für die Interessen anderer. Die Schreie der Sterbenden hallen tief und schmerzhaft in seinem Gedächtnis. Der Große Wald kann nicht vergessen. Es fällt ihm schwer zu verzeihen.
Im Laufe der Jahrhunderte hat er deshalb umfangreiche Schutzmaßnahmen entwickelt.
Die Entstehung des Baumes Morto gehört mit dazu und ist eine der Kampfesmaßnahmen in der Schlacht um sein Überleben.
Nun könntest du denken, Morto sei von Grund auf ein böses Lebewesen.
Doch sei dir gewiss, dass dem nicht so ist.
Er kämpft allein für das Überleben des Großen Waldes, es gilt den nachkommenden Generationen eine Zukunft bieten, sie zu behüten, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken. So ist er den Menschen in vielem recht ähnlich.
Die oberste Prämisse ist, das Überleben zu sichern. Auf das noch in Generationen der Große Wald frei, selbstbestimmt , in seiner tiefen Schönheit atmend, existieren kann.
Morto ist kahl. So erscheint er im ersten Moment der Betrachterin als harmlos mit seinen knochigen ausgedörrt wirkenden Ästen. Ein zwar großer aber fast schon toter alter Baum, mögest du denken.
Doch dieses äußere Erscheinungsbild gehört nur mit zu seiner Tarnung. Ein raffiniertes Ablenkungsmanöver, dass die tödliche Gefahr, die tief in ihm schlummert, verbirgt.
Im Wind wiegt er sich hin und her, lauscht den Worten, die zu ihm getragen werden. Lauscht dem Wispern der anderen Waldbewohnenden. Lauscht und hat im Laufe der Jahrzehnte viele Sprachen gehört und zu verstehen gelernt.
Morto ist ein äußerst intelligentes Lebewesen.
Die Nacht ist seine liebste Zeit, in der Ruhe und Dunkelheit kann er sich am besten konzentrieren. In manchen Nächten nimmt er Kontakt auf zu Lebewesen, die längst verstorben sind, trifft Lebewesen die inzwischen fern von ihm leben, unterhält sich mit Lebewesen, die in ihm wohnen.
Sein Name ist etwas irreführend, denn du könntest denken, alles was ihm begegnet, sei des Todes geweiht. Dies ist jedoch nicht so.
Im Grunde seines Herzens ist Morto ein lebensbejahendes Geschöpf.
Den Namen erhielt er von Menschen, die nur eine Seite von ihm kannten.
Seine Fähigkeit zu töten setzt er nur im Notfall ein, um sich selbst bei Angriffen zu schützen und, was das wichtigste ist, wenn es darum geht den Großen Wald zu bewahren vor Zerstörung und der Gier anderer.
Morto beherbergt einen faszinierenden Gedächtnispalast. Dort sind alle Geschichten, Sagen, Erlebnisse des Großen Waldes gespeichert, leben in den abertausenden von Zimmern, in den prachtvollen Festsälen, bis hin zu den dunkelsten Kammern.
Im stetigen Austausch mit allen Lebewesen des Großen Waldes, hat er sich seit seiner Geburt immer weiterentwickelt. Nun ist er eines der intelligentesten Geschöpfe des gesamten Waldes.
Die Kraft die ihn dazu gebracht hat, diese überragende Intelligenz zu entwickeln, entspringt einer Quelle tief in seinem Innern. In der Stille mancher Nächte ist ihm, als vernehme er das Geräusch von fließendem Wasser tief in seinem Stamm, lauscht in sich hinein. Die Gewissheit, dass die Quelle nie versiegt, gibt ihm Ruhe, Gelassenheit, aber auch die Kraft im Notfall entschieden zu handeln.
So rein seine Seele auch sein mag, er kann einen Gegner im Bruchteil von Sekunden überwältigen und töten. Manchmal lässt er sich aber auch Zeit mit dem Töten. Oft dann, wenn der Feind keine Gnade in Form eines schnellen Todes verdient hat.
Seine zunächst so harmlos aussehenden knochigen Äste sind wie wendige muskulöse Arme, die den Feind umschlingen, vom Boden in die Luft heben, seine Luftröhre zudrücken, seine Knochen zum Brechen bringen. Manchmal lässt er sie schreien, damit der ganze Wald teilhaben kann an der Rache.
Er ist in der Lage sich im Wald frei zu bewegen, blitzschnell seine Stellung zu wechseln.
In den Jahren der Belagerung von Sandramoris tötete er unablässig eindringende Männer, wenn sie Hand an seine Artgenossen legten. Der Grosse Wald roch nach dem Blut der Besiegten, es sickerte aus ihren sterbenden Körpern in die Erde, wo es anderen kleinsten Lebewesen Nahrung bot.
Morto beherbergt die Seelen aller von ihm Getöteten in sich. So wächst sein Gedächtnispalast stetig, vor seinem inneren Auge ziehen fremde Länder vorbei, nachts schreitet er im Geiste über hohe kahle Berge, bereist die Weite See in hölzernen Segelschiffen, besucht wundersame Stätten in fremden Ländern.
Er schließt Frieden mit den von ihm Getöteten, sobald ihre Seelen vor seinen Augen tanzen. Dann lädt er sie ein sich zu ihm zu setzen, mit ihm ins warme Licht zu blicken, das alles Böse und Verdorbene verschwinden lässt.

Arbo de Morto Baum des Todes
Gardisto de la Arbaro Behüter des Waldes
Portu niajn memorojn Trägst Unsere Erinnerungen
En la Palaco de Senfineco Im Palast der Unendlichkeit
Gardisto de Animoj Bewahrer der Seelen
Nur nun, ke ni rigardas la lumon kun vi Erst jetzt, da wir mit dir ins Licht
blicken
Ni rekonu la maljustecon Erkennen wir das Unrecht
Kaj povas fari pacon Und können Frieden schließen
Ke la fonto flustri Möge die Quelle flüstern
Gis la tuta sufero de la tero malaperos Bis alles Leid der Erde verschwunden
Crynn
Beiträge: 29
Registriert: Sa Jul 19, 2025 6:33 pm

Re: Kultur aus Sandramoris- Die Dryaden

Beitrag von Crynn »

Keijo und Freya

Keijo ist ein Dryade, mit einem Gewandt aus grünen ovalen Blättern, die seinen sehnigen Körper bedecken. Er hat ein schmales Gesicht, dunkle Augen, spitze Ohren. Wenn er lacht, zeigt er seine kleinen scharfen Zähne.
In tiefer Verbundenheit lebt er mit Freya, einer Buche, in Samala, dem Weisen Wald in Sandramoris.
Freya steht im ständigen Austausch mit unzähligen anderen Lebewesen in Samala, verbunden durch ein riesiges unterirdisches Netzwerk, das im Bruchteil von Sekunden Botschaften übermittelt.
Sie erzählt Keijo vieles davon, doch manche Dinge verschweigt sie dem Dryaden. Weiß sie doch um seine Empfindsamkeit, die er zu verbergen versucht. Nichts an seinem Äußeren deutet auf seine zerbrechliche Seele, seinen Hang zur Melancholie (besonders in den langen dunklen Wintermonaten), seinem Brüten über den Zustand des Waldes und die Bedrohungen die allgegenwärtig sind.
Keijo kann sich nicht zu weit von Freya entfernen, wie durch ein unsichtbares Band sind sie in Liebe aneinandergebunden. Sollte dem einen ein Leid geschehen, wird es auch das Ende der anderen sein.
In Samala geistert schon seit Jahrhunderten die Geschichte von Alva umher. Eine inzwischen wohl uralte Eiche, die vor sehr sehr langer Zeit ihre Dryadin namens Auri an ein dunkles Wesen verloren haben soll.
So groß war ihre Trauer und Wut, dass sie nicht etwa starb, wie es vorherbestimmt gewesen wäre, sondern in ihren Rachegedanken gefangen düstere Pläne schmiedete. Es wird sich erzählt, dass Alva einen Pakt mit dem Bösen schloss. Unsterblichkeit war ihr Geschenk und doch verlor sie alles, was sie jemals ausgemacht hatte.
Alva, die einst von tiefer Liebe zu Auri erfüllt gewesen war und deren Liebe von dieser mit aller Inbrunst ihres kleinen Herzens erwidert wurde, verwandelte sich.
Nur noch ferne Erinnerungen, die wie im Nebel verschwommen ab und zu aufblitzten, waren die Zeiten mit Auri: Wie sie bei Tagesanbruch gemeinsam den Stimmen des erwachenden Waldes lauschten, Auris zarter kleiner Körper in ihren kräftigen starken Armen. Wie sie nicht aufhören konnte, Auris überschäumende Energie zu bewundern, ihre fast kindliche Freude an den ersten Sonnenstrahlen am Morgen, die auf ihr Gesicht fielen. Wie Auri ihre Arme in den aufziehenden Sturm erhob und mit dem Wind vor wilder Freude schrie. Auri, die sich mit allen Lebewesen, die an ihnen vorbeizogen anzufreunden versuchte. Auri, die ihr Mut zuflüsterte, wenn sie müde wurde von den dunklen Geschichten, die als Botschaften über ihre Wurzeln durch ganz Samala zu ihr drangen. Auri, die in dieser kalten Nacht ein fremdes Wesen erblickte, dass ihr auf so grausame Art und Weise das Leben nahm.
Diese Alva, die Auri so bedingungslos geliebt hatte, gab es nicht mehr. Ein kaltes seelenloses Wesen war nach dem Pakt, von dem sie sich in all ihrem Hass und ihrer abgrundtiefen Traurigkeit soviel versprochen hatte, aus ihr hervorgetreten.
Freya hat Keijo niemals von dieser uralten Geschichte erzählt. Sie befürchtet, dadurch bei ihm neue Ängste oder Sorgen auslösen zu können. Zudem ist ihr kein Lebewesen in ganz Samala bekannt, das die Geschichte mit Beweisen belegen könnte.
Und doch träumt Freya manchmal von Alva und Auri. Sieht sie vor sich, lacht mit ihnen, weint ihre Tränen, wacht dann erschüttert auf, mit dem Bild von Auris kleinem zerschmetterten blutigen Körper vor Alvas Stamm. Eine wild aufsteigende Wut in sich spürend, die sich ihren Weg aus der Dunkelheit hinaus bannen will. Freya weiß, dass diese Träume Vorboten sind. Sie weiß, dass sie Keijo nicht aus den Augen lassen darf, seine Wege begleiten, seine Seele bewahren, seinen Körper und Geist beschützen muss.
Die Liebe zwischen einem Baum und seinem Dryaden darf nie wieder zerbrochen werden.
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