Re: Kultur aus Sandramoris- Der Tunnel des Vergessens
Verfasst: Mi Mai 27, 2026 4:08 am
Sandramoris- Der Tunnel des Vergessens
„Gleymdargöngin“ so nennen ihn die Bewohnerinnen des naheliegenden Dorfes Göng.
„… und immer wieder traten Frauen hervor, deren Gesichter rein waren, jede Sorge ward von ihnen genommen, die trüben Gedanken, all die schrecklichen Erlebnisse ihrer bisherigen Tage weggewaschen wie von einer gütigen Quelle…“ So steht es im Buch der Hüterinnen des Dorfes.
Der Zugang zum Tunnel liegt im Verborgenen, nur wenige wissen noch von seiner Existenz. Einst ward er Teil eines Pilgerinnenpfades, kurz vor Ende der Strecke, galt es ihn zu durchqueren. Eine Fackel in der Hand, denn im Tunnel ist es stockdunkel, so lang ist er und immer wieder kommen Kurven, so dass erst ganz am Ende etwas Licht vom Ausgang in ihn dringt.
Das Gestein im Tunnel birgt viele Löcher, es ist teils formbar, mit den Händen lassen sich Stücke daraus entfernen. So ist der Tunnel derzeit wieder versperrt, denn es wurde ein Ritual der Pilgerinnen, dass sie sich Stücke herausschälten, um sie als Souvenir mitzunehmen.
Das Gestein verändert sich, es scheint wieder nachzuwachsen, dies geschieht jedoch sehr langsam. So haben die Dorfbewohnerinnen, die sich auch als Hüterinnen des Tunnels betrachten, den Tunnel im Laufe der Zeit immer wieder für lange Jahre verschlossen, um dem Tunnel die Möglichkeit der Erneuerung zu geben.
In den Tiefen von Gleymdargöngin wohnen die Kvik, von deren Existenz nur die Hüterinnen wissen. Sie besiedeln die Tunneldecke, das menschliche Auge vermag sie kaum zu sehen mit ihren durchsichtigen gallertartigen Körpern. Die Kvik kommunizieren untereinander über ihre langen Tentakel. Die Informationen gelangen so blitzschnell von einem Ende des Schwarms der Kvik zur anderen. Es wissen dann gleich alle von ihnen wenn jemand den Tunnel betritt, um welches Lebewesen es sich handelt, wo es sich gerade befindet.
Die Kvik ernähren sich von menschlichen Gedanken und Erinnerungen. Doch nur die schlechten, die angsteinflössenden, die belastenden haben es ihnen angetan. Es scheint, als prüfen sie die Eintretenden, ob diese würdig sind als Speise zu dienen. Ist das der Fall, verspürt das Opfer ein kurzes Kitzeln im Nacken. Das ist der Moment indem eines der Kvik mit einem Tentakel, das so zart und durchsichtig ist, das es kaum wahrzunehmen ist, schon gar nicht im Schein einer Fackel, Kontakt aufnimmt. Das Opfer scheint wie gelähmt, es kann sich nicht bewegen, hält nur verkrampft die Fackel fest, den Blick starr nach vorn gerichtet. Ein Blitzen an der Tunneldecke, die Kvik geben die aufgesaugten Informationen blitzschnell an alle weiter, so ernährt sich der gesamte Schwarm gleichzeitig von einer Person. Ist es vorbei, erwacht das Opfer sofort aus der Starre. Eine Verwandlung, die ihm selbst nicht bewusst ist, hat stattgefunden. Alles was das Herz belastet hat, Sorgen, die vielleicht seit Jahren in ihm wohnten, Erinnerungen aus frühsten Kindertagen, die in stetigen Alpträumen wiederkehrten, all das ist verschwunden, als hätte es nie existiert.
Die Kvik vermögen lange Zeit ohne oder nur mit ganz wenig Nahrung auszukommen und so nutzen sie die derzeitige Sperrung des Tunnels zur Regeneration und für den Schlaf. Im Schlaf lassen sie die Erinnerungen der vergangenen Opfer aufleben, um sie bis zum letzten Tropfen auszukosten.
Die Hüterinnen verehren die Kvik, in ihren Augen dient deren Handeln nicht nur der Nahrungsbeschaffung, sondern ist durchsetzt von tiefer Güte. Denn sie suchen ihre Opfer sorgsam aus. Diejenigen, die die Kraft in sich tragen ihre Sorgen selbst zu bewältigen, zu verarbeiten, zu überwinden, durchqueren den Tunnel ohne Kontakt zu den Kvik. Nur diejenigen, die ihre Erinnerungen nie allein besiegen werden, deren Herzen die Angst in sich trägt, deren Leben getränkt ist von Sorge und Leid, deren Körper die Starre spiegeln, werden erwählt. Sie verlassen Gleymdargöngin hoch erhobenen Hauptes, ein Lächeln um ihre Lippen, Stärke in ihren Herzen, Zuversicht, Mut, Kraft, Hoffnung wird sie fortan begleiten und schützen vor Bedrohungen. Ihre Körper sind frei von den alten Erinnerungen, die Starre wie weg gefegt, ihre Bewegungen spiegeln ihren neuen inneren Zustand.
„Mögen die Kvik ewig leben“ erschallt es in den Gesängen der Hüterinnen, wenn sie in den Herbstmonden ihre Feuer entzünden. Dann tanzen sie die rituellen Tänze der Kvik, die seit Generationen von Mutter zur Tochter weitergegeben werden. Und in den Tiefen des Tunnels lauschen die Kvik den Klängen der Trommeln, den Stimmen der Hüterinnen und wiegen sich gemeinsam im Rhythmus der Gesänge.
„Gleymdargöngin“ so nennen ihn die Bewohnerinnen des naheliegenden Dorfes Göng.
„… und immer wieder traten Frauen hervor, deren Gesichter rein waren, jede Sorge ward von ihnen genommen, die trüben Gedanken, all die schrecklichen Erlebnisse ihrer bisherigen Tage weggewaschen wie von einer gütigen Quelle…“ So steht es im Buch der Hüterinnen des Dorfes.
Der Zugang zum Tunnel liegt im Verborgenen, nur wenige wissen noch von seiner Existenz. Einst ward er Teil eines Pilgerinnenpfades, kurz vor Ende der Strecke, galt es ihn zu durchqueren. Eine Fackel in der Hand, denn im Tunnel ist es stockdunkel, so lang ist er und immer wieder kommen Kurven, so dass erst ganz am Ende etwas Licht vom Ausgang in ihn dringt.
Das Gestein im Tunnel birgt viele Löcher, es ist teils formbar, mit den Händen lassen sich Stücke daraus entfernen. So ist der Tunnel derzeit wieder versperrt, denn es wurde ein Ritual der Pilgerinnen, dass sie sich Stücke herausschälten, um sie als Souvenir mitzunehmen.
Das Gestein verändert sich, es scheint wieder nachzuwachsen, dies geschieht jedoch sehr langsam. So haben die Dorfbewohnerinnen, die sich auch als Hüterinnen des Tunnels betrachten, den Tunnel im Laufe der Zeit immer wieder für lange Jahre verschlossen, um dem Tunnel die Möglichkeit der Erneuerung zu geben.
In den Tiefen von Gleymdargöngin wohnen die Kvik, von deren Existenz nur die Hüterinnen wissen. Sie besiedeln die Tunneldecke, das menschliche Auge vermag sie kaum zu sehen mit ihren durchsichtigen gallertartigen Körpern. Die Kvik kommunizieren untereinander über ihre langen Tentakel. Die Informationen gelangen so blitzschnell von einem Ende des Schwarms der Kvik zur anderen. Es wissen dann gleich alle von ihnen wenn jemand den Tunnel betritt, um welches Lebewesen es sich handelt, wo es sich gerade befindet.
Die Kvik ernähren sich von menschlichen Gedanken und Erinnerungen. Doch nur die schlechten, die angsteinflössenden, die belastenden haben es ihnen angetan. Es scheint, als prüfen sie die Eintretenden, ob diese würdig sind als Speise zu dienen. Ist das der Fall, verspürt das Opfer ein kurzes Kitzeln im Nacken. Das ist der Moment indem eines der Kvik mit einem Tentakel, das so zart und durchsichtig ist, das es kaum wahrzunehmen ist, schon gar nicht im Schein einer Fackel, Kontakt aufnimmt. Das Opfer scheint wie gelähmt, es kann sich nicht bewegen, hält nur verkrampft die Fackel fest, den Blick starr nach vorn gerichtet. Ein Blitzen an der Tunneldecke, die Kvik geben die aufgesaugten Informationen blitzschnell an alle weiter, so ernährt sich der gesamte Schwarm gleichzeitig von einer Person. Ist es vorbei, erwacht das Opfer sofort aus der Starre. Eine Verwandlung, die ihm selbst nicht bewusst ist, hat stattgefunden. Alles was das Herz belastet hat, Sorgen, die vielleicht seit Jahren in ihm wohnten, Erinnerungen aus frühsten Kindertagen, die in stetigen Alpträumen wiederkehrten, all das ist verschwunden, als hätte es nie existiert.
Die Kvik vermögen lange Zeit ohne oder nur mit ganz wenig Nahrung auszukommen und so nutzen sie die derzeitige Sperrung des Tunnels zur Regeneration und für den Schlaf. Im Schlaf lassen sie die Erinnerungen der vergangenen Opfer aufleben, um sie bis zum letzten Tropfen auszukosten.
Die Hüterinnen verehren die Kvik, in ihren Augen dient deren Handeln nicht nur der Nahrungsbeschaffung, sondern ist durchsetzt von tiefer Güte. Denn sie suchen ihre Opfer sorgsam aus. Diejenigen, die die Kraft in sich tragen ihre Sorgen selbst zu bewältigen, zu verarbeiten, zu überwinden, durchqueren den Tunnel ohne Kontakt zu den Kvik. Nur diejenigen, die ihre Erinnerungen nie allein besiegen werden, deren Herzen die Angst in sich trägt, deren Leben getränkt ist von Sorge und Leid, deren Körper die Starre spiegeln, werden erwählt. Sie verlassen Gleymdargöngin hoch erhobenen Hauptes, ein Lächeln um ihre Lippen, Stärke in ihren Herzen, Zuversicht, Mut, Kraft, Hoffnung wird sie fortan begleiten und schützen vor Bedrohungen. Ihre Körper sind frei von den alten Erinnerungen, die Starre wie weg gefegt, ihre Bewegungen spiegeln ihren neuen inneren Zustand.
„Mögen die Kvik ewig leben“ erschallt es in den Gesängen der Hüterinnen, wenn sie in den Herbstmonden ihre Feuer entzünden. Dann tanzen sie die rituellen Tänze der Kvik, die seit Generationen von Mutter zur Tochter weitergegeben werden. Und in den Tiefen des Tunnels lauschen die Kvik den Klängen der Trommeln, den Stimmen der Hüterinnen und wiegen sich gemeinsam im Rhythmus der Gesänge.