Kultur aus Silur

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Merhan
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Re: Kultur aus Silur

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Das Kindertotenhaus - Ende des Adlermondes

Am Mittag des Folgetages klart es auf. Mit dem Wind lässt auch die Kälte nach und die Luft hat plötzlich jene göttliche Klarheit, die man gelegentlich im Hochgebirge findet. Die umliegenden Gipfel, ja der ferne Bel- Arad scheinen zum Greifen nahe. Ihrem Führer, dem Traumritter Estel Eisendraht ist die Erleichterung anzusehen. Bei gutem Wetter werden sie Orsos schnell und gefahrlos erreichen. Prinz Berendor erspäht auf einem nahen Felsbuckel ein kleines Steinhaus. Überrascht fragt er Estel Eisendraht nach dem Gebäude.
„Das ist ein Kindertotenhaus“, antwortet der Traumritter bedrückt. Der Prinz blickt ihn ratlos an. „Vielleicht sollten wir es aufsuchen. Es mag euch zu denken geben“, ergänzt Estel.
Eine kurze Kletterpartie bringt sie auf die Kuppe mit dem Haus. Es ist nur zwei auf zwei Schritt groß, schlicht und sorgfältig aus dem anstehenden Stein gemauert. Näherkommend sehen sie einen Eingang ohne Türe und ein Fenster, das zum Bel- Arad geht. „Da ist jemand drinnen“, erkennt Berendor und deutet auf eine kleine Gestalt, die reglos auf einer steinernen Bank sitzt. „Hier?“
Estel Eisendraht ist zum Prinzen getreten und liest für ihn die Runeninschrift auf dem Türsturz: „DINAND WACHT FÜR EUCH“. „Dinand?“, spricht Berendor den Wächter an. „Er wird euch nicht hören“, erklärt ihm der Traumritter traurig: „Er ist seit Jahrhunderten tot. Das Erste Volk Silurs, das lange vergangen ist hat vor Pondaron dieses Haus und dutzende weiterer gebaut. Kindertotenhäuser. Wir heutige glauben, dass sie das Kostbarste opferten, was sie hatten. Ihre Kinder. Die Kälte hat sie bewahrt und so wachen sie noch heute.“
Prinz Berendor ist empört: „Das ist entsetzlich! Wie konnten sie?“ Estel Eisendraht antwortet ernst: „Was wollt ihr opfern denn das Allerkostbarste wenn die Not groß ist und euer Glaube an die Götter fest? Gold?“
„Wir Silurer glauben, dass schon das Erste Volk, unsere Vorgänger die Pflicht hatte den Lavadienern zu helfen das Tor im Bel- Arad geschlossen zu halten und alle ihre Kindertotenhäuser sind auf den Bel- Arad ausgerichtet. Vielleicht gehorchen Dinand und seine Gefährtinnen und Gefährten in den anderen Totenhäusern der gleichen Pflicht, der ihr auf dem Gipfel des Lichtberges am Stein der Dena gehorcht habt.“
„Sie sind schöne Kinder, makellos und gesund, die in den Totenhäusern als Opfer starben. Ich bin sicher, dass sie von ihrem Volk, ihren Eltern, ihren Freunden geliebt wurden. Sie tragen Spielzeug in den Händen und sie tragen die schönen Kleider ihres Volkes, doch aus dünnen Stoff, dass sie, regungslos in der Kälte ausharrend, schnell erfroren. Sie wurden nicht eingesperrt, oder gefesselt, oder vorab getötet, sondern sie harrten freiwillig aus, ihren Opfertod durch die Kälte erwartend. Ich glaube, sie wussten um die Bedeutung ihres Todes und haben ihn gläubig und für ihre Gemeinschaft erwartet.“
„Wir wollen wollen das Totengebet für sie sprechen, wie es Sitte in Silur ist, wenn zu einem Ort des Todes tritt: Gehe mit dem Segen der Götter, möge Horcan dich geleiten...“
Schweigend und nachdenklich verlassen sie die steinige Kuppe mit dem einsamen Totenhaus in dem ein tapferes Kind seit Ewigkeiten wachend auf den Bel- Arad blickt.
Merhan
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Re: Kultur aus Silur

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Die Traumritter - Anfang des Katzenmondes

Das Wetter bleibt kalt und klar, und obwohl nachts der Frost beißt ist das Vorankommen leichter als zuvor. Endlich rasten sie oberhalb eines breit ausgeschobenen Tales. Im Talgrund, tief unter ihnen steht eine kleine, sechseckige Burg, auf einer runden, steinigen Kuppe, mit einer von sechs Türmen verstärkten Ringmauer an der entlang Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet wurden. Am Fuß der Kuppe wachsen Bäume dicht an dicht. Im Phialae liegen, aneinandergeschmiegt, Bauernhäuser, Ställe und Scheunen, im Peristera der Kuppe beginnt eine Schlucht, so tief eingeschnitten, als ob sie Silur spalten will. Auf dem sonnigen Machairashang des Tales unter ihnen weiden Schafe und Ziegen, der schattige Ophishang gegenüber ist mit dunklen Nadelbäumen bis hoch zur Baumgrenze bewaldet. Oberhalb ist nichts als Stein und Eis und Himmel.
Cylios Esbilar beschreibt den Ausblick: „Dies ist unsere Burg - die Ordensburg der Traumritter des Weißen Kreuzes! Es ist eine Gründung des Traumritters Lystram von Aetate, der Anfang des dritten Jahrhunderts nach Pondaron die Schuld für eine Niederlage des Reiches Metharia auf Kiomba auf sich nahm und mit Exil bestraft wurde. Er ließ sich im Jahre 204 n.P. hier nieder, um Kinder des Silurischen Adels im Geiste des Traumrittertumes zu erziehen. Man sagt der Familie von Aetate nach, sie habe stets exponierte Stellungen gewählt. Der Weg, die sich im Dorfe unten, in Orsos gabelt kommt von Belfalas empor. Der Arm nach Klados führt tiefer nach Morossos hinein. Der Arm nach Lychnos aber windet sich empor nach Ersor, zur Festung Salonien, lange Zeit eine Stellung des Zardos und weiter zu den Gipfeln des Bel- Arad mit seinem Dimensionstor, welches den Darkon in der Innenwelt einsperrt.“
König Katuum und Kaisererbe Berendor werden von den Traumrittern in die Mitte genommen und auf einen Ziegenpfad steigen sie abwärts. Bald lassen sie Eis und Fels hinter sich, gehen über die grünen Viehweiden des Hanges und schließlich durch das Wäldchen. Kaz Kalundheimen, der flinke Traumritter des Horcan läuft voraus die Besucher anzukündigen.
Erzmagier Katuum bittet um eine Pause und weist auf die niedrig wachsenden Bäume um sie herum. „Sind dies Weißblütenbäume, auch Ebereschen oder Vogelbeeren genannt, dem Gelehrten als Sorbus Aucuparia bekannt?“ „In der Tat“, antwortet Lura Baronin von Brattland, die Traumritterin der Jaffna stolz: „Der Wald geht auf einen Schössling zurück, den Lystram von Aetate ins Land brachte. Hier, wo das Licht gegen die Finsternis steht wachsen sie besonders gut. Es ist das beste Holz für Bögen in den Händen der Kämpfer des Lichtes und Stäbe aus diesem Holz leisten Magiern, wenn sie gegen Dämonen kämpfen ausgezeichnete Dienste. Nicht zu vergessen, dass die Frucht eine wertvolle Komponente der Magie ist.“ Katuum nickt. All diese Dinge zu haben würde er wahrlich schätzen und er würde sie im Interesse des Kaiserreiches gut verwenden. Lura, mit Jaffnas Gabe der tiefen Einsicht in die Seele von Mensch und Elf gesegnet ist es nicht entgangen.
Entlang der Rampe, die das Burgtor mit dem tiefer gelegenen Dorf verbindet haben die Bewohner der Burg Aufstellung genommen, von der geringsten Viehmagd über die meist adeligen Schüler bis hin zu den Traumrittern in ihren schwarzen Rüstungen. Reisige nehmen den Wanderern das Gepäck ab, Knappen bringen Wasser und Tücher, dass sie sich den Staub von Händen und Gesicht waschen und Cylios Esbilar höchstselbst öffnet in traditioneller Ergebenheitsgeste seinen künftigen Kaiser Berendor und dem hochverehrten Elfenkönig Katuum das Burgtor.
Zum Festmahl werden die Gäste in der trapezförmigen Großen Halle empfangen. Ein Gemälde schmückte die lange Wand gegenüber den Silurischen Fenstern. Dargestellt ist die Burg Aetate, Heimat von Traumritter Lystram und ihr Fall, Ursache seines Exils auf Silur.
Cylios Esbilar sitzt der Tafel vor, rechts und links sitzen die Ehrengäste, Berendor und Katuum. Der Platz neben Katuum wurde Boxcalf Burbaki zugewiesen, dem Lehrer für Strategie und Taktik und Traumritter des Thagoth. Er berichtet über die Schwierigkeiten Knappen für den Orden zu gewinnen: „Der Silurer schätzt den Kampf auf Distanz, ist mit dem Bogen geübt und zieht die zweihändige Hellebarde, mit der er den Gegner von sich fern hält dem Schwert und dem Schild des Traumritters vor. Schwierig ist es auch, die Zauberwirker Silurs für das Traumrittertum zu begeistern. Natürliche Zauberwirker zieht es zur ALMAKAN, zur Magierakademie oder zum KRANGOS, zum Großen Tempel, gar in die Kreise von Druiden und Schamanen wo sie sich alleine auf das Zaubern konzentrieren. Eine vielversprechende Kandidatin sagte mir, im Kampf würde sie Waffen und Rüstung fortwerfen und ihre Magie wirksamer einsetzen als Ordensschwestern und -brüder göttliche Gaben und Waffen. Wir boten ihr an, das zu demonstrieren. Sie hat Recht behalten. Wir gewinnen praktisch ausschließlich Personen, die keine natürliche Begabung zur Magie besitzen und auf die Gaben der göttlichen Patrone angewiesen sind, wenn sie dennoch zaubern wollen. Möglicherweise müssen wir unsere Rolle überdenken, sind vielleicht in Silur nur Erste Reihe, Deckung für Bogenschützen und Zauberwirker die hinter uns agieren.
Die Nachbarin von Berendor ist schweigsam und der Prinz braucht alle in Chalkis erlernte Beredsamkeit sie aus der Reserve zu locken. Schließlich gelingt es ihm ihren Namen herauszufinden: „Aki Eibenblatt? Gräfin Helne Värmann hat euch Heldin des Friedens mit den Dunkelelfen in Ersor genannt! Aki wiegelt ab. Sie sei vor allem Botschaft gewesen. Sie glaubt, dass sich die Kultur der Dunkelelfen in den Jahren um 435 n.P. gewandelt hat und dass sie ein Signal des Friedens überbringen durfte, das Silurs verstanden und akzeptiert hat. Aki glaubt, mit der Mehrheit der Silurer, dass unter den Dunkelelfen lange eine Gruppe dominierte, die Pottundy verehrte und verantwortlich war für Attentate, die auf Silur geschehen sind. Später hat sich in der sicheren Zuflucht Salonien eine andere Gruppe durchgesetzt, die Parana anbetet und Silur die Gabe der Friedensgöttin, den Frieden angeboten hat.
Prinz Berendor ist erstaunt: „Ihr vertraut einem Volk welches die Göttin des Wahnsinns verehrte, dass es nun die Göttin des Friedens anbetet, obwohl sich beide Göttinnen spinnefeind sind?“ Aki nickt. Sie hat den Friedenswunsch der Dunkelelfen wohl hunderte male bezeugt und trotz des gemeinsamen Friedenstempels auf der Grenze zwischen Silur und Ersor ist in Silur Furcht und Misstrauen geblieben und bei den Dunkelelfen gewiss nicht minder. Der Friede ist fragil.
Berendor bohrt nach: „Und Gerechtigkeit? Die Morde? Die Attentate?“ Aki seufzt: „Wir werden sie nicht aufklären und deswegen können wir niemanden verfolgen und niemanden vor Gericht stellen. Wir können es nicht riskieren einen Täter aus dem Volk der Dunkelelfen zu ermitteln. Der Ruf nach Gerechtigkeit und Strafe wäre die Folge, würde Silur in einen Konflikt mit Ersor stürzen und dort der Pottundyfraktion Auftrieb geben. Neue Morde würden geschehen. Ich weiß, die Dunkelelfen haben Parana, den Frieden gewählt. So stellten sie uns Silurer vor die Wahl zwischen Artans Gerechtigkeit und Paranas Frieden und wir haben gleich den Dunkelelfen Parana gewählt.“
Am Folgetag bittet Burgherr Cylios Esbilar den Hohen Besuch, Traumritter und Knappen, ja ihn selber zu unterweisen. Sicher ist auf Myra kaum jemand gleich dem Erzmagier Katuum qualifiziert, Zauberkunde zu lehren, ein zentrales Wissen für alle Traumritter, die ja das Kaiserreich gegen böse Magier, die Kreaturen der Dunkelheit und die Kulte der Finsteren Sechs verteidigen. Und kaum jemand kann besser als Kronprinz Berendor, der künftiger Kaiser Karcanons die Kultur des Reiches seines Vaters, dessen Politik und Institutionen erklären. So stärken die beiden hohen Gäste als Lehrer das enge Band zwischen den Traumrittern Silurs und dem gemeinsamen Kaiserreich.
Der Tag des Abschieds schließlich sieht die Schwertleite für eine eine Gruppe junger Traumritteraspiranten, die feierlich in den Ritterstand erhoben werden. Nach Anrufung der Götter des lichten Pantheons, unter Chnums Himmel und auf Denas Erde legten Berendor und Katuum den Knappen die Sporen an, gürten sie mit dem Schwert und überreichten ihnen den Schild mit den Zeichen der göttlichen Patrone, welche die angehenden Ritter sich zuvor erwählt haben und von denen sie als Paladine akzeptiert worden sind. Ein dreifacher Schlag in den Nacken, Zeichen der demütigen Unterwerfung des Traumritters unter die Gewalt der Götter, der Herrscher und des Traumritterordens beendet die Zeremonie.
Angeführt von Cylios Esbilar und von einer Ehrengarde der Traumritter begleitet verlassen Berendor und Katuum die Ordensburg des Weißen Kreuzes um durch das Breetal abwärts nach Bresos zu gelangen, dem Hauptort von Vrenschild, der Grafschaft Prinz Berendors auf Silur.
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