Lumo - Die Frau aus Stein

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Crynn
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Registriert: Sa Jul 19, 2025 6:33 pm

Lumo - Die Frau aus Stein

Beitrag von Crynn »

Es gibt eine alte Geschichte in Sandramoris.
Unsere Grossmütter haben sie unseren Müttern erzählt, wenn sie sie in den Schlaf wiegten, wir selbst pflanzen sie in die Herzen unserer Kinder und auch sie werden die Geschichte weitergeben. So wandert sie von Generation zu Generation, Hoffnung spendend für alle Zeiten:
„Lumo - Die Frau aus Stein“

Ich will sie euch erzählen:

Einst waren die Amazonen in Sandramoris Gejagte. Aus fernen Landen kamen Männerhorden über die Weite See.
Zunächst hatten wir diesen Männern kaum etwas entgegenzusetzen. Wir wurden überrascht von der Wucht ihres Angriffs, ihrer rohen Gewalt, ihrer Wut auf alles Weibliche. Ihrem Drang sich zu bedienen an unseren Kindern, unseren Leibern, unseren Besitztümern.
Sie überrannten Sandramoris, drangen in einer Schnelligkeit in unser geliebtes Land vor, wie wir sie zuvor noch nie bei einem Angriff erlebt hatten.

Doch es formte sich Widerstand in den tiefen Wäldern. Über die Jahre der Besatzung dieser feindlichen Macht baute sich eine Armee an Amazonen im Untergrund neu auf. Die nichts anderes im Sinn hatte als ein freies Sandramoris, dass der Herrschaft der Männer , die es sich gestohlen hatten, wieder entrissen wurde.
Lange Zeit dauerte es, bis die Armee der Frauen stark genug war um sich dem Kampf zu stellen.
Und eine von ihnen tat sich dabei ganz besonders hervor: Ihr Name war Lumo.

Als kleines Mädchen hatte sie Nacht für Nacht miterleben müssen, wie ihre Mutter neben ihr auf der Bettstatt grosse Schmerzen erleiden musste, durch die Hand des Mannes, der sich als neuer Vorsteher des Dorfes indem sie aufwuchs deklariert hatte.
Nach der feindlichen Besetzung des Landes hatten die Fremden sehr schnell jedes Dorf, jede Stadt, so gut wie jedes Gebiet in Beschlag genommen.
Lumo war noch zu klein gewesen, als dass sie sich an die Zeit vor der Besatzung erinnern konnte. Sie kannte das Gefühl von Freiheit nicht, nur aus den flüsternden Gesprächen, die ihre Mutter mit anderen Frauen des Dorfes im Waschhaus führte.

Als sich ihr eigener Körper immer mehr in den einer Frau verwandelte, begann der Vorsteher sich auch für diesen zu interessieren. Zunächst hatte sie es geschafft seinen Forderungen zu entgehen. Doch sie hatte immer gewusst, dass der Tag kommen würde, an dem sie, in eine Ecke getrieben, wie ein Tier schreiend, ihm Gehorsam leisten müsse.

Lumo war schon als kleines Mädchen ein anderes Kind gewesen, als ihre Spielgefährtinnen. Sie konnte den Wind flüstern hören, sie sprach zu den Sternen, manchmal schloss sie ihre Augen, murmelte unverständliche Laute, wie in einer Trance stand sie dann da und wiegte ihren schmalen Körper hin und her.
Immer spürte sie eine Stärke in sich, fühlte, dass etwas in ihr war, dass von Jahr zu Jahr wuchs, zu ihr sprach, ihr Kraft schenkte in Zeiten der Traurigkeit.
Als junge Frau verließ sie schließlich bei Nacht ihr Dorf, mit dem festen Willen sich den freien Amazonen in den Wäldern anzuschließen, von denen die Frauen des Dorfes hinter vorgehaltener Hand erzählt hatten.

Das Wunder auf das ganz Sandramoris so lange Zeit gewartet hatte schien in Erfüllung zu gehen.
Nach und nach konnte die Armee der Amazonen zunächst einzelne Dörfer, später, als sich immer mehr Frauen der Bevölkerung dem Befreiungskampf anschlossen, ganze Städte befreien, die Feinde vertreiben.
Es schien, als wäre die Dunkelheit, als wäre all das was Sandramoris fast ausgelöscht hätte vom Licht überflutet worden.

Doch über die Weite See kamen Herrscharen von weiteren Männern aus fernen Ländern mit Söldnern. Die Bevölkerung von Sandramoris hatte sich dem Widerstand inzwischen fast komplett angeschlossen und es entbrannten wilde Kämpfe an den Küsten der Weiten See um die Eindringlinge daran zu hindern weiter ins Landesinnere vorzustossen.
Es ist unvorstellbar, wie viele Menschen, Frauen, Kinder dabei gefallen sind.
Ein Blutmeer überzog die Küsten.

In der letzten alles entscheidenden Schlacht dort in den Wäldern vor der weiten See gelang es einer Truppe an Männern sich der Anführerin entgegenzustellen, sie einzukreisen, sie abzuschirmen von den anderen und durch die Wälder zu jagen.
Sie hatte nichts als ihren Leib und ihre blutdurchtränkte Kleidung, denn ihre Waffen waren auf der Flucht verloren gegangen. Zum Schluss war sie wie ein gehetztes Reh, das den Jägern zu entkommen versucht, auch wenn es die Pfeile in seinem Körper bereits spürt und die Kraft aus ihm herausrinnt.
Sie hörte die Angreifer hinter sich , hörte wie das Gehölz unter ihren schweren Schritten brach. Sie hörte ihre lauten Stimmen, sie hörte ihr höhnisches Lachen.
Und irgendwann ging ihr die Kraft aus. Sie wusste, dass sie nicht länger fliehen konnte, dass ihre Zeit sich nun dem Ende zuneigte.

Es begab sich auf einer kleinen Lichtung im Weisen Wald da sie sich umdrehte und wartete, um dann mit mutigen Blick aus großen dunklen Augen ihren Verfolgern entgegen zu treten.
An der Zahl 10 Männer waren es, die sie einkreisten, in die Enge trieben. Und doch setzte sie alle Mittel ein die Sie hatte, sie kämpfte um ihr Leben. Alle Techniken die Sie jemals erlernt hatte, die ihre Mutter ihr beigebracht hatte, ihre Großmutter ihr schon in die Ohren geflüstert hatte, als Sie noch ein kleines Wesen war das in der Wiege schlief, wandte sie an.
Sie nahm alle Kraft die Sie noch hatte zusammen, sie schlug, sie biss, sie würgte, sie schrie, doch es waren derer an der Zahl zu viele.
So konnte Sie nichts tun, nichts tun und musste zusehen wie ihr Leib geschändet wurde.
Ihr Geist hatte sich längst dem Körper entzogen um ihr diesen Schmerz zu ersparen. Wie diese Männer sich alles nehmen wollten was sie ausmachte und doch wusste sie tief in ihrem Innern, dass sie niemals ihre Seele brechen würden, auch wenn der Preis ihr Sterben wäre.
Als die Männer nach langer Zeit von ihr abgelassen hatten, kam der Anführer auf Sie zu, ein großer schwerer Mann mit einem breiten bösen Lächeln und kalten blauen Augen. Der nun als letzter genießen wollte, was er sich erobert hatte.

In dem Moment als er sich auf Sie legen wollte, ging ein Zucken durch ihren Leib. Es begann in ihren Füssen. Eine tiefe Ruhe kam über sie, eine Wärme floss durch ihren Körper. Es war ein seltsames Gefühl und doch erkannte sie es wieder. Es war dasselbe Gefühl, dass sie in Kindertagen gespürt hatte, wenn sie wie in Trance sich verbunden fühlte mit höheren Mächten.
Irgendwie spürte Lumo plötzlich ihre Füße nicht mehr, ihre Beine wie taub, alles um sie herum verschwamm wie in einem Nebelmeer. Und auch der Mann über ihr war wie ein Bild aus einem Traum, sie hörte ihn nur laut schreien.

Die umstehenden Männer wichen entsetzt zurück. Dort in der Mitte der Lichtung lag Lumo auf dem Boden. Ihre Zehen, die sie gerade noch in die Erde gekrümmt hatte, waren nun ganz entspannt. Sie hatten sich grau gefärbt.

Eine Macht war zum Vorschein gekommen, die immer schon in ihr geschlummert hatte, auf den Moment wartend, in dem sie ihre Künste zeigen durfte.
Noch nie zuvor hatte je ein Menschenauge diese Künste erleben dürfen.
Ihre Adern, die sie noch eben pochend gespürt hatte, wurden dunkel. Nach und nach färbten sich ihre Füße, ihre Beine, ihr Becken, ihr ganzer Leib grau.
Lumos Körper verwandelte sich zu Stein. Als dann nur noch ihr Kopf rosig war, öffnete sie weit ihre dunklen Augen.
Die Männer waren zurückgewichen, wie erstarrt und sprachlos starrten sie sie an.

Lumos Blick war ganz ruhig und ohne Angst. Sie lächelte, als sie zu sprechen begann:
„Ihr dachtet ihr könntet alle Frauen in Sandramoris unterwerfen.
Für uns seid ihr Männer nichts als der Abschaum der Welt. Seht, was ihr euch gegenseitig antut. Seht, wie ihr mit euren Anvertrautem umgeht. Seht, was ihr in der Welt für Zerstörung anrichtet, mit eurer grenzenlosen wahnsinnigen Wut.
Niemals werden wir uns euch unterwerfen. Niemals werden wir eure Hände in die unseren nehmen. Niemals werden wir zu euren Füssen knien. Niemals vor euch im Staub kriechen.
Ihr könnt uns nicht untertan machen. Wir sind freie stolze Frauen von Sandramoris. Wir sind Amazonen. Niemals könnt ihr uns bezwingen, niemals unsere Seelen brechen.
Sehet, jetzt werde ich zu Stein. Ich werde erstarren, damit ihr mich nicht bekommt und dann in ferner Zukunft, wenn wir frei sein werden, alle Frauen, alle Frauen auf dieser Welt, auf dieser wunderschönen Erde, wenn wir uns befreit haben, dann erst werde ich erwachen aus dem langen Schlaf in den ich nun falle.“

Der Mann über ihr wurde in dem Moment zu Stein, als sich Lumos Kopf ihm zuwandte, aus ihren Augen Lichtblitze zu sprühen begannen.
Lumos Blick war blind geworden, denn alle Kraft nutzte sie nun für ihr Vorhaben.
Das Licht, das grell aus ihren Augen schoss, streute sich und jeden der feindlichen Männer, den es traf, verwandelte es in Stein. Aus der Lichtung heraus schoss es in die Höhe, als Lumo ihren Kopf zum Himmel hob. In ganz Sandramoris verteilte es sich im Bruchteil von Sekunden. Überall wurden die Feinde zu steinernen Skulpturen und Sandramoris ward frei.

Es heisst, dass aus den steinernen Körpern der Feinde eine große Mauer gebaut wurde, manche der Körper schienen wie in Krämpfen verschlungen, ihre Augen weit aufgerissen, als hätten sie in den letzten Sekunden ihres Lebens etwas erblickt, dass jenseits aller Vorstellungskraft läge.

Lumo, die Frau aus Stein ward verschwunden.

Nur die weisen Frauen vom Orden Lumo kennen den Weg zu ihr, sitzen neben ihr, halten Wache, umschließen sie mit ihrer Wärme.
Manchmal weint sie in der Nacht, sie flüstert unverständliche Laute aus ihren steinernen Lippen, tief im Gestein schlägt ihr Herz weiter.
Die weisen Frauen entzünden Feuer und tanzen um sie, sie singen, sie schmücken sie mit Blumen, sie vertrauen darauf, dass sie eines fernen Tages erwachen möge und alles Unrecht aus der Welt verbannt sein würde.

Lumo Lumo
Virino farita el stono Frau aus Stein
En la ombro de la granda arbo Im Schatten des großen Baumes
vi dormas Schläfst du
Sirmitaj en la rondo de sagaj virinoj Geborgen im Kreise der weisen Frauen
Vi vekigos Erwachen wirst du
Kiam la voco resonas en vi Wenn die Stimme in dir erklingt
Viaj okuloj brille la lumon Deine Augen sprühen das Licht
Nia amata planedo brilos en hela grandiozeco Leuchten wird unser geliebter Planet in
hellem Glanz
Vi estos la lumo, kiu lumigas la mallumon Du wirst das Licht sein, das die
Dunkelheit erhellt
Via flustro atingas niajn korojn Dein Flüstern erreicht unsere Herzen
Ni tenas viajn larmojn en niaj animoj Deine Tränen bewahren wir in unseren
Seelen
Ni protektas vin Wir beschützen dich
Ni ekbruligas la fajron por vi Wir entzünden das Feuer für dich
Ni protektas vin kontrau ciuj dangeroj Wir behüten dich vor allen Gefahren
Dum vi dormas während du schläfst