Kultur aus Sandramoris

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Crynn
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Kultur aus Sandramoris

Beitrag von Crynn »

Hier werdet ihr künftig nach und nach Kulturbeiträge aus Sandramoris finden
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Gwynn
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Re: Kultur aus Sandramoris

Beitrag von Gwynn »

Willkommen im MyraForum - habe auch hier ein paar Texte aus Sandramoris gefunden: :o
https://myraforum.projektmyra.de/viewforum.php?f=20
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris, Der Tanz der tiefen Stille

Beitrag von Crynn »

Der Tanz der tiefen Stille
(Ein Auszug aus der "virina gazeto")

"Der Tanz der tiefen Stille stellt einen Tanz jenseits aller Konventionen, erlernten Schrittfolgen, Choreographien dar. Es geht um eine Bewusstmachung der eigenen Körperlichkeit. Der Tanz soll auf keinen Fall aufgezwungenes Glück oder erzwungene Akzeptanz der eigenen Körperlichkeit indoktrinieren. Der Tanz bildet alle Formen von Körpern ab, niemand soll sich entmutigt fühlen, durch den Anblick nur normschöner schlanker Körper.
Für die Zuschauerin ist es zunächst ein ungewohnter Anblick. Kein Laut kommt über die Lippen der Tanzenden, keine Musik begleitet den Tanz. Die Tanzenden sind in weiße Tücher gehüllt, gezielt gesetzte Knoten halten sie an den Schultern und auf der Taille befestigt.
Im Tanz der tiefen Stille gibt es kein Richtig oder Falsch, alle sind Übende, egal wie lange sie schon dabei sind den Tanz in ihr Leben zu lassen. Dies macht den Einstieg für Neugierige so einfach.
Und doch scheuen sich viele davor. Zu groß ist die Befürchtung, sich anderen in dieser Form der fast seelischen Nacktheit und Verletzlichkeit zu zeigen. Die Amazonen wollen sich so wenig angreifbar wie möglich machen. Zu oft haben sie in der Vergangenheit erlebt, dass jedwede Form von Schwäche ausgenutzt wird, im schlimmsten Fall den eigenen oder den Tod der Liebsten bedeuten kann.
Botschafterinnen des Tanzes sind deshalb in ganz Sandramoris unterwegs. Ihr Ziel ist es, Schranken abzubauen, eine Bewusstwerdung für die Kraft des Tanzes der Stille herbeizuführen. Zunächst wurden sie belächelt, ihr Streben nach Verbreitung des Tanzes klein geredet. Dies änderte sich, als Crynn av Dramoris die Herrschaft in Sandramoris übernahm.
In ihrem Schloss finden seitdem regelmäßig Tänze der Stille statt. Die Zuschauerinnen sind unterschiedlichste Menschen und andere Geschöpfe aus ganz Sandramoris. Crynn av Dramoris hat immer betont, wie wichtig es ihr sei, den Tanz einer großen Anzahl an Lebewesen bekannt zu machen, sie für die Botschaften des Tanzes zu begeistern.
Manche Zuschauerinnen bedauern danach, dass sie die Herrscherin nicht zu Gesicht bekommen haben. Dazu muss man wissen, dass Crynn av Dramoris sich selten den Bewohnerinnen von Sandramoris zeigt. Vielfältige Gerüchte kursieren im Lande über ihre Beweggründe. Manche sind haarsträubend, manche eher humorvoll, einige bissig, andere verständnisvoller Natur. Einig ist sich die Bevölkerung, dass sich seit dem Beginn ihrer Herrschaft vieles in Sandramoris zum Guten bewegt hat. Vielfältige Reformen hat sie angestoßen, die jetzt, nach und nach, Positives bewirken..."
Zuletzt geändert von Crynn am So Jul 20, 2025 4:05 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris, Das Dorf Atentu

Beitrag von Crynn »

Das Dorf Atentu
(Ein Auszug aus der „virina gazeto“)

„ …Wie uns zu Ohren gekommen ist, gibt es in Sandramoris nahe der Küste ein idyllisches Dorf namens Atentu. Der Name scheint sich aus der Freundlichkeit der dort Ansässigen und deren fast übertriebene Aufmerksamkeit Durchreisenden und Neuankömmlingen gegenüber abzuleiten.
Uns wurde berichtet, dass es fast unmöglich sei, Atentu zu durchqueren, ohne mehrere Einladungen zum Essen, Nackenmassagen oder andere, dem Strapazen gewohnten Langzeitreisenden oft seltsam erscheinende, Angebote zu erhalten.
Die alteingesessenen Dorfbewohnerinnen werden als kleine etwas mollige Damen beschrieben, mit einem rundlichen Gesicht, glänzenden roten Wangen, hellgrünen Augen. Ihre Kleidung besteht aus wollenen Gewändern, die sie selbst aus der Wolle eigener Schafe herstellen. Zudem tragen die meisten von ihnen einen übergroßen geflochtenen Korb mit sich herum, aus dem sie, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gibt, allerhand Praktisches herausholen, um es einem auf charmanteste Art und Weise anzubieten.
Reisende, die das Dorf bereits kannten und nur schnell hindurchreiten wollten, sollen in der Vergangenheit durch ein breitgefächertes taktisches Auftreten der Dorfbewohnerinnen gestoppt worden sein.
Dazu zählen z.B. plötzliche Unfälle auf der vielfrequentierten großen Straße des Dorfes (bei denen sich dann im Nachhinein herausstellte, dass niemand zu Schaden gekommen war, aber auf den Schock hin erst einmal gemeinsam etwas gegessen werden musste, was eine Einladung zum Übernachten miteinschloss), Paraden an denen schon im Vorfeld bekannt war, das an diesem Tag viel Durchreiseverkehr anstand (die dann die ganzen Straßen blockierten und jedwede Form des schnellen Durchkommens verhinderten), Marktstände mit kostenlosen Getränken und verführerisch duftenden Pasteten.
Es wurde auch schon von stramm über die Straßen gespannten Wollschnüren erzählt, die sich in den Wagenrädern einer Kutsche verfangen haben und erst durch stundenlanges Entwirren lösen ließen (die Schnüre scheinen jedem Messer zu trotzen und wir fragen uns, wie sie hergestellt werden).
Die Dorfbewohnerinnen scheinen ein seltsames Verständnis von Nähe und Distanz Fremden gegenüber zu haben. Ständig sind sie auf Körperkontakt aus, seien es Hände, die geschüttelt werden wollen oder Umarmungen auf offener Straße und bereits bei der ersten Begrüßung.
Wir bitten unsere Lesenden uns Kunde zu geben, wenn sie näheres zu diesem Dorf wissen. Vielleicht sind sie selbst bereits einmal hindurchgereist oder haben eine längere Zeit dort verbracht? Wir freuen uns über jedwede Beschreibung, damit sich unser Verständnis füreinander und die unterschiedlichsten Regionen und Lebewesen in Sandramoris stetig erweitert…“
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris- Was in den Wäldern lebt- Der Picus legatus

Beitrag von Crynn »

Sandramoris – Was in den Wäldern lebt
Der Picus legatus

Der Picus legatus wurde bisher ausschließlich in Samala, dem Weisen Wald von Sandramoris gesichtet. Es wird vermutet, dass er eine Schlüsselrolle in der Übertragung von Nachrichten zwischen der Welt der Tiere und derer der Pflanzen einnimmt. Bestärkt wird diese Vermutung, durch sein immer wiederkehrendes Verhalten, gegen die Rinde von uralten Baumriesen in Samala zu klopfen, wobei sich die Dauer und der Rhythmus seines Pochens jedes Mal deutlich unterscheiden.
Der Vogel besitzt ein braun schimmerndes Federkleid, am Kopf stehen einige hellrote Federn in einem Büschel auf. Seine großen runden Augen, die viel zu groß für seinen kleinen Kopf anmuten, sind von einem strahlenden Blau. Er verfügt über einen langen schwarzen Schnabel, der am Ende fast kugelförmig zuläuft. Er ist klein, kaum eine Kinderhand groß.
Kurz bevor er mit dem Klopfen beginnt, stößt er einen grellen Schrei aus. Manche der ihn seit langem beobachtenden weisen Frauen in Samala meinen, dieser Schrei öffne einen Zugang im Baum, damit die Nachricht, die er überbringt, entschlüsselt und weitergeleitet werden kann.
Der Picus legatus wurde bisher nur im Anflug auf die uralten Baumriesen beobachtet, sowie während seines Klopfverhaltens. Es scheint, als verfüge er über die Gabe ganz plötzlich, wie aus dem Nichts, aufzutauchen und dann wieder zu verschwinden.
Auf einer Lichtung am Rande von Samala steht eine Skulptur aus Stein, ein übergroßes Abbild des Picus legatus, fast so groß wie ein ausgewachsener Fuchs. Sein Haupt ziert eine steinerne Krone umrankt von Efeu und Brombeeren.
Einer alten Überlieferung zufolge, müsse Samala zu Grunde gehen, würden die Amazonen es jemals wagen, den Vogel zu bejagen. Darin heißt es auch, dass er eines mächtigen Zaubers fähig sei.Manche der weisen Frauen und auch einige der durch Sandramoris Reisenden huldigen ihn, indem sie vor seiner Statue geflochtene Brombeerkränze niederlegen, sich verbeugen, um damit den Kräften des Waldes ihre Ehre zu erweisen
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris - Was in den Wäldern lebt - Sanitatem Musco

Beitrag von Crynn »

Was in den Wäldern lebt
Sanitatem Musco

Das Moos, das die Wunden heilt, gehört zu einer der zahlreichen Heilpflanzen des Weisen Waldes Samala in Sandramoris. Die höchste Heilkraft soll es entfalten, wenn es von Weisen Frauen mit einer scharfen Sichel in Vollmondnächten gesammelt wird.
Auszug aus dem Lehrbuch der Heilerinnen:
„So lege den Muscus auf die gärende Öffnung, aus der bereits der Hauch des Verfalles dringt. Umhülle ihn mit Leinen, die du nun sieben Tage und Nächte dort belässt.“
Die wundersame Heilkraft des Mooses ist in ganz Sandramoris bekannt. Selbst bereits eiternde tiefe Wunden lassen sich durch das Auflegen des Mooses besänftigen und heilen.
In früheren Kämpfen trugen die Amazonen stets ein Leinensäckchen mit getrocknetem Moos und Leinentüchern bei sich.
So erstaunlich die Kräfte des Mooses auch sein mögen, eine Gefahr schlummert tief in ihm. Diese tritt nur bei Verzehr zu Tage.
Beschreibung einer Augenzeugin:
„Als in den Hungermonden manche Frau nicht wusste, wie sie ihre Kinder nähren konnte, gelangte das Moos in den Körper einiger weniger Verzweifelter. Über Nacht verwandelten sich ihre kleinen Körper in grüne weit geöffnete Gefäße aus denen frisches Moos eifrig spross. Wo am Abend zuvor noch Herzen geschlagen hatten, kroch nun hellgrünes Moos durch geöffnete Brustkörbe, blitzte hervor aus leeren Augenhöhlen, zwischen toten Zähnen strebte es kriechend dem Licht zu.“
Seit diesen Tagen wird bereits kleinen Kindern, die in Sandramoris aufwachsen, beigebracht, nichts in Samala zu pflücken, zu essen. Selbst das Riechen an manchen Pflanzen, die den Weisen Wald ihre Heimat nennen, kann verehrende Folgen haben.
Zuletzt geändert von Crynn am So Aug 10, 2025 5:19 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris - Was in den Wäldern lebt - Der hadernde Dorn

Beitrag von Crynn »

Sandramoris
Was in den Wäldern lebt - Der hadernde Dorn

Der hadernde Dorn hat viele Abwehrmechanismen gegen mögliche Fressfeinde entwickelt. Es handelt sich um einen hellgrünen niedrigen Strauch, der in Samala wächst. In der warmen Jahreszeit bringt er pralle dunkelblaue Beeren hervor, die gebraten mit etwas Honig eine Delikatesse in Sandramoris darstellen. Das Ernten derselbigen gestaltet sich allerdings schwierig. Deshalb werden die Beeren nur zu besonderen Anlässen und nur an wenigen Orten serviert.
Sein Name geht auf seine Eigenschaft zurück Zwiegespräche mit sich selbst und ihn umgebenden Pflanzen zu führen, im Falle einer unmittelbar bevorstehender Ernte seiner Beeren auch mit den Plündererinnen.
Laut Berichten dringt immer wieder ein Wispern durch Samala. Manche Frauen, besonders solche, denen ein einfühlsames Wesen zugeschrieben wird, vernehmen Wortfetzen.
Die Sträucher, von denen es unzählige im Weisen Wald gibt, sprechen dann zu sich selbst oder anderen, sowie untereinander.
Den Wortfetzen, die über die Jahrzehnte zusammengetragen wurden, ist zu entnehmen, dass sie äußerst unentschlossen, ob ihres Handelns sein mögen. Es scheint, als seien sie ständig damit beschäftigt ihre Gedankengänge zu sortieren, über vieles intensiv und ausdauernd nachzudenken, während sie einige der Gedanken dabei laut aussprechen.
Auf Störungen von außen können sie dabei ungehalten reagieren, sie verfügen über die Fähigkeit blitzschnell Dornen ausfahren zu können, um dadurch auf ihnen landende Insekten oder Vögel zu vertreiben.
Stehen zwei von ihnen eng beisammen, beginnt oft schon mitten in der Nacht ein Wispern zwischen ihnen. Inzwischen wird bei der Errichtung von Bauten im Weisen Wald darauf geachtet, dass diese nicht zu nahe an den Sträuchern stehen. In der Vergangenheit wurde von düsteren Träumen der Bewohnerinnen berichtet, wenn ihre Hütten zu nah an den Sträuchern errichtet wurden. Es scheint, als hätten sie die Fähigkeit in Köpfe anderer Lebewesen vordringen zu können.
Dies tun sie vor allem im Falle einer unmittelbar bevorstehenden Pflückung ihrer reifen Beeren:
„Plötzlich vernahm ich eine Stimme in meinem Kopf. Sie war zunächst leise, aber eindringlich. Zunehmend wurde sie lauter, während sie zu mir sprach. Sie versuchte mich zu warnen vor den Beeren. Als dies an meinen Absichten nichts zu ändern schien, blickte sie tief in mein Wesen und holte dort Dinge aus meiner Kindheit hervor, die ich lange weggesperrt hatte. Sie erschuf meine kindlichen Ängste in düsterem Licht, vor meinem inneren Auge tanzten die Geister aus Kindertagen.“
Nur sehr willensstarke Frauen, ausgestattet mit scharfen Dolchen (der Strauch umklammert seine Beeren mit eiserner Faust) und ledernen Handschuhen (wegen der auftauchenden Dornen), gelingt es, zu Festtagen einige wenige Beeren zu ernten.
Mittlerweile ist eine Diskussion in ganz Sandramoris entbrannt, ob überhaupt noch Beeren geerntet werden sollen. Die einen bestehen auf Tradition und sagen, es sei ein „kulinarisches Erbe“, die anderen (darunter auch viele der Weisen Frauen) hängen der neueren Theorie nach, dass die Beeren die Nachkommenschaft der Sträucher darstelle und das Pflücken derselbigen einer barbarischen Kindstötung nahekomme. Sie untermauern ihre Theorie durch zahlreiche Augenzeuginnenberichte vom Verhalten der Sträucher nach der Beerenpflückung:
„Sogleich drang ein lautes Geräusch aus dem Strauch, das an ein verzweifeltes Schreien erinnerte.“
„Ich sah, wie aus den Blättern plötzlich Wasser tropfte, dies hörte über Stunden nicht auf, der ganze Strauch bewegte sich, als würde er zittern“
„Ein Schluchzen drang durch den Wald, ein tiefes Wehklagen. Nach einiger Zeit des Suchens entdeckte ich, dass es aus einer Gruppe beieinanderstehender Sträucher drang, die ein merkwürdiges Verhalten zeigten. Es schien, als seien sie eng zusammengerückt. Sie hatten ihre Zweige umeinander geschlungen, fast so, als würden sie sich umarmen. Beim Näherkommen sah ich, dass einigen von ihnen auf grobe Art Beeren entrissen worden waren. Zweige waren abgeknickt, Blätter lagen vor ihnen auf dem Boden. Aus manchen strömte eine rote dickflüssige Substanz, die mich an Blut erinnerte. Es war fast so, als wollten sie sich gegenseitig Trost spenden. Ihr Weinen hat sich in meine Seele eingebrannt, ich werde es nie wieder vergessen“.
Merhan
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Re: Kultur aus Sandramoris

Beitrag von Merhan »

Ich liebe die Kulturtexte aus Sandramoris. Um sie wieder vor Silur zu schieben und für den Rest der Woche sichtbarer zu machen deswegen hier mein Lob und Anerkennung.
Crynn
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Re: Kultur aus Sandramoris

Beitrag von Crynn »

Vielen Dank Merhan
Crynn
Beiträge: 14
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Re: Kultur aus Sandramoris - Was in den Wäldern lebt - Das suchende Kind

Beitrag von Crynn »

Was in den Wäldern lebt
Das suchende Kind (skyjond bern)

In den Tiefen des Weisen Waldes könntest du auf ein suchendes Kind treffen.
Es handelt sich um einen übergroßen dunkelbraunen Pilz, der die Gestalt eines kleinen Kindes annehmen kann.

“Ich hatte das Gefühl, beobachtet zu werden. Etwas war hinter mir, zwischen den Bäumen versteckte es sich. Ich hörte einzelne Zweige knacken. Als ich stehen blieb, mich umsah, erschien es plötzlich, trat hinter einem Baumriesen hervor. Ich musste fast lachen, hatte ich doch gerade noch etwas Angst gehabt, mit wem ich es zu tun haben könnte. Nun war ich erleichtert, denn es handelte sich um ein kleines Kind, vielleicht drei oder vier Lenze alt. Das Kind trug ein schmutziges Leinenkleid, die schulterlangen Haare hingen zottelig herab, seine grünen Augen schauten mich furchtsam an.”

Niemand weiß genau, seit wann der Pilz namens skyjond bern die Fähigkeit, menschliche Gestalt anzunehmen, besitzt. Der Pilz ist eine Rarität, der Weise Wald ist riesig, so wirst du wohl niemals auf zwei suchende Kinder gleichzeitig treffen.

Bei den Begegnungen mit Menschen erscheinen sie zunächst ängstlich. Auf Ansprache reagieren sie zwar, jedoch nur durch Gestik und Mimik. Es scheint als könnten sie nicht sprechen, obwohl sie mit den Mündern Worte nachahmen können, doch kein Laut dringt über ihre Lippen.

Die Metamorphose des skyjond bern geschieht in mehreren Schritten. Zunächst erscheinen grüne Augen in seinem Thallus, dann beginnen Bewegungen, er schwankt hin und her, kauert sich zusammen, Arme beginnen aus ihm herauszuwachsen. Das alles erscheint ihm Anstrengung abzuverlangen, er wechselt mehrmals seine Farbabstufungen und verliert Wasser, fast als würde er schwitzen. Manchmal taucht schon früh ein Bein auf, um sich dann wieder in den Thallus zurückzuziehen.

Ist die Metamorphose abgeschlossen, benötigt der Pilz eine Weile um sich auszuruhen. Das kleine Kind liegt dann zusammengekauert auf dem Waldboden, es reagiert weder auf Ansprache noch auf Berührung. Versuche, es zu bewegen oder gar hochzuheben scheitern, fast so, als sei es mit dem Boden durch kräftige Wurzeln verbunden. Erst nach Stunden kann es sich strecken, langsam aufstehen. Seine Bewegungen sind zunächst unsicher, als müsse es jedes Mal aufs Neue erlernen, wie dieser menschenähnliche Körper zu steuern sei.

Manche Naturforscherinnen in Sandramoris bezeichnen skyjond berns Metamorphose als eine gelungene Strategie. Einem kleinen Kind etwas anzutun birgt eine große Hemmschwelle. Zudem existieren Überlieferungen, dass ein suchendes Kind bei einem Angriff durchaus über effektive Mittel der Verteidigung verfügt. Aus seinem Mund schießen dann winzig kleine Pilzsporen, die in den Körper des Angreifenden eindringen. Dies kann verschiedene Reaktionen hervorrufen, die das suchende Kind anscheinend bewusst zu steuern in der Lage ist. Das kann von einer lähmenden, sedierenden Wirkung bis hin zum sofortigen Atemstillstand und dem daraus erfolgenden Tod reichen.

Im dunklen Buch des Weisen Waldes wird eine Szene beschrieben, von der nicht einmal die Weisen Frauen wissen, ob sie sich so zugetragen hat oder ob es sich um reine Fantasie handelt:

“In den alten Zeiten führte ein mächtiger Zauberer alle suchenden Kinder des Weisen Waldes, angelockt durch ein magisches Flötenspiel, in einen Kerker, den er für diese Zwecke zuvor errichten lies. So groß war seine Neugier auf ihre Fähigkeiten, studieren wollte er sie, dass er jedwede Zurückhaltung verlor und sich in seinen Experimenten, die er an ihnen vollzog, versündigte. Die Kinder schienen mit jedem Tag kränklicher zu werden, jede Stunde, die sie in dem düsteren Raum verbrachten, raubte ihnen Lebenskraft. Ihre Münder weit aufgerissen, wenn er spitze Gegenstände in ihre Körper bohrte, sie mit magischen Flüssigkeiten übergoss. Es waren stille Schreie, ihre Augen panisch, ihre Hände in Abwehrhaltung, sobald er sich mit seinem großen schwarzen Umhang, in dem er stets neue Gerätschaften verbarg, ihrem Gefängnis näherte. Nach Wochen der Qual verwandelten sich die Kinder zunächst in ihre Ursprungsgestalt, den Pilz, zurück. In der nächsten Nacht verflüssigten sie sich, sie krochen über den Boden auf die Gitterstäbe zu, durch sie hindurch und jede Lebensform, die sich ihnen in den Weg stellte, wurde in Windeseile von ihnen durchdrungen, so dass sie sich ebenfalls in eine dickflüssige Masse verwandelte und in ihnen aufging. Der Zauberer schrie, als sie seine Füße erreichten, er versuchte seine Magie einzusetzen, um ihre Flucht zu verhindern, doch dafür war es längst zu spät. Auch er wurde zu einem Teil von ihnen.”

Einige Weise Frauen hängen der Theorie nach, skyjond bern hätte erst nach der Begegnung mit dem Zauberer begonnen, seine ausgefeilten Verteidigungsfähigkeiten zu entwickeln. Sie denken, dass durch die Verschmelzung mit dem Zauberer seine magischen Fähigkeiten in die Pilze übergegangen sind.

Die suchenden Kinder scheinen das Verhalten der Menschen nachzuahmen, vor allen wenn sie auf sie treffen. Es existieren Berichte, wonach suchende Kinder Menschen im Weisen Wald in die Irre geführt haben. In anderen wird erzählt, dass sie ihr Gegenüber intensiv beobachten, fast so, als sei es ein Objekt, dass sie studieren wollten. Bis heute ist nicht klar, was ihre Absichten sind. Deshalb ist Vorsicht geboten, solltest du im Weisen Wald das Gefühl haben, beobachtet zu werden oder gar den Schatten eines kleinen Kindes zwischen den Bäumen erspähen.
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